DDR-Doping
Doping-Opfer-Hilfe vor Sportausschuss zitiert

Ines Geipel und der Heidelberger Dopingexperte Werner Franke arbeiteten einst eng zusammen im DOH. Heute sind sie Feinde.
Ines Geipel und der Heidelberger Dopingexperte Werner Franke arbeiteten einst eng zusammen im DOH. Heute sind sie Feinde.
Rainer Jensen

Nach Veröffentlichungen über mögliche Trittbrettfahrer, die das Dopingopfer-Hilfegesetz ausnutzen, verlangt der Sportausschuss des Bundestages Klarheit.

Die Diskussion um die Arbeit des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins (DOH) bleibt auch in der Berliner Politik weiterhin ein Thema. Der Sportausschuss des Bundestages will sich bei seiner Sitzung am Mittwochnachmittag mit dem Anerkennungsverfahren für Dopingopfer und ihren Ansprüchen nach dem Zweiten Dopingopfer-Hilfegesetz beschäftigen.

Eingeladen zu der nicht öffentlichen Tagung sind unter anderem Vertreter des DOH sowie die ehemalige Sprinterin Claudia Lepping. Die Ex-Leichtathletin und Anti-Doping-Kämpferin gehört zu einer Gruppe von Kritikern um den Molekularbiologen Professor Werner Franke, die befürchten, dass die 13,5 Millionen Euro in dem von der Bundesregierung aufgelegten Entschädigungsfonds für Dopingopfer missbraucht werden könnten.

Lepping, Franke sowie Professor Gerhard Treutlein und der Skilanglauftrainer Henner Misersky hatten sich deshalb in einem offenen Brief an die Politik gewandt (Nordkurier berichtete).

In ihrem Schreiben fordern sie, dass die Gesetze zu den Entschädigungszahlungen für Dopingopfer überarbeitet werden müssten. Die Prüfverfahren müssten strenger und transparenter werden, um Missbrauch durch Betrüger verhindern zu können. Ein weiterer Vorwurf der vier Anti-Doping-Kämpfer: Die Rolle des DOH bei dem ganzen Prozedere sei höchst fragwürdig.

DOH wird zweifellos Gegenstand der Fragen sein

Die Sitzung am Mittwoch im Berliner Paul-Löbe-Haus könnte emotional werden. Denn der DOH und die DOH-Kritiker hatten sich in den vergangenen Wochen einige Male in den Medien heftig gestritten, nun werden sie sich gegenüberstehen. „Uns geht es aber nicht darum, Befürworter und Kritiker gegeneinander auszuspielen.

Wir möchten beide Seiten hören und haben daher entsprechende Vertreter eingeladen“, sagte die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), dem Nordkurier. Die zuletzt in der Öffentlichkeit geführten Diskussionen um den Doping-Opfer-Hilfe-Verein werden zweifellos Gegenstand von Fragen sein, so Freitag.

Vor dem Sportausschuss am Mittwoch sollen zudem Vertreter des Bundesinnenministeriums und des Bundesverwaltungsamts als nachgeordnete Behörde, in der das Verfahren zur Anerkennung abgewickelt wird, sprechen. „Sie sollen uns darlegen, wie so ein Verfahren konkret abläuft“, sagte Freitag. Der Ausschuss möchte für Information und Aufklärung sorgen.

Doping-Opfer sollen weiterhin eine Chance auf Entschädigung haben

Dies soll in der gebotenen Sachlichkeit geschehen, so die Vorsitzende. Begriffe wie „Trittbrettfahrer“, die nur die Entschädigung wollen, aber nicht wirklich Opfer des DDR-Dopingsystems seien, wolle sie sich daher nicht zu eigen machen. „Für mich gehören Bewertungen an das Ende einer Sitzung und nicht in das Vorfeld“, sagte sie.

Ob bei der Bewertung von Dopingopfern und der Befürwortung von Entschädigungen in den vergangenen Jahren zu lax gearbeitet worden sei, könne sie nicht beurteilen. „Bei den Diskussionen im Vorfeld des Gesetzgebungsverfahrens im Jahr 2002 war unser Ansinnen, die Nachweisschwelle und das Antragsverfahren relativ unbürokratisch gestalten zu wollen. Ob das heute noch in dem Maße haltbar ist, wird vermutlich auch Gegenstand der Diskussion werden“, so die SPD-Politikerin.

Wichtig sei ihr, dass Betroffene weiter eine Chance auf Entschädigung haben. „Aber da im Jahr 2019 neue Begründungen angeführt werden, muss man sicher auch neue Fragen stellen“, so die Sportausschuss-Vorsitzende.

Über die Kritik an der Arbeit der DOH hatte zuerst der Nordkurier berichtet. Im Zuge der Auseinandersetzungen war die Vorsitzende Ines Geipel Anfang Dezember zurückgetreten. DOH-Chef ist nun der Jurist Michael Lehner.