KANZLERKANDIDATIN

Grüne ziehen mit Annalena Baerbock in den Bundestagswahlkampf

Bündnis 90/Die Grünen haben Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl 2021 nominiert. Robert Habeck unterstützt sie dabei.
dpa
Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen und nun auch erste Kanzlerkandidatin ihrer Partei
Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen und nun auch erste Kanzlerkandidatin ihrer Partei Kay Nietfeld
Berlin ·

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock soll ihre Partei als Kanzlerkandidatin in die Bundestagswahl führen. Der Bundesvorstand der Grünen nominierte die 40-Jährige am Montag für den Spitzenposten. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses Land einen Neuanfang braucht“, sagte sie anschließend. Sie wolle eine Politik anbieten, die vorausschaue. Die Entscheidung muss noch auf einem Parteitag vom 11. bis 13. Juni bestätigt werden. Die Zustimmung gilt als sicher. Die Bundestagswahl findet am 26. September statt.

Mit der Entscheidung enden monatelange Spekulationen. Die Partei hatte die Klärung der Kandidatenfrage ihren beiden Parteivorsitzenden Baerbock und Robert Habeck (51) überlassen, die sich geräuschlos untereinander verständigten.

Habeck sagte, er selbst und Baerbock hätten in den vergangenen Wochen vertraute, manchmal auch schwierige Gespräche darüber geführt, wer von beiden die Kandidatur übernehmen solle. „Wir beide wollten es, aber am Ende kann es nur eine machen“, sagte er. Er selbst wolle sich aber gleichfalls in den Wahlkampf werfen. Die Gemeinsamkeit habe die Grünen so erfolgreich gemacht. „In dieser Situation führt der gemeinsame Erfolg dazu, dass einer einen Schritt zurücktreten muss.“ Habeck beschrieb Baerbock als „kämpferische, fokussierte, willensstarke Frau“, die genau wisse, was sie wolle.

Die Grünen hatten sich angesichts der seit 2018 hohen Umfragewerte erstmals für eine Kanzlerkandidatur entschieden. Derzeit sind sie mit mehr als 20 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CDU/CSU und vor der SPD. Baerbock ist bei der 20. Bundestagswahl seit 1949 erst die zweite Frau nach Angela Merkel, die sich um das höchste Regierungsamt bewirbt. Keiner der bisherigen Kanzlerkandidaten war jünger.

Kandidatenkür ohne offenen Streit

Baerbock wird bei der Wahl gegen zwei Männer antreten: Die SPD hat Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz nominiert, die Union muss sich noch zwischen den Vorsitzenden von CDU und CSU entscheiden, Armin Laschet und Markus Söder. Die anderen drei im Bundestag vertretenen Parteien stellen Spitzenkandidaten auf, die sie aber nicht Kanzlerkandidaten nennen wollen. Für die FDP wird das Partei- und Fraktionschef Christian Lindner sein. Bei AfD und Linken gibt es noch keine Entscheidung.

Anders als bei CDU und CSU hat es bei den Grünen weder Streit noch größere öffentliche Diskussionen über die Kandidatenkür geben. Deswegen wird auch auf dem Parteitag im Juni eine große Zustimmung erwartet.

Baerbock wuchs in der Nähe von Hannover auf dem Dorf auf und studierte Politikwissenschaften und Völkerrecht in Deutschland und London. Bei den Grünen hat die Mutter von zwei Töchtern schnell Karriere gemacht: 2009 Vorstand der europäischen Grünen und Landesvorsitzende in Brandenburg; 2013 Einzug in den Bundestag; 2018 Bundesvorsitzende der Grünen gemeinsam mit Habeck.

Bisher haben in der Regel nur CDU/CSU und SPD Kanzlerkandidaten nominiert, mit einer Ausnahme: 2002 stellte die FDP Guido Westerwelle auf, wurde dann aber mit 7,4 Prozent nur viertstärkste Kraft im Bundestag hinter SPD, CDU/CSU und Grünen.

Bundesgeschäftsführer Michael Kellner hat als Wahlziel ausgegeben, dass die Grünen das Kanzleramt erobern. „Wir wollen das Land in die Zukunft führen. Darum kämpfen wir für das historisch beste grüne Ergebnis aller Zeiten und die Führung der nächsten Bundesregierung.“ Ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl erzielten die Grünen 2009 mit 10,7 Prozent. Bei der Wahl 2017 kamen sie nur auf 8,9 Prozent.

