Klimawandel

Für Wissenschaftler ist grünes Wachstum Augenwischerei

Ob SPD, CDU oder Grüne: Im Bundestagswahlkampf stellen die großen Parteien in Aussicht, Wirtschaftswachstum umweltverträglich zu gestalten. Die Wissenschaft hegt allerdings Zweifel.
Nach Ansicht eines Umweltökonoms werden „Klimaschutz-Symbole” in die Landschaft gesetzt, um das Gewissen zu b
Nach Ansicht eines Umweltökonoms werden „Klimaschutz-Symbole” in die Landschaft gesetzt, um das Gewissen zu beruhigen. Patrick Pleul
Neubrandenburg

In Sachen Klima gibt es in den Wahlprogrammen von CDU, SPD und Grüne eine Übereinstimmung: Um die selbst gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen, setzen alle auf den Ausbau erneuerbarer Energien. Damit geht auch ein Versprechen von Wohlstand einher. Technologischer Fortschritt sowie der Ausbau erneuerbarer Energien sollen Klimaschutz und zeitgleiches Wirtschaftswachstum ermöglichen, lautet der Tenor.

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Umweltökonom Niko Paech von der Universität Oldenburg hegt Zweifel an diesem Traum vom grünen Wachstum. Auch die Herstellung von Windturbinen und Solaranlagen gehe mit ökologischen Schäden einher, sagt er im ARD-Magazin Monitor. So ergebe sich ein Dilemma: „Eine wachsende Wirtschaft kann nicht klima- oder ökologiefreundlich sein und eine klima- oder ökologiefreundliche Wirtschaft kann nicht wachsen”, beschreibt der Wissenschaftler.

Dass der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland laut offiziellen Statistiken in den vergangenen Jahren gesunken ist, hält Paech zudem für Augenwischerei. Der Grund: Viele Produkte, die Deutsche konsumieren, werden wie beispielsweise Textilien klimaschädlich in anderen Ländern hergestellt. Die dabei anfallenden Treibhausgase werden in hiesigen Statistiken nicht einbezogen.

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Tatsächlicher Klimaschutz kann aus Sicht des Umweltökonoms nur mittels Verzicht, mit eingeschränktem Konsumverhalten gelingen. Warum aber ist davon bei politischen Entscheidungsträgern nie die Rede? Paech meint offenbar, mit dem Ausbau erneuerbarer Energien können unter dem Deckmantel des Umweltschutzes eigene Interessen weiter verfolgt werden. „Klimaschutz-Symbole” würden demnach in die Landschaft gesetzt, um sowohl das Gewissen von Politikern als auch von Wählern zu beruhigen. Schließlich lassen sich durch neue Windparks und Fotovoltaikanlagen vermeintliche Erfolge vorweisen. Zudem würden Politiker mittels dieser Strategie eine Wiederwahl begünstigen, „weil sie das Wohlstandsmodell nicht angreifen.”

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