VW-MITARBEITER KLAGT

Gendern als Vorgabe – wie weit dürfen Unternehmen gehen?

Wenn Sprache durch Vorgaben geändert wird, erzeugt dies hitzige Diskussionen. Ein VW-Mitarbeiter will nicht in gendergerechter Sprache angesprochen werden und klagt deswegen.
dpa
Der Rat für deutsche Rechtschreibung, die maßgebliche Instanz für Fragen der Orthografie, hat Genderstern und
Der Rat für deutsche Rechtschreibung, die maßgebliche Instanz für Fragen der Orthografie, hat Genderstern und Unterstrich bis auf weiteres zumindest offiziell abgelehnt. Sebastian Gollnow
Ingolstadt ·

„Audianer” oder „Audianer_innen”? Diese Frage trägt ein Volkswagen-Mitarbeiter vor Gericht. Er möchte nicht, dass er in einigen gemeinsamen Gremien des Konzerns künftig mit geschlechtergerechter Sprache angesprochen wird. Audi hatte im März eine Richtlinie mit der neuen Vorgabe erlassen. Der Kläger verlangt nun, dass der Autobauer es unterlässt, seinen Mitarbeitern die Nutzung der Gender-Regeln vorzuschreiben. Die Klage ist Teil der hitzigen Debatte über die richtige Ansprache der Geschlechter, die mitunter ein Kulturkampf ist.

Mehr lesen: Audi setzt auf gendergerechte Sprache

Immer mehr Hochschulen, Behörden und auch Unternehmen verwenden geschlechtergerechte Sprache. Kürzlich kündigte etwa die Lufthansa an, im Flugzeug auf die Begrüßung „Sehr geehrte Damen und Herren” verzichten zu wollen. Die Crews sollten die Gäste eher mit geschlechtsneutralen Formulierungen willkommen heißen. Die Deutsche Bahn zog nach. Es sollten alle angesprochen werden, weswegen gendergerechte Formulierungen wie „Liebe Gäste” bevorzugt würden, sagte eine Sprecherin zur „Bild”-Zeitung. Änderungen wie diese stoßen nicht nur auf Begeisterung, sondern sorgen für viele Seitenhiebe in sozialen Netzwerken.

Supermarkt nimmt „Student*innen Futter” ins Sortiment

Diskutiert wird dabei auch über die Einführung von sogenannten Gender-Schreibweisen, also Schreibweisen, die Männer und Frauen als auch Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, ansprechen. So gibt es das Gender-Sternchen („Student*innen”) oder den Unterstrich („Bürger_innen”).

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Selbst der Supermarkt um die Ecke kann eine Gender-Diskussion auslösen. Dies erlebte kürzlich ein Edeka-Markt in Friedberg bei Augsburg, als er auf seiner Facebook-Seite bekannt gab, das Produkt „Student*innen Futter” ins Sortiment genommen zu haben. Zahlreiche Kommentare zeigten, wie sehr das Thema polarisiert. „Der erste Schritt in die richtige Richtung”, schrieb ein Nutzer; „Sowas geht mir tierisch auf die Nüsse...” ein anderer. Der Markt blieb bei der Kontroverse gelassen.

Der Experte Philipp Rauschnabel sagt: „Wer bewusst und offensichtlich gendert, muss mit positiven und negativen Reaktionen rechnen.” Der Professor lehrt Digitales Marketing und Medieninnovation an der Bundeswehr-Universität in München und glaubt, dass letztlich der Lieferant der Nussmischung am ehesten von der Diskussion profitieren wird.

Darf ein Unternehmen Sprache vorgeben?

