OST-WEST-DEBATTE

Gregor Gysi kritisiert Ost-Beauftragten Hirte

Geht es allen Ostdeutschen heute besser als 1990? Im Nordkurier-Interview widerspricht Gregor Gysi dieser These des Ost-Beauftragten der Bundesregierung.
Carsten Korfmacher Carsten Korfmacher
Für Gregor Gysi wurden Ostdeutsche nach der Wiedervereinigung zu Deutschen zweiter Klasse.
Für Gregor Gysi wurden Ostdeutsche nach der Wiedervereinigung zu Deutschen zweiter Klasse. Thomas Türülümow
Berlin.

„Allen Ostdeutschen geht es heute besser als 1990”, hatte der Ost-Beauftragte der Bundesregierung Christian Hirte (CDU) am Wochenende der Rheinischen Post gesagt. Im Interview mit dem Nordkurier widerspricht der Ex-Parteichef der Linken, Gregor Gysi, jetzt dieser Darstellung: „In der DDR gab es fast keine Kündigungen und Zwangsräumungen, keine Preissteigerung bei Mieten oder Lebensmitteln. Das Leben in der DDR vermittelte eine ganz andere soziale Sicherheit, die vielen Menschen heute sehr fehlt”, sagte Gysi.

Viele DDR-Bürger, auch solche, die zu den wissenschaftlichen und künstlerischen Eliten gehörten, hätten nach der deutschen Einheit „nie wieder die Anerkennung und solche Jobs gefunden”, so Gysi weiter. Zwar hätten alle Ostdeutschen „an Freiheit und Demokratie gewonnen, sie haben heute eine bessere Währung, ein besseres Fernsehgerät”. Doch dies als einzigen Maßstab anzusetzen, sei einseitig.

Als eine der tragenden Ursachen für die politischen Unterschiede zwischen Ost und West sieht Gysi die Zeit unmittelbar nach der Wiedervereinigung. Die Bundesregierung habe einfach nicht aufhören können zu siegen, wodurch Ostdeutsche „bei der Herstellung der deutschen Einheit zu Deutschen zweiter Klasse wurden”. Um das Selbstbewusstsein der Ostdeutschen zu stärken, hätten einige Dinge aus der DDR bundesweit umgesetzt werden können, zum Beispiel „die Polikliniken, die Berufsausbildung mit Abitur oder der höhere Stand der Gleichstellung der Geschlechter”. Damit „hätten auch Westdeutsche gesehen, dass sich wegen der deutschen Einheit ihre Lebensqualität erhöhte”.

Das ganze Interview mit Gregor Gysi erscheint am 11. Juli 2019 im Nordkurier.

Für Gregor Gysi wurden Ostdeutsche nach der Wiedervereinigung zu Deutschen zweiter Klasse.

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