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Im NSU-Prozess kochen die Emotionen hoch

Ismail Yozgat, Vater des ermordeten Halit Yozgat, schilderte vor Gericht, wie er seinen Sohn erschossen in seinem Internetcaféin Kassel fand.
Ismail Yozgat, Vater des ermordeten Halit Yozgat, schilderte vor Gericht, wie er seinen Sohn erschossen in seinem Internetcaféin Kassel fand.
Andreas Gebert

Halit Yozgat wurde von den Neonazi-Terroristen des NSU erschossen. Die Aussage seines Vaters vor Gericht ist eine Anklage, wie sie in der Strafprozessordnung nicht vorgesehen ist.

Es war der bislang emotionalste Zeugenauftritt im NSU-Prozess: Am Dienstag schilderte der Vater des ermordeten Halit Yozgat, wie er seinen Sohn erschossen in seinem Internetcafé in Kassel fand. Er sei am späten Nachmittag in den Laden gekommen, um seinen Sohn abzulösen, der die Abendschule besuchte. Dort habe der 21-Jährige in seinem Blut hinter dem Empfangstisch gelegen. „Ich habe meinen Sohn in meine Arme genommen, aber er hat keine Antwort gegeben“, rief Ismail Yozgat auf Türkisch. Er sprang im Verhandlungssaal des Oberlandesgerichtes München auf und rief immer wieder: „Er hat keine Antwort gegeben!“

Seine Frau, die bei der Aussage direkt hinter ihm saß, und sein Anwalt hatten sichtlich Mühe, den aufgebrachten Vater wieder zu beruhigen. Der Dolmetscher kam teilweise kaum mit der Übersetzung mit. Als ihn der Richter fragte, wie er seinen Sohn gefunden habe, legte sich Yozgat auf den Boden, um die Position zu demonstrieren. Die Angeklagten verfolgten den Auftritt – wie meistens im Prozess – ohne sichtbare Regung, auch als Yozgat direkt fragte: „Mit welchem Recht haben Sie das getan?“

Verdacht auf Drogengeschäfte

Yozgat beklagte, dass die Familie verdächtigt worden sei. „Wir haben uns fünfeinhalb Jahre nicht getraut, als Familie hinauszugehen. Alle haben uns feindselig angeschaut, sowohl die Deutschen als auch die Türken.“ Er sei gefragt worden: „Warum haben sie deinen Sohn getötet, wegen Haschisch oder Heroin?“

Halit Yozgat wurde der Anklage zufolge am 6. April 2006 von den Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen. Er war das neunte und letzte Opfer der Mordserie an türkisch- und griechischstämmigen Geschäftsleuten. Beate Zschäpe ist als Mittäterin an allen Anschlägen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) angeklagt. Sie soll für die legale Fassade des Trios gesorgt haben.

Ismail Yozgat wiederholte auch vor Gericht seine Bitte, die Holländische Straße in Kassel in Halitstraße umzubenennen. Sein Sohn sei dort geboren und auch ermordet worden. „Ich wäre Ihnen bis zu meinem Tod dankbar, wenn Sie das veranlassen könnten.“