AWO-SKANDALE

Großrazzia in acht Awo-Geschäftsstellen

Awo-Skandale und kein Ende. Der Ursprung der Affären liegt in MV, am Dienstag hat die Staatsanwaltschaft auch Razzien an etlichen Orten in Hessen und in Berlin durchgeführt.
Andreas Becker Andreas Becker
Seit Monaten ermitteln Staatsanwaltschaften gegen hochrangige Awo-Funktionäre.
Seit Monaten ermitteln Staatsanwaltschaften gegen hochrangige Awo-Funktionäre. Andreas Arnold
Wiesbaden.

Im Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Arbeiterwohlfahrt hält man sich seit Jahren an der mittlerweile widerlegten Mär vom berühmten Einzelfall. Und auch der Awo-Bundesverband in Berlin spricht gerne von schwarzen Schafen – inmitten der großen, weißen und ach so unschuldigen Awo-Herde. Gerne verweisen die Awo-Häuptlinge auf die aus ihrer Sicht bösen Einzeltäter Peter Olijnyk und Götz-Peter Lohmann aus dem Awo-Kreisverband Waren an der Müritz. Fertig ist aus Schweriner und Berliner Sicht die ansonsten heile Awo-Welt.

Vetternwirtschaft in der Awo

Doch mitnichten! Nicht nur von Olijnyk und Lohmann wurden Privat- und Geschäftsräume wegen des Verdachts der schweren Untreue durchsucht. Nicht nur für Olijnyk und Lohmann interessieren sich Staatsanwälte und ermitteln seit Jahren. Auch gegen den früheren Geschäftsführer des Awo-Stadverbandes Neubrandenburg, Jörg Fischer, wird ermittelt. Auch in anderen Awo-Kreisverbänden in MV sind Funktionäre wegen Vetternwirtschaft und wirtschaftlichen Verstrickungen zwischen Aufsichtsgremien und Geschäftsführungen in die Schlagzeilen geraten. Ganz zu schweigen von äußerst umstrittenen Awo-Projekten – beispielsweise dem Betrieb einer Kita auf der Urlaubsinsel Mallorca. Mit diesem Engagement stieß die Schweriner Awo bundesweit auf ein negatives Echo.

Das haben mittlerweile auch die Awo-Kreisverbände in Frankfurt am Main und in Wiesbaden erzeugt. Seit Monaten ermitteln Staatsanwaltschaften – ähnlich wie in MV – gegen hochrangige Awo-Funktionäre. Am Dienstag durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft mehrere Wohnungen und Büros von Verantwortlichen der Frankfurter und der Wiesbadener Arbeiterwohlfahrt. Laut Staatsanwaltschaft betrafen die Durchsuchungen sechs Privatwohnungen und acht Geschäftsräumen in Frankfurt/Main, Wiesbaden, Berlin, sowie Bad Schwalbach und Schöneck in Hessen.

Falsche Abrechnungen in Flüchtlingsunterkünften?

In dem Ermittlungsverfahren, das durch eine anonyme Strafanzeige und der umfangreichen Berichterstattung in den Medien in Gang gekommen ist, geht es laut Staatsanwaltschaft um Betrug auf Kosten der Stadt Frankfurt. Die Untersuchung habe den Betrieb von zwei Flüchtlingsunterkünften und „insoweit falsch abgerechnete Personalkosten im hohen sechsstelligen Bereich” zum Gegenstand, hieß es.

Zum anderen bestehe der „Verdacht der Untreue zum Nachteil der Awo wegen der Vereinbarung und Entgegennahme satzungswidriger Vergütungen beziehungsweise ungerechtfertigter Honorarzahlungen sowie der Gewährung einer überhöhten Dienstwagenpauschale”. Die sechs Awo-Verantwortlichen hätten bei der Wohlfahrtsorganisation in Frankfurt beziehungsweise Wiesbaden – teilweise in beiden Kreisverbänden gleichzeitig – zum Teil ehrenamtlich leitende Funktionen gehabt.

Hohe Awo-Gehälter und teure Dienstwagen

Medienberichte über eine überhöhte Bezahlung der damaligen Lebensgefährtin und späteren Ehefrau des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD) als Leiterin einer deutsch-türkischen Kindertagesstätte hatten am Anfang einer Reihe von Berichten über hohe Gehälter und teure Dienstwagen für einige Mitarbeiter des Frankfurter Awo-Kreisverbandes gestanden.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Wiesbaden

Kommende Events in Wiesbaden

zur Homepage