KOMMENTAR

Ja, uns allen geht es heute besser als 1990!

Die Empörung ist groß: Der Ost-Beauftragte der Bundesregierung sagt, dass es keinem Ostdeutschen heute schlechter geht als 1990. Unser Reporter nimmt den Mann trotzdem in Schutz.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
Christian Hirte (CDU) hat einen viel diskutierten Satz über Ostdeutschland gesagt.
Christian Hirte (CDU) hat einen viel diskutierten Satz über Ostdeutschland gesagt. Monika Skolimowska
Neubrandenburg.

Ich finde: Christian Hirte hat Recht mit seiner Aussage, dass es jedem Ostdeutschen heute besser geht als 1990. Dafür reicht ein Blick auf die Statistik: Der Durchschnittslohn in der DDR betrug 1989 rund 1300 Ost-Mark monatlich. Heute sind es in Brandenburg und MV etwa 2400 Euro.

 

 

 

Ein Arbeiter in der DDR, der 50 Jahre den Höchstbetrag an Beiträgen gezahlt hatte, bekam 1989 eine Rente von 520 Ost-Mark. Viele Renten lagen weit darunter, die meisten Ostdeutschen fahren heute Opel und Co. statt Trabi und Wartburg. Tausende reisen mit Aida in die Welt statt mit dem FDGB in den Harz.

Wir vergleichen uns mit den „Schwestern und Brüdern” im Westen

Doch der Blick auf die Statistik und den Alltag ist das eine. Der Mensch misst seinen Lebensstandard eben immer auch an anderen. Wir im Osten vergleichen uns naturgemäß mit unseren „Schwestern und Brüdern“ im Westen, obwohl angesichts ähnlicher Startbedingungen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auch der Vergleich mit Staaten wie Polen und Tschechien legitim wäre. Und noch ein Fakt: Mecklenburg und Vorpommern hinkten auch schon vor 1945 gegenüber industriellen Regionen Deutschlands zurück.

Man muss sich ehrlich eingestehen, dass wir noch lange mit gravierenden wirtschaftlichen Unterschiede in Ost- und Westdeutschland leben werden müssen. Die Politik hat nur begrenzte Möglichkeiten, dies in einer Marktwirtschaft auszugleichen, etwa mit der Ansiedlung von Bundesbehörden oder mit intelligenter Förderpolitik. Die wenigen Möglichkeiten sollte sie dann aber auch konsequent nutzen.

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Kommentare (9)

Herr Hirte ist definitiv fehl am Platz, wenn er das Einkommen in Ostdeutschland mit dem nach dem Mauerfall vergleicht.
Durch Subventionen, waren vor allem Lebensmittel sehr günstig. Vergleicht man mal die Preise für Kartoffeln, sind wir heute bei 4 € für 2,5 Kg. In der DDR bezahlte man dagegen 50 Pfennig für die gleiche Menge. Fast die Hälfte der Rentner in gesamt Deutschland wird unter der Armutsgrenze leben. Aber solange Herr Hirte seine Schäffchen im Trocknen hat, kann er ja ruhig auch so ein Mist von sich geben. Keiner meiner Nachbarn ist je auf der AIDA gewesen und mehr als die Hälfte kann sich gar kein Auto leisten.
P.S. Die Übernahme des Staatsvermögens der DDR und seiner Märkte, hat dagegen im Westen ein Wirtschaftswachstum ausgelöst.

Man muss auch das Gehalt vergleichen, 1 Kilogramm Kartoffeln, kosteten 25 Pfennig . Und was für ein Zustand, hatten die Mietshäuser. Das billige Brot, wurde ans Vieh verfüttert.

Manche können nicht richtig wirtschaften

1 Kilogramm Butter, hatte 10 Mark der deutschen Notenbank gekostet

ZITAT: "Der Durchschnittslohn in der DDR betrug 1989 rund 1300 Ost-Mark monatlich. Heute sind es in Brandenburg und MV etwa 2400 Euro."

Wer solch einen blödsinnigen Vergleich anstellt, kann auch gleich bei der SUPER ILLU anheuern...
Für eine 100-m²-Wohnung Altbau waren 60 DDR-Mark fällig, eine 76-m²-Neubau-Wohnung kostete 90 DDR-Mark, beide Mieten incl. Betriebskosten. 300 g Butter kosteten 1,36 DDR-Mark, ein 1,5-kg-Mischbrot 0,93 DDR-Mark. Ein Kaffee, noch nicht "to-go", kostete 0,84 DDR-Mark, eine Bockwurst mit Brötchen 0,95 DDR-Mark. 14 Tage FDGB-Ferienscheck für 3 Erw., 2 Kinder, für Unterkunft und dreimal tgl. Verpflegung 240 DDR-Mark. Und kommen Sie mir nicht wieder mit dem Totschlagargument, die DDR-Bevölkerung habe aber unsägliche Leiden unter der SED- und Stasi-Diktatur ertragen müssen.

Heute heißen die Informellen Mitarbeiter ALEXA und Amazon, facebook und google, und ginge es nach dem Willen von Verfassungsschutz und Polizei, darf zukünftig jede Polizeidienststelle mehr "Befugnisse" ausüben als eine ehemalige Kreisdienststelle des MfS. Wer heute mit einem eingeschaltetem Mobilfunk-Telefon durch Deutschland reist, hinterläßt alle dreißig Kilometer eine Markierung im nächstgelegenen Mobilfunkmast und mit Kreuzpeilung kann der Standort bis auf 30 Meter genau ermittelt werden.

ZITAT: "Christian Hirte hat Recht mit seiner Aussage, dass es jedem Ostdeutschen heute besser geht als 1990."
Gegenargument:
Aus eigenem Erleben, aus eigener Lebenserfahrung kann Herr Hirte es nicht besser, geschweige denn, es richtig wissen. Zur sogenannten Wende, dem Anschluß der DDR an die damalige BRD, war Herr Hirte gerade einmal 13 Jahre alt. Es sollte sich mal zur Belegschaft des ehemaligen Kaltwalzwerkes Bad Salzungen begeben und vor den dortigen Werktätigen diese Aussage wiederholen. Wenn er Glück hat, wird er von weniger faulen Eiern getroffen als Kanzler Kohl in Halle am 10. Mai 1991.

Mir geht es besser, aber gesundheitlich mit 67 Jahren, könnte es besser sein

aber nur weil ich in der Schweiz lebe und nicht in Vorpommern.

genauso war es. Ein guter Hirte beschützt seine Schäfchen. Dieser tut das nicht!

Herr Hirte bedient in der westdeutschen Zeitung „Rheinische Post” zum 30. Jahrestag die bekannten Vorurteile gegen die undankbaren Ossis. Das Interview ist nicht für die gedacht über die gesprochen wird. Diese soziale Spaltung der Bevölkerung, die immer weiter zunimmt, hat es in der DDR nicht gegeben. Natürlich geht es einem Teil der Bevölkerung deutlich besser, aber genau so geht es einem nicht geringem Teil der Bevölkerung deutlich schlechter. Wenn Herr Willhelm das nicht sehen will, so ist er wieder voll im „Freie Erde“ (dem ehemaligen Organ der Bezirksleitung Neubrandenburg der SED) Modus angekommen. Er schreibt das was seine Auftraggeber hören wollen. Die Realität wird wie vor über 30 Jahren ausgeblendet. Die Aussage das es jedem besser geht ist nicht zutreffen, ich verweise nur auf Obdachlosenheime, Kleiderkammern und die Tafeln!

Jeder Artikel, in der `` Freien Erde ``, wurde von der Stasi kontrolliert, sie waren ja früher, in der selben Strasse