Leere Fußgängerzone in Niedersachsen – im Norden kämpfen ein Drittel aller Einzelhandels-Läden mit
Leere Fußgängerzone in Niedersachsen – im Norden kämpfen ein Drittel aller Einzelhandels-Läden mit Existenzsorgen. Hauke-Christian Dittrich
Einzelhandel

Ein Drittel aller Läden im Norden existenziell bedroht

Vielen Geschäftsinhabern steht das Wasser bis zum Hals: Auf einen Schlag kommt auf die Läden eine ganze Kette von Problemen zu, die an die Substanz gehen.
Neubrandenburg

Der Einzelhandel warnt vor einer Welle von Geschäftsaufgaben in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg, sollten in der aktuellen Wirtschaftskrise wirksame staatliche Hilfen für die Branche ausbleiben. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass innerhalb der kommenden zwölf Monate bis zu einem Drittel der Läden dicht machen müsse, sagte Andreas Bartmann, Präsident des Handelsverbands Nord, gestern bei einer Pressekonferenz. „Der Einzelhandel sieht sich einer Problemlage gegenüber, die es in dieser Komplexität so noch nicht gegeben habe”, erklärte er.

Während die Kauflaune der Kunden einem Tiefpunkt entgegen gehe, verschärften steigende Preise und gestörte Lieferketten beinahe stündlich die kritische Lage der Betriebe, so Bartmann. Dazu komme eine Explosion bei den Energiekosten, die die schmalen Gewinne vieler Läden mehr als aufzufressen drohe. „Das alles stößt auf Geschäfte, die teilweise nach zwei Jahren Corona-Auflagen immer noch geschwächt sind”, betonte er.

Oft reduzierte Öffnungszeiten

Nach den Zahlen des Handelsverbands lagen im ersten Halbjahr 2022 die Umsätze bei Bekleidung, Spielwaren, Schuhen oder Heimelektronik noch immer teils zweistellig unter den Werten aus der Vor-Corona-Zeit. Seit Jahresmitte zeichne sich vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs und der Gaskrise ein verstärkter Umsatzrückgang ab. „Das hat auch viel mit Psychologie zu tun”, erklärte Hauptgeschäftsführer Dierk Böckenholt. Schon jetzt sei es schwierig, die höheren Preise der Hersteller in vollem Umfang an die Kunden weiterzugeben.

Nach Auskunft des Handelsverbands reagieren Geschäftsinhaber oft mit reduzierten Öffnungszeiten auf die Probleme, die durch den vorhandenen Personalmangel verstärkt würden. So würde oft die erste und die letzte Stunde des Tages gestrichen, hinzu kämen Mittagspausen. Zudem werde versucht, Energie zu sparen. Allerdings sei das Potenzial begrenzt, nachdem in den vergangenen Jahren vielfach auf sparsamere LED-Beleuchtung umgerüstet wurden sei.

Kaufzurückhaltung bei Touristen

Für die ländlichen Regionen in Mecklenburg-Vorpommern forderte Böckenholt langfristig wirksame Hilfsprogramme. „Wir brauchen keinen Sprint, sondern einen Marathonlauf”, betonte er. Der Einzelhandel vor Ort müsse als Bestandteil der Daseinsvorsorge behandelt werden. Als zusätzliches Problem sieht der Handelsverband für Mecklenburg-Vorpommern die schon in diesem Jahr beobachtete Kaufzurückhaltung von Touristen, die gerade den Einzelhandel in Urlaubsregionen unwirtschaftlich zu machen drohe.

Der Handelsverband schloss sich den Forderungen nach einem Energiepreisdeckel an, der auf die Branche zugeschnitten sein müsse. Böckenholt schlug unter anderem eine Härtefallregel für Betriebe vor, die durch rapide steigende Kosten für Strom in ihrer Existenz bedroht seien.

zur Homepage