Die jüngste Idee aus dem Ressort von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kommt bei Experten nicht gut an.
Die jüngste Idee aus dem Ressort von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kommt bei Experten nicht gut an. Ronny Hartmann/Bernd von Jutrczenka/NK-Combo
Coronavirus

Kinderärzte warnen vor Corona-Selbsttests an Schulen

Aktueller Vorschlag aus dem Bundesgesundheitsministerium: Endlich wieder mehr Präsenzunterricht – im Gegenzug aber regelmäßige Corona-Tests für alle Schüler. Kinder- und Jugendärzte raten ab.
Berlin

Vor dem Unterricht regelmäßig zum Coronatest – dieses Konzept halten Kinder- und Jugendärzte für falsch. In einer gemeinsamen Stellungnahme bezeichnen vier führende Organisationen die in einem Strategiepapier des Bundesgesundheitsministeriums (BGM) angedachten Schnell- und Selbsttestungen bei Schülern als „weder gerechtfertigt noch angemessen“.

Mehr Schaden als Nutzen

Bei Anwendung der Schnelltests in Schulen sei zu erwarten, „dass die Zahl falsch negativer und falsch positiver Ergebnisse inakzeptabel hoch sein und weit mehr Schaden als Nutzen mit sich bringen wird“, heißt es in dem Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

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Unter anderem bestünde die Gefahr, dass negative Testergebnisse die Hygiene-Disziplin der Schüler schmälere. Dies könne angesichts einer erwartungsgemäß hohen Rate falsch negativer Testergebnisse wiederum „gravierende Auswirkungen“ haben, heißt es.

Negative psychologische Auswirkungen

Zudem würden „die negativen psychologischen Auswirkungen repetitiver Testungen“ und die psychologischen Folgen falsch positiver Test vor allem für jüngere Kinder vom BGM unterschätzt.

Generell, so die Kinder- und Jugendärzte, sei bis heute nicht nachgewiesen, dass Infektionsausbrüche, die von infizierten Schülern ausgehen, ein relevanter „Motor“ der Pandemie seien. Das Robert Koch-Institut (RKI) habe diese Einschätzung kürzlich in einer Stellungnahme bestätigt.

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Sinnvoller: Alle zwei Tage Lehrer testen

Zielführender als Massentests an Schülern sei „eine sehr regelmäßige, zum Beispiel zweitägliche Testung“ des pädagogischen und weiteren Personals in den Einrichtungen, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme der Kinder- und Jugendärzte.

Hintergrund der Debatte: Eine auf flächendeckenden Schnell- und Selbsttests basierende Strategie soll das Herzstück eines Öffnungsplans von Bund und Ländern werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte vergangene Woche die ersten drei Produkte dieser Art für den Eigengebrauch zugelassen.

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