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Kommentare (16)

Meine Gebete sind erhört worden und was ich vorausgesagt, erfleht habe ist jetzt Wirklichkeit. Die Bearbock wird Kanzlerkandidatin! Eine sympathische Frau und Mutter wird antreten die Geschicke unseres Landes zu lenken. Ich mag sie, sie plappert so unbedarft vor sich hin, hat den Mut auch mal Kobolde mit Cobald zu verwechseln oder Energie im Netz speichern zu wollen aber das tut sie wie es eine Frau eben tut. Kein Mann von Ehre und Anstand würde ihr widersprechen im Gegentum, er wird sie ermuntern weiter ihre Ideen zu präsentieren. Deshalb redet auch kein Mann gegen sie, der Habeck mag genetisch ein Mann sein aber die Cochones hat er irgendwo aber nicht zwischen den Beinen. Noch einmal, ich freu mich denn dieses Land hat eine Frau wie Frau Baerbock nicht nur verdient sondern hart erarbeitet. Ich wähle ab jetzt Grün!!! Miss Bearbock i love you!!!!

eine Frau es eben tut. Dazu kein Kommentar, ist selbsterklärend.
Kobold, Cobald oder Cobalt - vöölig egal, ganz im "Gegentum"...

natürlich...

Dem kann ich nur zustimmen. In Baden-Württemberg leisten Winfried Kretschmann und auch Boris Palmer ganz ordentliche Arbeit. Auf der Bundesebene waren mir die Grünen in der Opposition die letzten Jahre arg angepasst. Mit dem Machtwechsel könnte sich das ändern. Annalena Baerbock wird sicherlich auch nicht zur großen Revolution aufrufen. Aber ich möchte alleine schon nach Jahren Merkel endlich eine Bundeskanzlerin, die man sich auch anschauen kann. Und ich möchte einfach keinen Armin Laschet ständig vor der Kamera sehen und hören. Denn die Phrasen, die er alleine schon bisher als CDU-Vorsitzender gedroschen hat, reichen mir bereits. Und das dann gleich vier Jahre lang? Are you kidding me? Und dann stellt Euch eine Koalition mit der SPD vor und Karl Lauterbach wird Gesundheitsminister! Da stürzt sich jeder Fernseher doch von alleine aus dem Fenster!

Politisch wird sich bis zur Wahl noch zeigen, wohin Frau Baerbock will. Aber mir ist frischer Wind in der Politik (sofern er nicht von Rechts kommt) tendenziell durchaus willkommen. Das Althergebrachte (Merkel & Co.) funktioniert nicht mehr, wenn es denn je die letzten Jahre funktioniert hat. Meine Stimme haben die Grünen vorerst sicher. Nicht wählen nutzt nur denen, die man nicht in der politischen Landschaft sehen will. Und eine andere Option des zukünftigen Bundeskanzlers sehe ich momentan nicht. Olaf Scholz? Immer noch besser als Laschet, aber für mich dennoch keine Alternative.

Aber nicht alles nötig!

Der Sprung ins kalte Wasser bewahrt zumindest vorm weiteren Fischen in der lauwarmen und abgestandenen Brühe.

Sachkompetenz wäre für einen Kanzler oder Minister grandious, und die Grünen bieten einen Kobold auf, der schwierigkeiten mit elementarer Physik hat - Strom wird im Netz gespeichert.

Es wird bestimmt lustig im Sozialismus 2.0.

wäre allerdings auch überhaupt etwas Kompetenz bei einigen Kommentatoren...
Und unabhängig davon, dass dies nicht "im Netz" geschieht ist das Thema "Energiespeicherung" tatsächlich wichtig für die Zukunft!

Und Herr Laschet bietet selbstverständlich die nötige Sachkompetenz? Und in was genau, müsste man noch klären? Denn ich befürchte, wo Frau Baerbock sich lediglich verspricht, meint Laschet tatsächlich, was er von sich gibt...

'Sozialismus 2.0' ist mir ehrlich gesagt bis zu einem gewissen Punkt immer noch lieber als 'Rückschritt Reloaded'.

wählbar:

https://www.youtube.com/watch?v=NVkWo6mVy-I

und der Kerl ist sogar Europaabgeordneter

https://www.focus.de/politik/deutschland/opfervertreter-klagt-an-cohn-bendit-ist-mitverantwortlich-fuer-kindesmissbrauch_aid_993098.html

noch so einer, dem ich nie über den Weg trauen würde:

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-04/volker-beck-bgh-urteil-urheberrecht-manuskript-paedophilie

Die Grünen: "Wir haben viel zu spät mit der Aufarbeitung begonnen"
Straffreiheit für Pädophile: Mit dieser Forderung aus ihrer Anfangszeit hatten sich die Grünen viele Gegner gemacht. Ein Bericht spricht von Tätern in den eigenen Reihen.

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-12/gruene-paedophilie-debatte-aufarbeitung-partei-verantwortung

Niemals eine Partei, die sich von den Äußerungen nicht in aller Form distanzierten.

Daß diese Leute noch da sitzen, wo sie sitzen, ist für mich persönlich ein Skandal.

In anderen Parteien wird das auch vorkommen, aber es legalisieren zu wollen, ist der Gipfel des Abschaumes.

