:

Deutsche Städte schmücken sich mit Slogans

Der alte Slogan „viel vor. viel dahinter“, war der Stadt nicht gut genug, ein neuer unbeliebt. Nun gibt es gar keinen mehr.
Der alte Slogan „viel vor. viel dahinter“, war der Stadt nicht gut genug, ein neuer unbeliebt. Nun gibt es gar keinen mehr.
Uli Deck

Jede Stadt will einen positiven Eindruck vermitteln und viele lassen sich etwas einfallen. Das kommt nicht immer gut an.

Die meisten größeren Städte in Deutschland haben ihn – den eigenen Slogan. Das kann aber auch schiefgehen. „Das Gefühl, dass immer mehr Städte das anwenden, ist nicht ganz falsch“, sagt Bernd Radtke. Er ist Autor des Buches „Stadtslogans zur Umsetzung der Markenidentität von Städten“ und überzeugt: Jede Stadt ist eine Marke. „Lohne lohnt sich“, verspricht etwa die niedersächsische Stadt. Aber stimmt das auch? Na klar, beteuert Stadtsprecher Christian Tombrägel. „Wir sind ein starker Wirtschaftsstandort und haben fast keine Arbeitslosigkeit.“ Aber warum braucht Lohne dann einen Slogan? „Wir sind daran interessiert, von der Stadt ein positives Image zu vermitteln“, sagt Tombrägel, „weil wir nicht mit großen Bauwerken oder historischen Schlachten punkten können, müssen wir auf anderem Wege auf uns aufmerksam machen.“

Manche Städte sorgen aber für Verwirrung, so Radtke. Zum Beispiel die Stadt Rendsburg in Schleswig-Holstein mit ihrem Slogan „Hier passiert die Welt.“ Wer nicht aus der Region komme, habe Schwierigkeiten, die Verbindung zum angrenzenden Nord-Ostsee-Kanal herzustellen.

"Lieber kein Slogan als ein schlechter Slogan"

Über die Einwohner hinweg dürfe ein Slogan nicht entwickelt werden: „Die Einwohner machen die Stadt aus“, sagt Radtke. „Insofern müssen sie auch hinter dem Slogan stehen.“ Bei einer Umfrage unter Berlinern sagten damals 60 Prozent, die Kampagne „be Berlin“, die jährlich drei Millionen Euro kostet, sei schlecht. Die meisten denken bei der Hauptstadt wohl eher an deren inoffiziellen Slogan: „Arm, aber sexy.“

„Einwohner wollen in aller Regel, dass eine gewisse Vielfalt transportiert wird“, erklärt Radtke. Schmerzlich musste das die Stadt Karlsruhe erfahren: Sie wollte ihren Slogan „Viel vor. Viel dahinter“ in „Karlsruhe – baden in Ideen“ umwandeln. Die Bewohner gingen auf die Barrikaden und verhinderten ihn. Karlsruhes Stadtsprecherin sieht das gelassen: „Das Beste, was einer Stadt und ihrem Slogan passieren kann, ist, dass man darüber spricht.“ Derzeit würden auch die Schilder mit dem alten Claim abgebaut. „Karlsruhe braucht keinen mehr.“ Hamburg sei beispielsweise so stark als Marke, dass sie auf ihre Vorzüge nicht aufmerksam machen müsse, sagt Radtke. „Lieber kein Slogan als ein schlechter Slogan.“