Audi sieht sich derweil nicht nur Kommentaren in sozialen Netzwerken gegenüber, sondern bekommt das Unbehagen in der Gesellschaft und in den eigenen Reihen mit der Unterlassungsklage auch juristisch zu spüren. Der Kläger beschwert sich: Als Volkswagen-Mitarbeiter müsse er mit den Kollegen von Audi zusammenarbeiten und werde dort mit der Richtlinie konfrontiert, erklärt Rechtsanwalt Burkhard Benecken. So werde sein Mandant in gemeinsamen Gremien mit den gegenderten Begriffen angesprochen. Der Kläger verlange daher, dass es Audi unterlässt, seinen Mitarbeitern die Nutzung der Gender-Regeln vorzuschreiben. Benecken findet, dass ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern solche Vorgaben nicht machen könne. „Man darf die Sprache nicht konkret vorgeben.”

Die beim Autobauer eingeführte Unterstrich-Schreibweise wird auch von der „Charta der Vielfalt” verwendet, eine Initiative mit dem Ziel, „die Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Arbeitswelt in Deutschland voranzubringen”. Mitgliedsunternehmen sind unter anderem die Deutsche Post, Siemens, BASF, Adidas – und auch Audi. „Wir empfehlen eine gendergerechte Sprache zu nutzen, aber wie das umgesetzt wird, ist jedem selber überlassen”, sagt der Sprecher der Initiative, Stephan Dirschl. Eine offizielle Empfehlung, ob Unternehmen in ihrer Kommunikation Unterstrich oder Sternchen verwenden, gibt die Charta nicht heraus.

Audi äußert sich nicht zur Klage

Audi selbst will sich zu der Klage nicht äußern. Sprecher Joachim Cordshagen verteidigt allerdings den Sprachleitfaden: „Gendersensible Sprache ist Ausdruck einer sichtbaren, positiven Haltung zu Vielfalt und Chancengleichheit.”

Finanziell unterstützt wird der Kläger von dem unter Experten umstrittenen Verein Deutsche Sprache in Dortmund, der vom „Gender-Unfug” nichts hält. Der Vereinsvorsitzende Walter Krämer schreckt bei dem Kampf auch vor historischen Vergleichen nicht zurück: „Das Aufzwingen einer Sprache, die keine rechtliche Grundlage hat, erinnert doch stark an Unrechtssysteme wie das der DDR oder an Dystopien wie „1984” von Orwell.”

Die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden hingegen „unterstützt ausdrücklich die Bemühungen um eine sprachliche Gleichbehandlung aller Geschlechter”, wie es auf ihrer Webseite heißt. Zwar steht sie dem Gender-Sternchen oder anderen Gender-Formen, die etwa zu grammatikalisch oder orthografisch fehlerhaften Formen führen, kritisch gegenüber – „nicht aber dem Gendern an sich”.

Jedes dritte Unternehmen nutzt genderneutrale Sprache

Der Rat für deutsche Rechtschreibung, die maßgebliche Instanz für Fragen der Orthografie, teilt die Sorgen. Die Verwendung von Sonderzeichen könne zu Folgeproblemen und grammatisch nicht korrekten Lösungen führen. Ende März entschieden die Experten, dass etwa Gender-Stern und Unterstrich bis auf weiteres zumindest offiziell keinen Einlass in die deutsche Sprache erhalten. Das Gremium will die Entwicklung des Schreibgebrauchs zunächst weiter beobachten.

Mehr dazu: Sprach-Experten lehnen das Gendersternchen ab

Wie aus einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts und dem Personaldienstleister Randstad unter Personalleitern hervorgeht, nutzt knapp jedes dritte deutsche Unternehmen genderneutrale Sprache. Dabei nutzen Unternehmen der Umfrage von Anfang Juli zufolge sie vor allem in ihrer Kommunikation nach außen (35 Prozent). Innerhalb der eigenen Firmenwände nutzen sie lediglich 25 Prozent. Große Unternehmen verwenden demnach häufiger geschlechtergerechte Sprache als kleine.

Schreibweise ändern reicht nicht

Mit der Einführung von geschlechtergerechten Schreibweisen sei es allerdings auch nicht getan, sagt Charta-Sprecher Dirschl. Denn eigentlich gehe es um viel mehr als um eine Änderung der Sprache – nämlich um eine geschlechtergerechte Gesellschaft. „Wir glauben, dass Sprache das wirkungsvollste Mittel ist, um Bewusstseinsänderungen anzustoßen”, sagt Dirschl. Das müsse das Ziel sein. „Es geht nicht darum, vollumfänglich und hundertprozentig zu gendern. Sondern es geht darum, Akzente zu setzen, um zu zeigen, dass Vielfalt in allen Bereichen möglich ist.”

