Der britische Premierminister Boris Johnson in einer Fragestunde im Londoner Unterhaus.
Der britische Premierminister Boris Johnson in einer Fragestunde im Londoner Unterhaus. Jessica Taylor (AFP)
England

Keine Masken, keine Impfnachweise – Johnson verkündet Ende der Corona-Maßnahmen

Der britische Premier Boris Johnson steht in seinem Land derzeit schwer unter Druck. Nun hat er radikale Schritte in der Corona-Politik verkündet.
dpa
London

Der britische Premierminister Boris Johnson hat das kurzfristige Ende so gut wie aller noch in England geltenden Corona-Beschränkungen angekündigt. „Von morgen an werden wir keine Masken mehr in Klassenräumen verlangen“, sagte der konservative Politiker am Mittwoch im Londoner Unterhaus. Auch anderswo sollen Masken nicht mehr Pflicht sein, sondern eine private Entscheidung jedes Einzelnen. „Die Regierung ruft ab jetzt auch nicht mehr dazu auf, von zuhause zu arbeiten.“

Schon der zweite "Freedom Day" in Großbritannien

Die in Teilen der Tory-Partei verhassten Impfnachweise, gegen die etliche Abgeordnete im Dezember rebelliert hatten, sollen ab Mitte nächster Woche ebenfalls der Vergangenheit angehören. Es ist bereits der zweite, dieses Mal aber noch radikalere „Freedom Day” in England – auch im Sommer hatten die Briten schon einmal einen großen Teil der Corona-Regeln zurückgenommen, einige später aber wieder eingeführt, als die Infektionszahlen in die höhe schnellten.

Auch die verpflichtende Quarantäne für Corona-Infizierte in England will er in naher Zukunft vollständig abschaffen. „Es wird bald die Zeit kommen, in der wir die gesetzliche Verpflichtung zur Isolierung abschaffen können, genauso wie Menschen sich nicht gesetzlich isolieren müssen, wenn sie die Grippe haben“, sagte Johnson. Die aktuellen Regelungen laufen zum 24. März aus. Wenn möglich, wolle er sie schon früher abschaffen, sagte Johnson. Erst vor wenigen Tagen hatte seine Regierung die Isolation auf fünf volle Tage verkürzt.

Inzidenz lag zeitweise über 2000

Die Infektionszahlen sind in Großbritannien in den vergangenen zwei Wochen deutlich zurückgegangen. Die Inzidenz, die die Zahl der Neuinfektionen der vergangenen Woche pro 100 000 Einwohner angibt, lag zuletzt bei 986 (Stand: 13. Januar). Zeitweise hatte sie um den Jahreswechsel die Marke von 2000 überschritten. Auch die Zahl der Einweisungen ins Krankenhaus geht leicht zurück. Nordirland, Wales und Schottland hatten im Kampf gegen Omikron auf schärfere Maßnahmen gesetzt, aber auch bereits Lockerungen angekündigt.

Der wegen Lockdown-Partys in der Downing Street heftig unter Druck stehende Johnson hofft Kritikern zufolge offenbar, mit den weitreichenden Lockerungen Hinterbänkler in seiner Partei zu besänftigen.

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