KOMMENTAR ZU MAAßEN-KRISE

Ein unwürdiges Schauspiel – vor allem der Medien

Die Maaßen-Krise ist im Kern auch eine Medien-Krise, sagt unser Kommentator: Viele Journalisten wollten Maaßens Kopf rollen sehen, um von ihrer eigenen Unfähigkeit abzulenken.
Jürgen Mladek Jürgen Mladek
Welchen Anteil hatten die Journalisten am Sturz von Hans-Georg Maaßen?
Welchen Anteil hatten die Journalisten am Sturz von Hans-Georg Maaßen? Michael Kappeler
Berlin.

Viele Kollegen kochten im Fall Maaßen mit Wonne etwas zur Staatsaffäre hoch, das eigentlich total banal war. Eine anonyme ziemlich linke Internetquelle veröffentlichte da zu Chemnitz einen Videoschnipsel, der ursprünglich von einer angeblich sehr rechten und ebenso anonymen Internetquelle stammte, und die Medien stürzten sich darauf, als marschierten da tatsächlich die Braunhemden in Kolonnenstärke durch Sachsen, wie das ganze Bundesland verächtlich gemacht wurde.

Schon mein erster Ausbildungs-Redakteur hätte mich vor 31 Jahren als Volontär davor gewarnt, so einer dubiosen Quelle blind zu vertrauen. Peinlich für die Branche, dass dann ausgerechnet ein Behördenchef daran erinnerte, dass man nicht sofort alles ungeprüft verbreiten soll, was aus derart unsicheren Quellen kommt und dass die Urheber solcher Informationen womöglich auch eigene Absichten verfolgen.

Mischung aus verletzter Eitelkeit und Unterstellungen

Doch der Chor der Empörung wurde danach nur noch lauter. Es war eine Mischung aus verletzter Eitelkeit, weil ein Behördenchef es wagte, die Journalisten an ihre eigenen Grundsätze zu erinnern. Und aus der eifernden Unterstellung, dass Maaßen damit „die Rechten“ in Schutz nehme, rechtfertige, relativiere oder was auch immer. Und, für manche Kollegen anscheinend noch schlimmer: Dass er damit der Kanzlerin in den Rücken falle. Ein Beamter. Der Kanzlerin! Jener Kanzlerin, die nicht mal ihre Minister unter Kontrolle hat.

Um in diesem Konzert überhaupt noch gehört zu werden, musste die SPD danach noch lauter und schriller werden. Aber keine Sorge, das kann sie ja. Alsdann: Maaßen muss weg, und wenn es die Koalition zerreißt. Als ob Deutschland keine anderen Sorgen hätte!

„Enthüllungen” über Treffen mit der AfD

Und wohl deshalb musste Maaßen als noch größere Bedrohung für die Verfassung dargestellt werden. Er hatte sich doch wahrhaftig auch mit AfD-Abgeordneten getroffen, „enthüllten“ die Kollegen, damit der Skandal noch größer werde, verschwiegen dabei aber wohlweislich, dass er sich mit Vertretern der kleineren Oppositionsparteien Grüne und Linke wesentlich öfter getroffen hatte, und es ist nicht überliefert, dass die jemals ein Problem damit gehabt hätten.

Jedenfalls kam es dann zum medialen Showdown, bei dem Merkel erkennbar wieder mal dem folgen wollte, was sie für die öffentliche Meinung hielt, Seehofer die Rolle des trotzigen Widerparts zugedacht war und die SPD wie immer bereit sein würde, jede Kröte zu schlucken, um an der Macht zu bleiben.

Was dann auch geschah. Und prompt auf allen Kanälen zu einem wüsten Empörungssturm führte. Merkel, Seehofer, der SPD und selbst Maaßen wird es egal sein – letztlich hat sich ja nichts verändert. Das Publikum aber reibt sich verwundert die Augen. Und verliert noch mehr Vertrauen.

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Kommentare (7)

Trefflich analysiert. Als hätten wir keine anderen Sorgen. Wo ist das Berufsethos der Journalisten? Die sollten doch bestrebt sein, solche Dinge aufzuklären. Investigativjournalismus statt Hofberichterstattung!

