Landwirt Hans-Alexander Rabe setzt auf Gut Schwichtenberg auf naturnahes Wirtschaften.
Landwirt Hans-Alexander Rabe setzt auf Gut Schwichtenberg auf naturnahes Wirtschaften.
Landwirtschaft

Dieser Bauer setzt auf die Natur und Glyphosat

Hans-Alexander Rabe zählt zu der wachsenden Zahl von Bauern, die sich für neue Wege bei der Bewirtschaftung ihrer Felder entscheiden. Kein Bio, aber viel Natur und etwas chemische Hilfe.
Demmin

„Es ist toll, was die Natur zu leisten vermag”, sagt Hans-Alexander Rabe. Das möchte der Geschäftsführer von Gut Schwichtenberg nutzen und unterstützen: „In zwei Jahren will ich keine Insektizide mehr auf meine Felder bringen.”

Mehr Anbau von Zwischenfrüchten

Der 32-Jährige hat mit seiner zehnköpfigen Mannschaft begonnen, auf und an den Flächen des unweit des Kummerower Sees gelegenen Betriebes zusätzlich natürliche Lebensräume für Insekten und Vögel zu schaffen. „Wir haben an Wegen und auf Randflächen schon hunderte Bäume, darunter viele Obstgehölze, gepflanzt.” Dazu kommen möglichst viele Blühstreifen an den Feldrändern.

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Für seine Pläne zieht Rabe noch einen Joker aus dem Ärmel: „Wir weiten den Anbau von Zwischenfrüchten auf unseren Feldern deutlich aus.” Dabei gehe es um eine bunte Mischung, bei der es wie bei Senf, Wicken oder Sonnenblumen auf die Blüte ankomme oder wie bei Leguminosen wie Erbsen, Bohnen oder Lupine auf die natürliche Bildung des Stickstoffs als Nährstoff im Boden.

Regenerative Landwirtschaft, aber konventionell

Es waren unter anderem die starken Regengüsse der vergangenen Jahre, die bei ihm ein Umdenken ausgelöst haben. Auf dem Handy hat er die kahlen Ackerflächen dokumentiert, die unter Wasser standen. „Wenn das hier noch abschüssig gewesen wäre, wäre der Boden weggeschwemmt worden”, kommentiert er das Foto. Aber er hat auch noch ein anderes Bild auf dem Handy: ein goldgelbes Stoppelfeld, das nach der Ernte nicht umgebrochen wurde – ganz ohne Wasserlachen. „Ein solcher Acker kann deutlich mehr Wasser aufnehmen”, erläutert er den Unterschied.

Rabes Ziel ist nicht der Biolandbau, sondern eine konventionelle regenerative Landwirtschaft. „Das bedeutet Direktsaat, Zwischenfrüchte, Beweidung mit Tieren und keine unbewachsenen Äcker”, fasst er zusammen. Er hält große Stücke auf den Öko-Landbau, hat aber einen für ihn entscheidenden Einwand. „In Bezug auf das Ergebnis wird durch Bio aber mehr Kohlendioxid freigesetzt als bei meiner Wirtschaftsweise.” Das hänge vor allem mit den niedrigeren Erträgen zusammen. Der von ihm verfolgte regenerative Ansatz fördere Biodiversität und Artenvielfalt, bringe als Beitrag für den Klimaschutz Kohlendioxid aus der Atmosphäre in die Böden (auch Carbon Farming genannt). Die Ergebnisse seien zudem geeignet, den Versorgungsauftrag der Landwirtschaft sicherzustellen.

In Kopenhagen über den Tellerrand geschaut

„Ich stehe erst ganz am Anfang“, sagt er bescheiden zu seinen Plänen. Rabe hat nach seiner Lehre in der Landwirtschaft sein Fach in Kopenhagen studiert und mit einem Masterabschluss beendet. „Dort konnte ich über den Tellerrand schauen”, berichtet er. Und er hat dort eine „hohe Sensibilität” für die Natur gewonnen. „Ich glaube an deren Heilkräfte.” Rabe hat insbesondere die Bodenqualität ins Visier genommen, wie auch viele seiner Berufskollegen.

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Es geht ihm nicht nur darum, die Flächen vor Ausspülung zu schützen. „Im Boden leben Billiarden Kleinstlebewesen, die für Qualität und Fruchtbarkeit sorgen. Die will ich unterstützen”, erläutert er. Deswegen blieben auf Gut Schwichtenberg keine Flächen „schwarz”, also unbestellt. Rabe nennt ein Beispiel. Unmittelbar nach der Getreideernte werde das Feld nicht umgebrochen. „Wir säen zum Beispiel Senf direkt hinein, der die Fläche bis zum Herbst abdeckt und schützt.”

Ohne Ersatz ist der regenerative Ansatz in Gefahr

Der Landwirt gibt zu, dass dabei nicht alles glattgeht. „Das haben wir schon schmerzhaft gespürt”, berichtet er. Die Zwischenfrucht müsse auf einem Stoppelfeld exakt in den Boden gebracht werden, um auflaufen zu können. Um dabei von den Erfahrungen anderer Landwirte zu profitieren, sei er extra nach England gefahren. „Jetzt weiß ich, wie es besser geht.”

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Rabe ist klar, dass es bei seiner regenerativen Landwirtschaft nicht komplett ohne chemische Düngemittel gehen wird. „Aber wir benötigen deutlich weniger, weil wir uns stärker an die Naturkreisläufe halten”, betont er. Vor fünf Jahren habe der Betrieb noch ein Viertel mehr Dünger eingesetzt – ohne höhere Erträge einzufahren. Angesichts der derzeit hohen Preise komme die Reduzierung nicht nur der Natur zugute, sondern schone auch den eigenen Geldbeutel.

„Hinter allem steht aber ein großes Aber”, räumt Rabe ein. Zweimal im Jahr, jeweils zur Aussaat der Feldfrüchte im Frühjahr und im Herbst, müsse das umstrittene Glyphosat eingesetzt werden. Das sei wichtig, damit die frischen Saaten sich ohne Konkurrenz durch andere Pflanzen entwickeln könnten. Die neue Bundesregierung hatte vor wenigen Tagen ihre Absicht bekräftigt, Glyphosat nur noch bis Ende 2023 zu dulden. „Wenn es bis dahin keinen Ersatz gibt, ist der wertvolle regenerative Ansatz in Gefahr”, fürchtet der junge Landwirt.

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