Wer ab 2023 ein Häuschen im Grünen erbt oder geschenkt bekommt, muss sich auf eine massive Steuererhöhung gefas
Wer ab 2023 ein Häuschen im Grünen erbt oder geschenkt bekommt, muss sich auf eine massive Steuererhöhung gefasst machen. Jan Woitas
Hausbesitzer

Drastische Steuererhöhung bei Immobilien steht bevor

Zum Jahreswechsel werden die Steuern für Immobilienbesitzer erhöht, wenn sie Häuser vererben oder verschenken. Die Erhöhung kann aber umgangen werden.
Berlin

Wer plant, in der nächsten Zeit Immobilien zu vererben oder zu verschenken, der sollte bis Ende der Jahres aktiv werden. Denn zum Jahreswechsel steht nach derzeitiger Planung eine Steuererhöhung an, die Erbschaften oder Schenkungen von Immobilien deutlich verteuert. Dies geht aus dem Jahressteuergesetzentwurf der Bundesregierung hervor, der eine massive Verschärfung bei der Wertermittlung von Immobilien enthält.

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Das bedeutet: Durch die Änderungen erhöht sich der Wert der Immobilie, die vererbt oder verschenkt werden soll, wodurch sich gleichzeitig die Summe erhöht, auf die Steuern gezahlt werden müssen. Der Eigentümerverband „Haus und Grund” schätzt, dass der zu versteuernde Immobilienwert einer Eigentumswohnung oder eines Einfamilienhauses durch die Neuberechnung um 20 bis 30 Prozent ansteigen kann. Bei ganz oder teilweise gewerblich genutzten Immobilien könnte sich dieser Wert sogar verdoppeln.

Teilweise Verdopplung der steuerrelevanten Werte

Bei den Änderungen handle es sich um „unauffällig wirkende Stellschrauben”, sagte Sibylle Barent, Leiterin für Steuer- und Finanzpolitik bei Haus und Grund der „Wirtschaftswoche”. Nehme man aber „alle Stellschrauben zusammen, kommen da leicht 20 bis 30 Prozent Steigerung der steuerlichen Werte zusammen”.

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Bei diesen Stellschrauben handelt es sich zum Beispiel um eine Verringerung der steuerlichen Abziehbarkeit der Bewirtschaftungskosten, um niedrigere Liegenschaftszinssätze oder um Anpassungen bestimmter regionaler Faktoren hinsichtlich Lage und Baukosten. All dies sind relativ komplizierte, unscheinbar wirkende Änderungen, die ein einfaches Ziel haben: Der Wert von Immobilien in Deutschland wird hochgerechnet, so dass bei Kauf und Verkauf höhere Steuern anfallen.

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Diese Änderungen wurden bereits im Juli vergangenen Jahres vorgenommen, indem eine neue „Immobilienwertermittlungsverordnung” erlassen wurde. Der Entwurf des Jahressteuergesetzes 2022, das jüngst vom Bundesfinanzministerium veröffentlicht wurde und das noch Bundestag und Bundesrat passieren muss, sieht nun eine weitere Ausdehnung der Verordnung vor.

Freibeträge reichen meist nicht

Sie soll auch „für Zwecke der Erbschaft- und Schenkungsteuer sowie Grunderwerbsteuer sachgerecht angewendet werden können”, heißt es in dem Entwurf. In Kraft treten soll die Neuregelung zum Jahreswechsel, nachdem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das entsprechende Gesetz im Dezember unterzeichnet hat. Im Bundestag wurde der Entwurf erstmals am 14. Oktober beraten und anschließend an den Finanzausschuss überwiesen.

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Unterm Strich bedeutet das, dass deutlich höhere Steuern anfallen – auch wenn eine Immobilie nicht verkauft, sondern innerhalb der Familie übertragen wird. Zwar gibt es steuerliche Freibeträge, die beispielsweise für Eheleute bei 500.000 Euro, für Kinder bei 400.000 Euro und für Enkelkinder bei 200.000 Euro liegen. Allerdings werden diese Beträge durch die massiven Preissteigerungen bei Immobilien in den vergangenen Jahren leicht überschritten – besonders dann, wenn mehr als eine Immobilie vererbt wird.

Immobilien-Besitzer sollen noch dieses Jahr handeln

In der Praxis bedeutet das, dass in vielen Familien Notverkäufe von Immobilien drohen, wenn die steuerliche Last nach einer Erbschaft nicht geschultert werden kann. Wer eine Immobilienschenkung in Erwägung zieht, sollte also – möglichst mit fachkundiger Unterstützung – noch vor dem Jahreswechsel aktiv werden, raten Experten deshalb.

„Steuerrechtlich gilt eine Schenkung dann als ausgeführt, wenn die Auflassung in dem (notariellen) Schenkungsvertrag erklärt und die Eintragungsbewilligung der Eigentumsänderung formgerecht abgegeben wurde”, erklärt dazu die Deutsche Anwalts-, Notar- und Steuerberatervereinigung für Erb- und Familienrecht.

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