Thomas Kemmerich (FDP) wurde am Mittwoch zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt.
Thomas Kemmerich (FDP) wurde am Mittwoch zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt. Martin Schutt
Nach Wahl-Debakel

Kemmerich (FDP) tritt als Ministerpräsident in Thüringen zurück

Thüringens Ministerpräsident Thomas Kemmerich (FDP) will sein gerade erst erworbenes Amt wieder zur Verfügung stellen. "Der Rücktritt ist unumgänglich", sagte der FDP-Politiker in Erfurt.
dpa
Erfurt

Er wolle den Makel der Unterstützung durch die AfD vom Amt des Ministerpräsidenten nehmen, begründete Thomas Kemmerich (FDP) seine Entscheidung, sein gerade erst erworbenes Amt wieder zur Verfügung stellen. Die FDP-Fraktion wolle einen Antrag auf Auflösung des Landtags zur Herbeiführung einer Neuwahl stellen, teilte er weiter mit.

„Gestern hat die AfD mit einem perfiden Trick versucht, die Demokratie zu beschädigen.“ Weiter sagte er: „Demokraten brauchen demokratische Mehrheiten. Die sich offensichtlich in diesem Parlament nicht herstellen lassen.“

Lesen Sie hier ein Portrait: Thomas Kemmerich (FDP) ist neuer Ministerpräsident von Thüringen: Eine Glatze, die Geschichte schreibt

FDP-Chef Christian Lindner will nach den Vorgängen bei der Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten die Vertrauensfrage in der Parteiführung stellen. Dazu solle an diesem Freitag der Bundesvorstand zu einer Sondersitzung zusammenkommen, kündigte Lindner am Donnerstag in Erfurt an.

Ramelow steht als Kandidat zur Verfügung

Der bei der Wahl gescheiterte bisherige Amtsinhaber Bodo Ramelow (Linke) steht unterdessen weiter als Kandidat zur Verfügung. Das sagte der Vize-Chef der Thüringer Linken, Steffen Dittes, am Donnerstag. Kemmerich, dessen Partei im Herbst nur knapp den Sprung in den Thüringer Landtag geschafft hatte, war am Mittwoch mit Stimmen von Liberalen, CDU und AfD zum Ministerpräsidenten gewählt worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Donnerstagvormittag die Wahl Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten verurteilt. Sie sprach von einem "unverzeihlichen Vorgang" und sagte, das Wahlergebnis müsse rückgängig gemacht werden.

Die Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten Kemmerich (FDP) hat bundesweit hohe Wellen geschlagen. In Schwerin sind drei Partei-Geschäftsstellen mit „Nazi”-Graffiti besprüht worden.

Dieser Artikel wurde am Donnerstag, 6. Februar, mehrfach aktualisiert.

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