DDR-WIRTSCHAFT

Ex-Treuhand-Chefin räumt Fehler ein

Dass bei der Treuhand längst nicht alles gut war, hat jetzt auch deren ehemalige Chefin Birgit Breuel eingeräumt, sich allerdings auch verteidigt.
dpa
Als Treuhand-Präsidentin Birgit Breuel am 30. Dezember 1994 das Treuhand-Schild abschraubte, war das von ihrer Anstalt verurs
Als Treuhand-Präsidentin Birgit Breuel am 30. Dezember 1994 das Treuhand-Schild abschraubte, war das von ihrer Anstalt verursachte Leid noch lange nicht aufgearbeitet. Wolfgang Kumm (dpa-Archiv)
Berlin.

Die einstige Chefin der Treuhandanstalt, Birgit Breuel, hat Fehler bei der Privatisierung der ostdeutschen Wirtschaft eingeräumt. „Natürlich haben wir Fehler gemacht. Das war sehr bitter“, sagte die 81-Jährige der „FAS“ (Artikel kostenpflichtig).

Dennoch denke sie bis heute, dass der Weg, für den sich ganz Deutschland damals entschieden habe, grundsätzlich richtig gewesen sei. Nur über die Privatisierung seien Innovationen und Kapital in die Betriebe gekommen. Im Osten seien wirtschaftlich sehr erfolgreiche Regionen entstanden. „Ich würde behaupten, unsere Politik von damals hat an den Erfolgen durchaus einen Anteil.“

Den Wessis hätte man das nicht zumuten können

Die frühere CDU-Politikerin stand von 1991 bis 1995 als Nachfolgerin des ermordeten Detlev Karsten Rohwedder an der Spitze der Treuhandanstalt, die für die Privatisierung, Sanierung und Stilllegung der DDR-Betriebe zuständig war. Die Linke im Bundestag dringt darauf, einen Untersuchungsausschuss zur Treuhand einzusetzen. Aus ihrer Sicht hat die Behörde nicht den gesetzlichen Auftrag erfüllt, sondern großen Schaden angerichtet.

Nach Überzeugung von Breuel sollte man den gesamten Transformationsprozess aufarbeiten, nicht nur die Geschichte der Treuhand. Großen Respekt zollte sie den Menschen im Osten: „In Westdeutschland wäre es nicht möglich gewesen, den Leuten eine Veränderung dieses Ausmaßes zuzumuten. Sie hätten das nicht durchgehalten.“ Zugleich äußerte sie Verständnis für die Nöte der Ostdeutschen in den neunziger Jahren.

"Wir mussten den Menschen wirklich sehr viel zumuten"

„Wir mussten den Menschen wirklich sehr viel zumuten und haben das auch getan, ohne Zweifel“, sagte sie. „Wir hatten nicht die Zeit, uns mit ihren Biografien ausreichend zu beschäftigen. Das war teilweise sehr hart. Sie haben sicherlich enorm gelitten und uns auch gehasst.“ Das gelte vor allem für sie persönlich: „Ich war die Hassfigur im ganzen Land.“ Nach einem Engagement als Chefin der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover hatte sich Breuel weitgehend zurückgezogen.

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Kommentare (2)

Ja, den ein oder anderen Fehler wird man schon gemacht haben, wenn man die ganze DDR-Wirtschaft verschachert hat und dabei ein Minus von 256 Milliarden D-Mark erwirtschaftete! Laut dem ersten Treunhand-Chef Rohwedder war "der ganze Salat 600 Milliarden D-Mark wert."
[EDIT Moderation: Netiquette beachten!]

Ich fand den Satz garnicht so fies... Vieleicht seid ihr ein bisschen überempfindlich.

Also... Der Rohwedder wurde (angeblich von der RAF) ermordet und ins Amt kam Frau Breuel, die den ganzen Laden dann verramscht hat.