Wie lang es bis zu einem Urteil im Audi-Fall dauert, ist unklar. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht, und gerade Zivilprozesse können sich in die Länge ziehen. Nach Angaben des Gerichts wird zunächst ein schriftliches Vorverfahren geführt.

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Kommentare (7)

die im Fach Deutsch schlechte Noten hatten und dadurch in ihrem weiteren Werdegang erhebliche Rückschläge in Ihrem leben hinnehmen mussten. Hier wollen wenige selbsternannte Intellektuelle der breiten Bevölkerung ihre kruden Ideen aufzwingen!

...am Hindukusch Deutschland nicht mehr verteidigt werden konnte und die Front an die Oder-Neisse-Linie verlegt wurde, beschäftigt sich der gewöhnliche Alltag mit weltbewegenden Dingen, wie z.B. wie spreche ich eine Frau an, die noch Frau, aber ein Mann sein will. Die Soldat_innen und Offier_innen der Bundeswehr haben derzeit andere Sorgen. So wird wohl die offizielle Ehrung der heimgekehrten Bundeswehr aus Afghanistan am 31.August entweder ausfallen oder zur Wundenleck-Veranstaltung einer desaströsen, 16-jährigen Deutschland-Politik, eingeschlossen der Bundestag, der mehrmals -zig Millionen Steuergelder für den "Demokratiefeldzug" in Afghanistan freigab.

jetzt mit der deutschen Sprache zu tun? Nichts - genau!

Gegen irgendwas muss ja gehetzt werden.
Frage mich nur warum das unter dem Artikel solange gedauert hat.
Ich habe heute morgen um 6 Uhr mit einer Fülle an Geblubber gerechnet.
Naja hetzen macht müde da müssen die Berufstrolle auch mal ausschlafen.

Pommernbirne und mil(k)5 sind wieder da!
Und - verlässlich wie seinerzeit die Reichsbahn - mit ihrem üblichen Geplapper.
mile guckt schon um 6 Uhr morgens, ob er nicht irgendjemanden findet, über dem er seine verbalen Güllekübel leeren kann!
Nun aber zum Thema: Beide aus dem Nachtwächter-Rat des NK haben in großer Eintracht wieder mal nichts verstanden.
Sie sprechen sicher nicht mit vollem Mund, schämen sich aber nicht, das mit leerem Kopf zu tun.
Und das macht ihre Beiträge hier so herrlich niveaulos.
Danke Euch und allen turbohosen, simsalabims und -bums.
Es war mir ein Leere...

Es gibt in der deutschen Sprache hinlänglich Möglichkeiten, weiblich und männlich zu beschreiben.
Die Gruppe derer, die sich selbst nicht zuordnen können ist so verschwindend klein, dass es ein völliger Blödsinn ist, die Sprache einer ganzen Nation verwirren und verschwurbeln zu wollen.
Auf so dämliche Ideen kommen nur die Deutschen, wenn sie in ihrer Wohlstandsverwahrlosung keine anderen Themen mehr haben.
Und da verehrter Pommernrüpel*innen und verehrter mil(k)e*außen, wären wir dann bei solchen Dingen wie Afghanistan, dem Welthunger, der miserablen Rentenpolitik und, und, und.
Darüber sollten wir uns eine Platte machen und nicht darüber wann wir endlich Pauschalreisen zum Mars buchen und dort dann gendergerecht shoppen gehen können.
Und nun wünsche ich weiterhin viel Glück auf dem Obersternchen und Unterstrich...!

Wir benutzen grundsätzlich nur noch die weibliche Form - die Männer können sich dann ja immer mitgemeint fühlen und mit allen anderen einigen wir Frauen uns schon :)