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Griechen lehnen Sparpolitik mit klarer Mehrheit ab

Unterstützer der Syriza-Partei jubeln über das "Nein" zum Volksentscheid.
Unterstützer der Syriza-Partei jubeln über das "Nein" zum Volksentscheid.
Kay Nietfeld

Es ist ein lautes, klares "Nein", dass die Griechen den internationalen Gläubigern entgegen schmettern. Sie lehnen die Sparvorgaben überraschend deutlich ab.

Mit einer überraschend deutlichen Mehrheit haben die Griechen per Volksabstimmung die Sparvorgaben der internationalen Gläubiger abgeschmettert. Nach Auszählung von knapp zwei Dritteln der abgegebenen Wahlzettel stimmten gut 61 Prozent mit „Nein“ und unterstützten damit den Konfrontationskurs von Ministerpräsident Alexis Tspiras. Nur knapp 39 Prozent sprachen sich am Sonntag dafür aus, unter den Konditionen der Geldgeber weiter zu verhandeln, wie das Athener Innenministerium am Sonntag mitteilte.

Tsipras hatte seinen Landsleuten versprochen, ein mehrheitliches „Nein“ stärke seine Verhandlungsposition. In Deutschland warfen Politiker aus Union und SPD nach Bekanntgabe der Auszählungsergebnisse dem Ministerpräsidenten eine Irreführung der eigenen Bevölkerung vor.

Oppositionsführer tritt zurück

Kurz nach Schließung der Wahllokale feierten Hunderte Gegner des Reformprogramms auf den Platz vor dem Parlament in Athen. Viele Griechen machen die Gläubiger aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank und deren Sparvorgaben für die dramatische Lage im eigenen Land verantwortlich.

Als Folge des klaren Wahlausgangs ist der Chef der oppositionellen konservativen Partei Nea Dimokratia, Antonis Samaras, zurückgetreten. Er zog damit die Konsequenz aus der schweren Niederlage des „Ja“-Lagers. Kurz nach Bekanntwerden des Ergebnisses haben sich Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande für einen Sondergipfel der Euro-Staaten am Dienstag ausgesprochen.

Die griechische Regierung hatte bis zuletzt im scharfen Tonfall die Position der Geldgeber kritisiert. „Was man mit Griechenland macht, hat einen Namen: Terrorismus“, sagte Finanzminister Gianis Varoufakis vor dem Referendum der spanischen Zeitung „El Mundo“.

Tsipras hatte die Volksabstimmung zur Verärgerung der Geldgeber überraschend angesetzt. Die Verhandlungen gerieten danach in eine Sackgasse. Noch zur Verfügung stehen Hilfsgelder in Milliardenhöhe für das von der Staatspleite bedrohte Land verfielen am Dienstag. Ohne neue Hilfskredite droht ein schneller Zusammenbruch der Banken und der Staatsfinanzen.