Studie bemängelt Ungleichheit

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Eltern zahlen im Nordosten besonders viel für Kitas

Wer in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern lebt, zahlt besonders viel für die Kita.
Wer in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern lebt, zahlt besonders viel für die Kita.
Monika Skolimowska

In einer neuen Studie zum Thema Kita-Gebühren belegen sowohl Mecklenburg-Vorpommern als auch Brandenburg unrühmliche Spitzenplätze.

Je nach Wohnort schwanken die Gebühren, die Eltern für den Kita-Besuch ihrer Kinder zahlen, erheblich. Das ist das Ergebnis einer Studie namens „ElternZoom 2018”, die die private Bertelsmann-Stiftung am Montag vorgelegt hat. Die finanzielle Belastung der Familien variiere je nach Wohnort, kritisierte Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Der Studie zufolge müssen in Brandenburg die Eltern im bundesweiten Vergleich am häufigsten Geld für die Betreuung ihrer Kinder in der Kita bezahlen. 98 Prozent der Eltern müssen hier zahlen, fast niemand ist komplett von den Beiträgen befreit. Das ist schon allein insofern bemerkenswert, weil Brandenburg nicht gerade zu den Bundesländern mit hohem Durchschnittseinkommen zählt und weil das Land seit der Wende ununterbrochen von der SPD regiert wird.

Auch Mecklenburg-Vorpommern belegt einen Spitzenplatz – und zwar, was den Anteil der Kita-Gebühren am Nettoverdienst der Eltern angeht. Er liegt mit 7,8 Prozent bundesweit am zweithöchsten. Nur in Schleswig-Holstein zahlen die Eltern mit 8,9 Prozent nochmals deutlich mehr.

In Berlin ist die Kostenbelastung der Eltern im Vergleich hingegen so niedrig wie nirgends sonst.

Landesregierungen planen Verbesserungen

Immerhin dürfte sich daran in beiden Bundesländern demnächst etwas ändern: Die rot-rote Landesregierung in Potsdam hat im Februar ihren angekündigten Gesetzesentwurf für den Einstieg in die kostenlose Betreuung in Kitas vorgelegt. Sie soll schrittweise eingeführt werden. Ab 1. August sollen Eltern im letzten Kita-Jahr kein Geld mehr bezahlen müssen. Mecklenburg-Vorpommern will die Kita noch 2020 komplett beitragsfrei für alle Eltern machen. Ab 2019 werden dort schon die Eltern mehrerer Kinder stark – zum Teil komplett – entlastet.

Die Studie prangert außerdem an, dass armutsgefährdete Eltern, die über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens verfügen, monatlich fast 10 Prozent ihres gesamten Haushaltsnettoeinkommens – im Mittelwert 118 Euro – für die Kita ausgeben. Bei Familien oberhalb der Armutsgrenze sind es „nur“ 5 Prozent – 178 Euro. Hinzu kommen laut Studie Zusatzgebühren etwa für Mittagessen, Hygieneartikel oder Ausflüge – rund 45 Euro im Schnitt.

Experten: Vor allem geringverdienende Familien müssen entlastet werden

Die Ergebnisse beruhen laut Bertelsmann auf zwei bundesweit teilweise in Kooperation mit Infratest-dimap erhobenen separaten Befragungen von insgesamt rund 10 490 Eltern.

Die finanzielle Belastung sei ungerecht verteilt, bemängelte die Stiftung – und forderte Kita-Beitragsfreiheit für armutsgefährdete Familien. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) bekräftigte in Berlin das Ziel einer Kita-Beitragsfreiheit. Hohe Elternbeiträge könnten eine Hürde sein, sagte sie laut Mitteilung. „Das Einkommen der Eltern darf aber nicht darüber entscheiden, ob und wann Kinder in eine Kindertageseinrichtung gehen. Eine zentrale Säule unseres Gute-Kita-Gesetzes ist deshalb der Einstieg in die Beitragsfreiheit.“ In dieser Wahlperiode fließen der Ministerin zufolge 3,5 Milliarden Euro in die Kindertagesbetreuung.