Pädophilie und Kindesmißbrauch, das sind die Pandemien schon seit Jahrtausenden.

Ich meine ja: Gefährliches Halbwissen und Pauschalisierungen sind die weitaus grösseren Übel dieser Welt. Aber auch Ihnen sollte bekannt sein, daß das Thema Pädophilie bei den heutigen Grünen nicht mehr sooo kontrovers diskutiert werden muss. Ich schätze, auch da sind die Fronten klar. Was bleibt den Stammtisch-Pöblern dieser Republik also? Nun, sie könnten sich noch über die mögliche Legalisierung von Cannabis zum nicht nur therapeutischen Eigengebrauch echauffieren. Denn diese Lockerung wird - im Gegensatz zu einer Straffreiheit für Pädokriminelle - möglicherweise tatsächlich kommen, wenn es im Lande grünt.

und um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich toleriere ebensowenig Kindesmißbrauch wie vermutlich alle anderen hier. Aber gefährliches Halbwissen und Pauschalurteile haben die Welt im Kampf gegen Kindesmißbrauch (und andere schwere Mißstände) bisher nicht wirklich weitergebracht. Ganz im Gegenteil. Was nicht zuletzt seit letztem Jahr die 'Informationsvielfalt' hinsichtlich Corona sehr deutlich zeigt. Zwischen Verharmlosung und Massenpanik scheint diesbezüglich nicht mehr viel Platz zu sein. Dabei wäre es so einfach, sich einfach mal an der Faktenlage zu orientieren. Dem einen gehen die Regelungen hingegen nicht weit genug, der andere protestiert gegen eine vermeintliche 'Bill-Gates-Verschwörung'. Naja, wenn dieser Welt-Zwangsimpfstoff dann so stabil funktioniert wie Windows 98, lacht sich COVID-19 eher tot, als daß es von Antikörpern gekillt wird. ;-)

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wohnungsbau-verbot-von-einfamilienhaeusern-was-experten-sagen-und-was-wirklich-gegen-wohnungsmangel-hilft/26918990.html?ticket=ST-4631046-bOlRU3BabnpcgNPW2Yrj-ap3

hat Söder Bayern auch nicht gebracht. Erst über Jahrzehnte Strukturhilfen der anderen Länder kassieren und dann auf dicke Hose machen. Und Laschet soll erstmal seine Autobahnbrücken in NRW zu Ende bauen.

Ich bin kein eingefleischter Grünenwähler, aber Frau Baerbock darf man ruhig feiern. Vor allem jetzt, nachdem sich die CDU mit Ihrem wohl endgültigen Votum für Herrn Laschet gerade ihr Grab schaufelt. Wie lange hoffte ich schon, daß der Bundestag speziell in den oberen Rängen endlich mal verjüngt wird und die verknöcherten Strukturen frischem Wind weichen. Frau Baerbock hat relativ wenig politische Erfahrung im Vergleich zu bisherigen Kanzlerkandidaten. Aber vielleicht ist genau diese relative Unbedarftheit, was Deutschland für den Aufschwung nach Corona braucht. Reicht die Fackel ruhig weiter, größeres Unheil als das 'System Merkel' kann Frau Baerbock ohnehin nicht anrichten.

Achja, gähn: irgendwo in den Kommentaren kam mal wieder das Totschlagargument hinsichtlich der Straffreiheit für Pädophile. Bitte erst informieren, dann sich empören: Diese Debatte wurde in den 70er Jahren von den Grünen geführt. Zu einer Zeit, als kinderpornographische Medien in Dänemark sogar völlig legal produziert und vertrieben werden durften. Da muss auch meines Erachtens seitens der Partei heute nichts aufgearbeitet werden: Das entsprechende Gesetz wurde nie umgesetzt und die Zeiten waren damals andere. Glücklicherweise ist der Mensch in der Lage, umzudenken. Manchmal schaffen das sogar Politiker. Und last but not least kann sich Frau Baerbock optisch durchaus sehen lassen. Was ich von manch anderem bisherigen Kanzler bzw. -kandidaten nicht unbedingt behaupten würde...

Der Politiker trat 1988 für die teilweise Entkriminalisierung von Sex mit Kindern ein. 2013 veröffentlichte "Spiegel Online" das Manuskript. Laut BGH war das legitim.

Die Grünen haben ihre Vergangenheit aufarbeiten lassen, der Parteitag hat eine Entschuldigung beschlossen – und doch entkommt Jürgen Trittin der Pädophilie-Debatte nicht: Er sitzt mit einem notorischen Pädophilie-Verharmloser in einem Beirat – und sieht keinen Grund, das zu ändern.

https://www.focus.de/politik/deutschland/zweifelhafte-verbindungen-warum-juergen-trittin-im-paedophilie-sumpf-feststeckt_id_4298385.html

Solche Leute gehören nicht in die Politik, sondern in den Knast, meine Ansicht.