PFLEGENOTSTAND

Findet Gesundheitsminister Jens Spahn Pfleger faul?

Der aktuelle Zustand in der Pflegebranche sorgt schon länger für hitzige Debatten. Befeuert wird die Diskussion zusätzlich durch ein Zitat von Gesundheitsminister Jens Spahn.
 "Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen", sagte Jens Spahn in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen.
„Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen”, sagte Jens Spahn in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen. Christian Ditsch
Neubrandenburg.

Wenn man nur diesen einen Satz liest, der da als Zitat von Gesundheitsminister Jens Spahn durchs Internet geistert, dann kann man schon denken, dass Spahn keinerlei Respekt vor der Leistung von Pflegekräften hat und sie in Wahrheit für faul hält. „Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen”, sagte Jens Spahn in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen. Dieser eine Ausspruch wurde dann von politischen Gegner verbreitet, die Empörung über den „herzlosen” Gesundheitsminister verbreitete sich blitzartig in den sozialen Netzwerken.

Überstunden, fehlende Fachkräfte und niedrige Bezahlung, an Baustellen mangelt es auf dem Gebiet der Pflege wahrlich nicht. Kein Wunder also, dass die Erbitterung groß war. Dabei hatte Spahn seinen Posten als Gesundheitsminister mit hohen Ansprüchen angetreten. Er wolle den Alltag der Leute verbessern und neue Jobs schaffen, erklärte er schon während seiner ersten Rede im neuen Amt. Und ganz tatenlos blieb er offenbar nicht. So erklärte der 38-jährige Minister vor gut einer Woche, dass man binnen eines halben Jahres 13.000 neue Pflegestellen in der Altenpflege geschaffen habe.

Diese neu geschaffenen Stellen sieht auch Harry Glawe, Gesundheitsminister von Mecklenburg-Vorpommern, als ersten Schritt in die richtige Richtung. Allerdings fügt der CDU-Mann hinzu: „Die Rahmenbedingungen im Pflegeberuf müssen konsequent verbessert werden.” Da Pflegekräfte vielerorts bereits „Goldstaub” seien, müsse man die Attraktivität der Branche unbedingt steigern, heißt es von Glawe weiter.

Altenpfleger in MV verdienen rund 2300 Euro

Auch durch entsprechende Gehaltszahlungen, findet Jens Spahn, der sich nach eigenen Angaben auch Monatsgehälter von 3000 Euro für Pfleger gut vorstellen kann. Wunsch und Wirklichkeit klaffen aktuell jedoch noch weit auseinander. So verdient etwa ein Altenpfleger im Bundesdurchschnitt knapp 2700 Euro im Monat, in Mecklenburg-Vorpommern sind es nur rund 2300 Euro.

Spahn sieht darin ein großes Problem. Gravierende Unterschiede bei den Gehältern gebe es allerdings seltener bei Krankenhäusern, wohl aber zwischen den einzelnen Trägern aus der Wohlfahrt sowie privaten Anbietern. Die Überlastung vieler Pfleger durch Personalmangel und schlechte Arbeitsbedingungen, so Spahn in dem Interview mit der Augsburger Allgemeinen, hätten dazu geführt, dass viele Pfleger in Heimen und ambulanten Diensten ihre Wochenarbeitszeit reduziert hätten.

Aufgabe müsse es sein, diese Bedingungen im Sinne der Beschäftigten zu verbessern. Wenn diese Maßnahmen Erfolg hätten, könne man die Leute auch wieder dafür gewinnen, ihre Arbeitszeit hochzufahren. In diesem Zusammenhang fiel das Zitat mit den 100.000 Pflegern, die dann länger arbeiten könnten.

 

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Kommentare (1)

Für ca. 13 Tsd Pflegeheime in Deutschlad 13 Tsd neue Pflegestellen schaffen, ohne entsprechende Fachkräfte?