Kommentar zur Bundestagswahl

Ein Unscholzlamm auf dem Weg ins Kanzleramt

Eine Liste von Skandalen kann Olaf Scholz (SPD) auf dem Weg an die Regierungsspitze wohl nicht aufhalten. Vielleicht ist es genau diese Eigenschaft, die ihn fürs Kanzleramt qualifiziert, meint unser Autor.
Olaf Scholz, Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat steht seit Wochen an der Spitze aller Wahlumfragen.
Olaf Scholz, Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat steht seit Wochen an der Spitze aller Wahlumfragen. Julian Stratenschulte
Neubrandenburg

Die Anhörung im Finanzausschuss am Montag hat zum wiederholten Mal gezeigt: Olaf Scholz ist nicht verantwortlich, zumindest nach eigener Darstellung des SPD-Kanzlerkandidaten. G20-Desaster, Cum-Ex, Wirecard und nun die Ermittlungen gegen seine Geldwäsche-Spezialeinheit: Die Liste der Skandale verbunden mit seinem Namen ist lang.

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Und sie haben alle eines gemeinsam. Trotz Zuständigkeit von Amts wegen hat es bislang keiner geschafft, den Sozialdemokraten zur Rechenschaft zu ziehen. Nicht als Hamburgs Oberbürgermeister für die massiven Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel, den er zuvor als Hafengeburtstag bezeichnete. Auch nicht für eine Steuerforderung in Höhe von 47 Millionen Euro gegenüber einer Hamburger Cum-Ex-Bank, die das Finanzamt verjähren ließ.

Bei der Milliarden-Pleite von Wirecard soll die Geldwäsche-Spezialeinheit des Finanzministeriums dutzende Verdachtsmeldungen übersehen haben. Finanzminister Scholz konnte auch dieser Skandal auf dem Weg ins Kanzleramt nicht aufhalten. Zumindest suggerieren Umfrage-Ergebnisse zur Bundestagswahl das seit Wochen. Doch wie schafft er das, während etwa seine Mitbewerberin Annalena Baerbock offenbar schon allein durch Abschreiben Wählervertrauen und damit das Ticket zum Regierungssitz verspielt hat?

Mindestens zwei Möglichkeiten kommen infrage: Steuer- und Finanzgeschäfte sowie Zuständigkeitengerangel sind einfach zu komplex, zu unsexy, sodass sich Wähler nicht näher mit den Themen auseinandersetzen. Oder Olaf Scholz kommt in all diesen Belangen tatsächlich die Rolle des Unschuldslamms zu.

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Damit ist eine gewisse Zuständigkeit qua Amt jedoch nicht vom Tisch zu wischen. Scholz scheint es aber bisher geschafft zu haben, all die offenen Fragen und Unstimmigkeiten in Zusammenhang mit seiner Person auszusitzen. Vielleicht ist es genau diese Eigenschaft, an die sich die Deutschen nach 16 Jahren Merkel-Kanzlerschaft gewöhnt haben und an der Regierungsspitze nicht mehr missen wollen.

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Kommentare (3)

... Herr Reuter, etwas dünn der Kommentar. Vorweg, bevor mir wieder etwas unterstellt wird: Ich werde Herrn Scholz nicht wählen, was aber nicht am Kandidaten, sondern mehr mit dem Zustand der SPD an sich zu tun hat. Wenn hier im Kommentar nun versucht wird Kandidat Scholz an die Karre zu pinkeln und dabei außer Acht gelassen wird was die Alternativen sind, wird's ölig. Richtig ist, Frau Baerbock hat sich selbst um Chancen gebracht und war von Beginn an die schlechtere Wahl ihrer Partei. Aber das Trauerspiel 2021 hat ja wohl die CDU dargeboten. Herr Laschet hat es im gesamten Verlauf an Führungsstärke vermissen lassen, dazu dessen Fehltritte und die parteischädigenden Einlassungen mehrerer anderer führender Unionisten aus Bund, Ländern und insbesondere Bayern. Allesinallem wenig überzeugend, was da von CDU/CSU kam. Und ehrlich, wer Comicfiguren in Bund und Land aufstellt, der braucht sich doch über 21 % im Bund oder 14 % im Land nicht zu wundern. Und genau deswegen wirkt Olaf Scholz wie ein vertrauenserweckender Charakterkopf, der sicher durch Stürme geht, Erfahrung im Bund mitbringt und steht vor der Kanzlerschaft - mangels echter Alternativen für die breite Mehrheit.

wer von struktureller Korruption umgegeben ist wie "unsere" Volksvertreter und völlig merkbefreit und vernebelt in der Arroganz der Macht durch die Gegend tapst, ja der kann dann auch noch kanzler...
Kurz gesagt, es ist völlig egal, einen Kanzler:in wählen wir ohnehin nicht, auch wenn das leider hier im so dargestellt wird, nein es wird auch nicht gelogen, es wird nur weggelassen...
Die im Vorgängerkomentar erwähnten Comicfiguren in Bund und Land sind übrigens durch die Bank weg zu finden...es spricht die realsatirische Einparteienkoalabärenfraktion... Howdy
Bleibt die vom NK erwähnte Rechenschaftsziehung für Herrn Sch. noch zu hoffen, da besagte Hoffnung ja immer als letzte rausgekegelt wird....

dieser Menschen als Kanzler!!! Meine Theorie ist, dass alle, die in deutschen Parlamenten sitzen, die eigentlichen Sozialschmarotzer dieser Republik sind. Dieses Land ist schon lange nicht mehr das, worauf ich mich am 3. Oktober 1990 gefreut hatte.