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Der Ostsee-Mann der FDP

Bauunternehmer und FDP-Bundestagsabgeordneter Hagen Reinhold.
Bauunternehmer und FDP-Bundestagsabgeordneter Hagen Reinhold.
Bernd Wüstneck

Gelernter Maurer, dreifacher Vater, relativ neu im Bundestag: Hagen Reinhold (FDP).

Ende August ist der Hafen noch gut belegt. Mehr als 100 Jachten schaukeln an den Bootsstegen des Barther Boddens auf den Wellen. Vom kleinen Aussichtsturm in der Schiffswerft schweift der Blick von Hagen Reinhold über die wippenden Bootsmasten und die Lagune hinüber zum Darß-Zingst. Da drüben, vielleicht sieben Kilometer entfernt, sind die roten Gebäude der Ostseeklinik deutlich zu erkennen. „Gleich östlich davon, dort könnte es passieren“, sagte der 35-Jährige.

"Wir brauchen eine bessere Erschließung für den Wassertourismus"

Gemeint ist der seit Jahren von Einheimischen geforderte Durchstich von der Ostsee zur Boddenkette. Reinhold macht sich stark dafür. „Wir brauchen eine bessere Erschließung für den Wassertourismus. Die vielen kleinen Häfen und Gemeinden am Saaler, Bodstedter und Barther Bodden würden von einem Zugang zur Ostsee enorm profitieren.“ Ein Außenhafen dagegen, wie von den Zingstern gefordert, sei Blödsinn, weil daraus nur ein einziger Ort Nutzen ziehen würde. Mit der Anbindung der Bodden würde den Freizeitkapitänen ein tolles Revier geboten. Außerdem würden ein Lückenschluss in der Hafenkette zwischen Rostock und Barhöft geschlossen und ein Liegeplatz für den hier dringend benötigten Seenotkreuzer geschaffen.

Wenn der FDP-Politiker über den geplanten Kanalbau und seinen Verein „Boddendurchstich Zingst jetzt e.V.“ spricht, erahnt man eine Leidenschaft, mit der er für ein Projekt oder Vorhaben auch im Bundestag kämpfen würde. Laut eines Gutachtens würden sich die Kosten für den schon zu Kaisers Zeiten angegangenen Durchstich um 30 Millionen Euro bewegen – Geld, das Bund, Land und EU bereitstellen könnten, sagt er. Für die jährlichen Folgekosten zur Ausbaggerung der immer wieder versandenden Einfahrt müssten die Gemeinden aufkommen, die dafür einen Zweckverband gründen sollten. „In vier Wochen wollen wir gesammelte Unterschriften für ein Bürgerbegehren zugunsten des Durchstichs an die Gemeinde Zingst überreichen.“

Mit 24 Jahren der FDP beigetreten

Reinhold würde gern mehr bewegen. Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, warum er, der in Wismar geborene Spross eines völlig unpolitischen Elternhauses, schon im Alter von 24 Jahren der FDP beigetreten war. Der gelernte Maurer, der im Betrieb seines Vaters sein Handwerk begann und später schnell den Meisterabschluss und sich selbstständig machte, gibt sich selbstsicher. Er habe eine schnelle Auffassungsgabe, habe schon 2011 den elf Jahre zuvor gegründeten väterlichen Betrieb übernommen. Die Baugesellschaft Reinhard scheint erfolgreich, ohne dass sie zu wirtschaftlichen Höhenflügen starten zu wollen. „Wir haben 15 Mitarbeiter, und ich will gar nicht, dass wir unentwegt wachsen, zumal echte Fachkräfte allmählich rar werden“, sagt der Vater von zwei Töchtern und einem Sohn im Alter zwischen drei und fünf. Die Firma ist im Denkmalschutz, Gewerbe- und Wohnungsbau in ganz Ostdeutschland und in Hamburg unterwegs.

Seit im Januar dieses Jahres der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Ahrendt zum Vizepräsidenten des Bundesrechnungshofes gewählt wurde und Reinhold für ihn in den Bundestag nachrückte, bleibt für Firma, Familie und Freizeit-Surfen kaum noch Zeit. In den vergangenen acht Monaten hat er sich Appetit auf Parlamentsarbeit in Berlin geholt.

Er selbst bezeichnet sich als Bereicherung im Bundestag

Im Wahlkreis 14 muss er sich auseinanderzusetzen mit Gegenkandidaten wie Steffen Bockhahn von den Linken und Harald Terpe von den Grünen. Dass seine Partei die Fünf-Prozent-Hürde wieder meistern werde, daran hegt der Unternehmer nicht den geringsten Zweifel. Es gebe derzeit eine Schere zwischen Umfragen und Wahrnehmung, hat er festgestellt. „Ich selbst bin in diesen Tagen immer wieder neu verblüfft, was für eine positive Stimmung uns am Wahlkampfstand entgegengebracht wird. So etwas habe ich bislang noch nicht erlebt.“ Er selbst bezeichnet sich als Bereicherung im Bundestag, als einen Abgeordneten, der wisse, welche Auswirkungen ein Gesetz im realen Leben haben könne. „Wenn man kleine, fachspezifische Probleme aufgreife, dann sei „Sachverstand aus dem wahren Leben und nicht aus dem politischen Raum“ sehr hilfreich.

Für eine echte Bilanz seiner bisherigen Bundestags-Karriere fiel die Zeit wohl etwas kurz aus. Reinhold arbeitete unter anderem im Ausschuss für EU-Angelegenheiten und war stellvertretendes Mitglied im Innen-Ausschuss sowie im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. In letzterem Gremium würde er gern wieder mitarbeiten. Für eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes strebe er einen parteiübergreifenden Konsens an. Über ungelegte Eier spreche er aber nicht so gern öffentlich, betont er. Nur so viel: Es gehe um Ausnahmeregelungen zur Sonntagsarbeit. Denn in der Praxis würden heutzutage viele Menschen einfach schwarz am Sonntag arbeiten müssen.

Als Liberalem liege ihm die regionale Wirtschaft besonders am Herzen, versichert Reinhold, der sich für eine Ölförderung in Vorpommern durch den kanadischen Konzern CEP ausspricht. Dass der Bund seine Bürgschaften für die kriselnde Werftindustrie neu definiert habe, sei auch ein Verdienst der FDP. Aber auch die Schiffbauunternehmen müssten ihre Hausaufgaben machen. „Die Zukunft im deutschen Schiffbau liegt im Spezialschiffbau. Dazu brauchen wir künftig viel mehr Ingenieurleistung vor Ort als das bislang zum Beispiel in der Volkswerft Stralsund der Fall war.“