MVs Integrationsministerin ist skeptisch

:

Kaum Interesse an Holters Ost-West-Schüleraustausch

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke)
Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke)
Martin Schutt

Denken Schüler auch heute noch in Ost-West-Schablonen? In der Politik gehen die Meinungen dazu auseinander – wie auch in der Frage, ob ein verstärkter Schüleraustausch nötig ist, um den innerdeutschen Dialog zu fördern.

Mit seinem Vorstoß zur Belebung des Ost-West-Schüleraustauschs stößt Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) in seinem Heimatland Mecklenburg-Vorpommern nur auf verhaltenes Interesse.

„Mein Eindruck ist, dass junge Leute, aber auch Menschen um die 40 nicht mehr in Ost-West-Schablonen denken. Hamburg ist für viele in unserem Land nicht nur geografisch näher als Dresden”, sagte Sozial- und Integrationsministerin Stefanie Drese (SPD) am Dienstag in Schwerin.

Unterstützung bekam Holter, der von 1998 bis 2006 Arbeitsminister Mecklenburg-Vorpommerns war und im Vorjahr sein Landtagsmandat in Schwerin für das Ministeramt in Thüringen aufgegeben hatte, hingegen von Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD).

Köpping: Klischee-Denken wird an weitergegeben

Nach deren Ansicht könnten Schüleraustausche helfen, einander besser kennenzulernen und sich gegenseitig respektvoll zu behandeln. Köpping sprach sich auch dafür aus, Städtepartnerschaften zwischen Ost und West neu zu beleben.

Das gleiche gelte für Verbindungen von Vereinen und Schulen. In Ost und West hätten sich Klischees über „die anderen” festgesetzt, die auch an die jüngere Generation weitergegeben würden und die den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land gefährdeten, konstatierte Köpping.

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), allerdings hält – wie Drese – die Forderung nach mehr Ost-West-Schüleraustauschen für „nicht mehr zeitgemäß».

Als neuer Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK) hatte Holter einen gezielten Schüleraustausch zwischen Ost- und Westdeutschland vorgeschlagen, um den innerdeutschen Dialog zu fördern.