Maaßen hat sich in der Vergangenheit sehr häufig an unserer Verfassung und unseren demokratischen Prinzipien vergangen: erinnert sei an seinen "Landesverrat-Vorwurf" gegenüber zwei Netzpolitik-Journalisten, sein Kurnaz/Guantanamo-Gutachten, seine aktive Behinderung bei der Aufklärung der NSU-Verbrechen usw. Seine wirren Aussagen zu Chemnitz (auch hier unter völliger Mißachtung der Ergebnisse von polizeilichen Ermittlungen und den Einschätzungen seines Hauses) waren nur das letzte i-Tüpfelchen - so einen Verfassungsfeind können wir nicht gebrauchen. Ihre unzutreffende Kollegenschelte, Herr Mladek und Ihre albernen Unterstellungen (Majestätsbeleidigung - ich bitte Sie!) können Sie sich sparen. Bitte kommentieren Sie in Zukunft doch bitte näher an der Wahrheit und weniger populistisch - Sie sehen in ihrem Berufsethos-Rant gegen andere offensichtlich nicht den Balken im eigenen Auge.

Ihre Überschrift verrät schon alles. DAS ist Populismus pur! Maaßen ist ein erstklassiger Jurist. Er hat mitgewirkt, mehrere islamistische Anschläge zu verhindern. Sein juristisches Gutachten für Otto Schily zum Fall Kurnaz war in jeder Hinsicht korrekt. Wer sich auf dem Feld auskennt, hält Maaßen für den besten Präsidenten, den das Bundesamte für Verfassungsschutz hatte. Im Gegensatz zu dem, was Ihr Kommentar offenbart, weiss der Mann was Rechtsstaat bedeutet.

die Wahrheit vertragen Sie wohl nicht so gut? Maaßen hat in der sehr aufgewühlten und komplexen Chemnitz-Lage nicht beruhigend gewirkt, sondern mit wirren Verschwörungstheorien noch Öl ins Feuer gegossen. Er hat in Bezug auf die Lageeinschätzung und Quellenauthentizität offensichtlich gelogen (zum Zeitpunkt seiner Aussage hatten unterschiedliche Journalisten und sicher auch die Polizei schon ausführlich Primärquellen, Zeugenaussagen sowie örtliche und zeitliche Einordnung des fraglichen Videos zusammengetragen). Ihr "erstklassiger Jurist" - harhar - hat von Mord gesprochen, obwohl wegen Totschlag ermittelt wurde und nur ein Gericht die Mordkriterien einer Tat feststellen kann. Nach Ihren Worten ist Maaßen anscheinend ein Alleinkämpfer - die Verhinderung der Anschläge ist aber doch wohl ein Team-Spiel, dessen Erfolg sich nun der Cheffe zuschrieben ließ. Und dass Maaßen der beste VfS-Präsident gewesen sei: solche Relativ-Aussagen, wenn die Vergleichsgruppe noch viel unterirdischer agierte, sind die Bytes nichts wert ...

Herr Mladek,
haben Sie sich schon einmal überlegt für die Parteizeitschrift der AFD zu schreiben? Ich bin überzeugt, dass Sie der rechte Mann dafür sind. So könnten sich diejenigen um Journalismus und Journalismuskritik kümmern, die nicht in jeder einzelnen Zeile ihr politische Gesinnung kundtun. Wie wäre es mit einem Maßen'schen Karrieresprung? Oh pardon, ich meinte natürlich Kündigung.

Als ehemaliger Journalist kann ich mich über den um sich greifenden Aufregungsjournalismus und das mediale Abfeiern banaler Vorgänge auch nur noch wundern. Aus dem Bild-Interview von Maaßen eine Regierungskrise zu machen, das kriegt vermutlich nur die SPD hin. Für eine Regierungspartei ist es ein Unding lauter am Bestand der Regierung zu rütteln als die Opposition. Das kann nur mit Agonie, Angst vor dem endgültigen Absturz erklärt werden.

Ein schlecht recherchierter und subjektiver Kommentar kann schnell zur Glosse in eigener Sache werden.