In großen Konzertsaal der Elbphilharmonie in Hamburg haben sich zwei Mitglieder der Klimagruppe „Letzte Generation
In großen Konzertsaal der Elbphilharmonie in Hamburg haben sich zwei Mitglieder der Klimagruppe „Letzte Generation” während eines Konzertes angeklebt. Sie fordern stärkeres Handeln gegen den Klimawandel. Christian Charisius/Archiv
Für Klimaschutz

▶ In Elbphilharmonie festgeklebt – Letzte Generation stört Konzert

Am Mittwochabend haben sich Mitglieder der Klima-Protestgruppe „Letzte Generation” bei einem Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie angeklebt.
Hamburg

Mitglieder der Klimaschutz-Gruppe „Letzte Generation” haben am Mittwochabend wieder für Aufmerksamkeit gesorgt, um gegen die Klimapolitik der Bundesregierung protestiert. Diesmal aber nicht mit Attacken auf Gemälde oder Blockaden, bei denen sich Mitglieder auf Straßen anklebten. Diesmal klebten sich zwei Unterstützer wohl direkt an ein Dirigentenpult im Großen Saal der Elbphilharmonie in Hamburg – bei einem Konzert.

Die zwei Protestler hätten sich am Mittwochabend kurz nach 20 Uhr – wenige Augenblicke vor Beginn des Konzertes der Sächsischen Staatskapelle – mit Sekundenkleber an einem Geländer im Großen Saal festgeklebt, teilte ein Sprecher der Elbphilharmonie mit. Von dort verlasen sie ihre Erklärung.

Ein aus dem Publikum aufgenommenes Video zeigt, wie die Konzertstörer von Buh-Rufen und Aufforderungen nach "Ruhe" aus dem Publikum teils übertönt werden. 

Die Polizei wurde gerufen und das Konzert konnte mit leichter Verspätung beginnen, nachdem die zwei Personen samt abnehmbarem Geländer des Dirigentenpults die Bühne verlassen hatten, so der Elbphilharmonie-Sprecher auf Nordkurier-Anfrage. Dafür gab es teilweise Applaus im Saal.

"Gegen Weiter-So der Regierenden"

„Genau wie es nur ein Geigenkonzert von Beethoven gibt, haben wir nur diesen einen Planeten, dessen Grenzen wir so sehr missachten, dass klimabedingte Katastrophen häufiger und tödlicher werden“, sagt eine Aktivistin in einem auf Twitter veröffentlichten Video der „Letzten Generation“. Und: „Es wird keine Elbphilharmonie mehr geben, um Beethoven zu genießen, wenn Hamburg unter Wasser steht.“

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Das von der Protestgruppe bei Twitter veröffentlichtes Video soll die Protestaktion im Saal zeigen. Zwei Personen in Warnwesten klettern auf die Bühne und kleben sich wohl am Dirigentenpult fest.

In der Videomitteilung kritisiert die Gruppe auch eine „kollektive Verdrängung der Klimakatastrophe” und fordert friedlichen Widerstand gegen „das verbrecherische Weiter-So unserer Regierenden”.

Auf der Bühne trat am Abend die Sächsische Staatskapelle Dresden unter Dirigent Tugan Sokhiev mit Violinistin Julia Fischer auf und führten die Erste Sinfonie von Johannes Brahms und das Konzert für Violine von Ludwig van Beethoven auf.

Schwarze Farbe an DFB-Campus-Fassade gesprüht

Mitglieder der „Letzten Generation“ haben am Mittwoch auch schwarze Farbe an die Fassade des Campus des Deutschen Fußball-Bunds in Frankfurt gesprüht. „Schwarz wie das Öl, das Deutschland von blutigen Regimen einkauft“, teilte die Protestgruppe zu ihrer Aktion am Mittwochmorgen vor dem 1:2 Deutschlands gegen Japan bei der Weltmeisterschaft in Katar mit.

Im Kontext der WM solle damit gegen „blutige Deals der Bundesregierung und großer Konzerne wie der FIFA ein Zeichen“ gesetzt werden. Nach Angaben der Polizei wurden zwei Personen vorübergehend festgenommen. Gegen sie werde wegen Sachbeschädigung ermittelt.

Mit Blick auf den umstrittenen WM-Gastgeber Katar und das Turnier fragte die „Letzte Generation“: „Was ist das für Spaß? Was ist das für ein Spiel, wenn es auf dem Rücken des globalen Südens, auf dem Rücken der Armen, auf dem Rücken unserer Zukunft ausgetragen wird?“

Die „Letzte Generation“ forderte die Bundesregierung auf, entschieden Energie zu sparen – „im Kampf gegen die Klimakatastrophe, zur Beendigung der Abhängigkeiten von kriminellen Regierungen und für die Einhaltung von Menschenrechten. Ein Tempolimit und eine Rückkehr zum 9-Euro-Ticket wären hier die allerersten Maßnahmen.“

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