Prozess gegen früheren Bundespräsidenten
Die Abrechnung mit Wulff bleibt aus

Olaf Glaeseker (r.), ehemaliger Sprecher von Wulff, musste am Mittwoch als Zeuge vor Gericht erscheinen.
Olaf Glaeseker (r.), ehemaliger Sprecher von Wulff, musste am Mittwoch als Zeuge vor Gericht erscheinen.
Julian Stratenschulte

Christian Wulffs einstiger Sprecher Olaf Glaeseker präsentiert sich im Korruptionsprozess gegen seinen Ex-Chef als Zeuge mit großen Gedächtnislücken. Eine andere Zeugin bringt aber heikle Details ans Licht.

Der ehemalige Sprecher von Christian Wulff, Olaf Glaeseker, hat als Zeuge im Korruptionsprozess gegen den früheren Bundespräsidenten nur wenig zur Aufklärung der Vorwürfe beigetragen. Weder die Umstände des Oktoberfestbesuchs von Wulff im Jahr 2008 noch Details zum Filmprojekt „John Rabe“ des mitangeklagten David Groenewold seien ihm noch in Gedächtnis, sagte er am Mittwoch vor dem Landgericht Hannover. „Daran kann ich mich nicht erinnern“, erklärte er mehrfach auf Fragen der Staatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich Wulff von Groenewold einen Teil der Kosten für Hotel und Essen rund um den Oktoberfestbesuch bezahlen ließ. Im Gegenzug soll er für dessen Filmprojekt bei der Siemens-Spitze geworben haben.

Glaeseker selbst hatte seine Teilnahme an der umstrittenen München-Reise mit seinem Chef damals wegen einer Erkrankung abgesagt. Doch er bestätigte vor Gericht das enge Verhältnis zwischen Wulff und Groenewold. „Sie sind freundschaftlich miteinander verbunden.“ Die beiden Männer hätten privat viel Zeit miteinander verbracht. Mit beiden Angeklagten war Glaeseker nach eigener Aussage auch selbst befreundet. „Das war ein weit über das Dienstverhältnis hinausgehendes Verhältnis“, beschrieb er seine Beziehung zu Wulff.

Zeugin: Filmfinancier hat Wulff um Hilfe gebeten

Die frühere Assistentin Groenewolds hatte zuvor als erste Zeugin der Darstellung der Verteidigung widersprochen. Die 63-jährige Frau sagte aus, dass der Filmfinancier Wulff um Hilfe bei der Vermarktung eines Films gebeten habe. Wirtschaftliche Probleme seiner Firma hätten ihn 2008 zu diesem Schritt veranlasst. „Der Brief war überlebenswichtig“, betonte die Bürokauffrau. Groenewold habe sie persönlich damit beauftragt. „Es war eine wichtige Sache, er hätte mir den Kopf abgerissen, wenn ich es nicht gemacht hätte.“

Alle Bemühungen von Groenewolds Firma um finanzielle Unterstützung durch Siemens für die Vermarktung des Films John Rabe seien abgelehnt worden. Deshalb habe Groenewold große Hoffnungen auf Wulffs Hilfe gesetzt, so die Zeugin. Die Verteidigung dagegen hatte ursprünglich erklärt, der Bittbrief sei zwar geschrieben, aber nie an Wulff versandt worden. „Die Situation war in keinster Weise finanziell angespannt wegen John Rabe“, widersprach Groenewold am Mittwoch auch der Aussage seiner früheren Angestellten.

Am 6. Februar will das Gericht zu weiteren offenen Beweisanträgen der Staatsanwaltschaft Stellung nehmen. Falls keine weiteren Zeugen gehört werden, kann am 20.  Februar die Beweisaufnahme geschlossen werden. Dann könnte das Urteil am 27. Februar fallen.