Einzelne Ärzte aus Mecklenburg und Vorpommern haben den Offenen Brief ebenfalls unterzeichnet.
Einzelne Ärzte aus Mecklenburg und Vorpommern haben den Offenen Brief ebenfalls unterzeichnet. Jens Büttner
Offener Brief

Hunderte Ärzte fordern Ende aller „Zwangsmaßnahmen”

In den sozialen Medien zog ein Offener Brief von 380 Ärzten an die Bundesregierung gegen „Zwangsmaßnahmen” gegen Ungeimpfte weite Kreise. Aber gab es auch offizielle Antworten?
Rostock

Mitte Dezember hatten rund 380 Ärzte aus ganz Deutschland einen Offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz, die Gesundheitsminister der Länder und die Ärztekammern von Bund und Ländern gesendet. In dem Brief fordern die Ärzte die Politik auf, den „Druck” auf Ungeimpfte und alle „Zwangsmaßnahmen” sofort zu beenden.

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Diese wären „weder gerechtfertigt noch ethisch vertretbar”. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem renommierte Kliniker und erfahrene Lungenfachärzte, aber auch Anästhesisten, Neurologen, Hausärzte und Zahnärzte. Auch aus dem Ruhestand meldeten sich Mediziner zu Wort.

Ärzte aus MV unter den Unterzeichnern

Einzelne Ärzte aus Mecklenburg und Vorpommern haben den Offenen Brief ebenfalls unterzeichnet. Dr. Jörg Fischer, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie in Sanitz, sagte dem Nordkurier, er wäre kein Impfgegner. Impfungen wären nützlich und „eine segensreiche Entwicklung”.

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Die neuen mRNA- und Vektorimpfstoffe wären jedoch „keine sicheren Impfstoffe” und „noch zu neu”, um sie in der Breite verpflichtend zu verabreichen. Langzeiterfahrungen würden fehlen. Spätfolgen von seltenen Nebenwirkungen würden ihn nachdenklich machen. Konventionelle „Totimpfstoffe“ wären aus seiner Sicht „die sicherere Alternative”.

Der Boizenburger Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. Rainer Schäferkordt, begründet seine Unterschrift mit den „psychischen Auswirkungen sowohl der Pandemie als auch der Pandemie-Maßnahmen”. Sowohl bei Bestands-Patienten als auch angesichts einer nie dagewesenen Welle von Neu-Patienten und Anfragen wären die negativen psychischen Auswirkungen enorm.

Er würde in der Praxis vermehrt Fälle von Ängsten, Isolation, Depressionen, häuslicher Gewalt und Alkoholmissbrauch sehen. Die verfügbaren Daten zu den Impfstoffen würden eine „begrenzte Wirkung” aufzeigen. Man könne keine Grundlage für eine 2G-Regel ableiten, „da Geimpfte oft genauso infektiös sind wie Ungeimpfte”. Es wäre hilfreicher, „die Impfung als Angebot insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen” anzubieten und „ehrlich auf die begrenzte Wirksamkeit” und „die möglichen Nebenwirkungen” hinzuweisen.

Landesärztekammer kritisiert Wortwahl des Offenen Briefes

Diese Aussagen finden sich so und ähnlich auch im offenen Brief, dort noch angereichert um Quellen und weitergehende medizinische Ausführungen. Wie aber bewerten die Adressaten des Briefes diese Aussagen und gab es überhaupt schon Reaktionen?

Dr. Wilfried Schimanke ist Vizepräsident der Landesärztekammer Mecklenburg-Vorpommern und Facharzt für Chirurgie in Rostock. Vom Nordkurier befragt, erklärte er, dass der Offene Brief am 7. Januar per E-Mail angekommen sei. Der Inhalt sei teilweise berechtigt, die Wortwahl sieht er dagegen kritisch, „da letztlich die Position der Impfgegner, auch der Radikalen, gestärkt” würde.

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In der Außenwirkung würde es den Querdenkern nützen. Eine Impfpflicht sieht allerdings auch Dr. Schimanke kritisch. Man müsse im konkreten Fall jedoch zwischen der drohenden Überlastung des Gesundheitssystems und dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit abwägen. Man hätte das Problem auf den Intensivstationen nicht, wenn es nicht so viele Ungeimpfte gäbe.

Bedenken gegenüber mRNA-Impfstoffen wären „angesichts von Milliarden verimpften Dosen haltlos”. Es wäre wissenschaftlich erwiesen, dass die „verwendete mRNA nach 36 bis 48 Stunden nicht mehr im Körper nachweisbar und verstoffwechselt” wäre. Kommenden Mittwoch soll der Offene Brief in der Vorstandssitzung der Landesärztekammer thematisiert werden.

Gesundheitsministerium reagiert nicht auf Offenen Brief

Das Schweriner Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport reagierte nicht auf eine Nordkurier-Anfrage, ob ein Offener Brief von rund 380 Ärzten im Ministerium angekommen sei. Die Frage, ob die Absender eine Antwort erhalten haben, ist ebenfalls nicht vom Ministerium beantwortet worden.

Eine Nordkurier-Anfrage bei den Initiatoren ergab, dass der Offene Brief per Einschreiben-Einwurf bei der Poststelle des Bundestags eingegangen sei. Die Poststelle wurde gebeten, den Brief an die Gesundheitsminister von Bund und Ländern weiterzuleiten.

Die Poststelle hätte diesen jedoch lediglich an den Petitionsausschuss des Bundestags weitergereicht, von dort kam aber lediglich eine Eingangsbestätigung. Die Initiatoren hätten den Brief daher Anfang Januar erneut per E-Mail an den Gesundheitsausschuss, die Bundestagspräsidentin, die Fraktionsvorsitzenden und die parlamentarischen Geschäftsführer im Bundestag gesendet – noch ohne Reaktion.

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