Unsere Themenseiten

Ex-Bundespräsident

:

Gauck warnt vor "falscher Rücksichtnahme" auf Migranten

Patrick Seeger

Seit Jahrzehnten in Deutschland zu leben und dennoch die Landessprache nicht zu beherrschen: Ex-Bundespräsident Gauck findet das „nicht hinnehmbar”. Diese Aussage dürfte eine erbitterte Debatte befeuern, die nach einem großen Polizeieinsatz aktuell in Berlin geführt wird.

„Ich finde es nicht hinnehmbar, wenn Menschen, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben, sich nicht auf Deutsch unterhalten können, keine Elternabende ihrer Kinder besuchen oder diese sogar vom Unterricht oder vom Sport fernhalten.” Das sagte Ex-Bundespräsident Joachim Gauck in einem Interview in einer „Heimat”-Sonderausgabe der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag.

Mit dieser klaren Aussage platzt er mitten hinein in eine heftige Kontroverse, die gerade ihn Berlin geführt wird. Dort war es am Dienstag zur Räumung einer Schule im mehrheitlich von türkisch-arabischen Migranten bewohnten Stadtteil Gesundbrunnen gekommen, nachdem ein Anrufer vor einem Amoklauf gewarnt hatte. Die Warnung erwies sich als falsch, statt großem Aufatmen setzte aber eine heftige Diskussion ein. Die Polizei sah sich mit massiven Vorwürfen konfrontiert, warum sie Anwohner und besorgte Eltern an den Absperrungen nur auf Deutsch informiert habe.

in berlin war es am Dienstag zur Räumung einer Schule im mehrheitlich von türkisch-arabischen Migranten bewohnten Stadtteil Gesundbrunnen gekommen, nachdem ein Anrufer vor einem Amoklauf gewarnt hatte.

In den sozialen Netzwerken mussten sich die Beamten deshalb für fehlende „interkulturelle Kompetenz” beschimpfen lassen. Der Sturm ebbte auch nicht ab, als die Polizei darauf verwies, dass sie sehr wohl auch auf Arabisch informiert habe. Das gehöre schließlich zum „multikulturellen Selbstverständnis” der Berliner Polizei. Allerdings, so hieß es in einer Erklärung, müsse bei einer aktuellen Einsatzlage auch ein international verständliches „Stop, Polizei” ausreichen.

Anders reagierte der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Norbert Cioma, der die Kritik an der fehlenden Mehrsprachigkeit als „bodenlose Frechheit” empfand. Wörtlich sagte er: „Wir müssen die Kirche mal im Dorf lassen. Ich kann verstehen, dass sich Eltern in so einer Situation um ihre Kinder sorgen, aber unsere Kollegen haben in einer unübersichtlichen Lage alles versucht, um schnellstmöglich alle Personen in Sicherheit zu bringen und Entwarnung geben zu können. Der Berliner Polizei aber vorzuwerfen, dass sie bei einer Gefährdungslage an einer Schule in der deutschen Hauptstadt nicht auf Türkisch oder Arabisch kommuniziert, ist eine bodenlose Frechheit.”

Ein Satz sorgt für Ärger bei migrantennahen Millieus

Für einen regelrechten Aufschrei in den sozialen Medien bei migrantennahen-Milieus sorgte dann allerdings erst sein Nachsatz: „Ich glaube kaum, dass Polizisten bei einem derartigen Vorfall in Istanbul auf Deutsch, Spanisch oder Kiswahili informieren.” Insbesondere der Verweis auf „Kiswahili”, eine ostafrikanische Sprache, wurde ihm als koloniales Gehabe ausgelegt.

Und mitten in diese Debatte nun also Joachim Gauck, der klipp und klar anmahnt, dass die Kenntnis der Landessprache für Migranten eine absolute Selbstverständlichkeit darstellen solle. Und das war noch nicht alles. Weiter sagte er in dem Interview: „Wir erwarten von denen, die zu uns kommen, dass sie bereit sind, das Land, wie es gewachsen ist, und seine Werte zu akzeptieren.“ Da dürfe es „keine falsche Rücksichtnahme geben, weil man fürchtet, als Fremdenfeind zu gelten“.

Insbesondere damit dürfte er vielen Bürgern aus dem Herzen gesprochen haben, die in den vergangenen Jahren immer wieder die Sorge äußerten, bei Kritik an fehlenden Integrationsbemühungen leichtfertig in die rechte Ecke gestellt zu werden.

Absage an frühere Integrationsbeauftragte

Auch den Vorstellungen in grün-linken Kreisen, dass ein multikulturelles Leben „täglich neu ausgehandelt” werden müsse, wie das die frühere Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoguz (SPD) gefordert hatte, erteilte Gauck eine Absage. Es brauche ganz klar „verbindliche Regeln für das Zusammenleben und nicht mehrere Gesellschaften nebeneinander”.

Gestärkt durch die Aussagen des Ex-Bundespräsidenten dürfte sich die AfD-Fraktion im Bundestag sehen. Die hatte erst im März einen Antrag gestellt, dass Deutsch als Landessprache im Grundgesetz verankert wird. Sie erntete dafür bei anderen Fraktionen Häme, da sich das ja wohl von selbst verstehe, dass in Deutschland auch die deutsche Sprache gesprochen werde. Gauck hat da offensichtlich andere Erfahrungen gemacht – und dass er damit nicht alleine ist, zeigt auch die Debatte nach dem Polizeieinsatz in Gesundbrunnen.

 

Kommentare (1)

Dann muss die Polizei im Gegenzug diesen deutsche Sprache Verweigerern unmissverständlich klar machen , dass die Amtssprache in Deutschland immer noch deutsch ist.