Das „Unwort des Jahres” 2022, „Klimaterroristen”, wird während seiner Bekanntgabe an eine Wand pr
Das „Unwort des Jahres” 2022, „Klimaterroristen”, wird während seiner Bekanntgabe an eine Wand projiziert. Sebastian Gollnow
Kommentar

„Klimaterroristen” ist das Unwort des Jahres – es gäbe ein besseres

Eine Jury kürt jedes Jahr die sogenannten Unworte des Jahres. Die diesjährige Wahl zeigt, wie vermint der Sprachgebrauch mittlerweile ist.
Neubrandenburg

Sie selbst sehen sich als „Klimaaktivisten”, von manchen werden einige von ihnen auch als „Klimakleber” bezeichnet und wenn das schwere Geschütz aufgefahren wird, werden sie auch schon einmal als „Klimaterroristen” bezeichnet.

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Letzterer Begriff wurde nun von der Jury der „Unwort”-Aktion in Darmstadt unter 55 Einsendungen zum sogenannten Unwort des Jahres gewählt. Ihre Begründung: Aktivistinnen und Aktivisten würden mit Terroristen „gleichgesetzt und dadurch kriminalisiert und diffamiert”. Mit dem Ausdruck würden gewaltlose Protestformen zivilen Ungehorsams und demokratischen Widerstands so in den Kontext von Gewalt und Staatsfeindlichkeit gestellt, so die Jury.

Diese Gleichsetzung ist ohne Zweifel sachlich unsinnig und wiederum selbst politisch motiviert. Von daher ist die Wahl dieser Jury verständlich. Interessant ist aber der gesellschaftliche Furor, den die Aktivitäten der so zu Unrecht Diffamierten auslösen. Und dieser rührt zu einem entscheidenden Teil aus dem Unbehagen über einen Begriff, der sich in der Begründung selbst wiederfindet.

Ein anderer Vorschlag für das Unwort des Jahres

Denn ein ebenso gutes wenn nicht gar besseres Unwort des Jahres wäre „Aktivist” – und damit ist nicht Adolf Hennecke in den Frühzeiten der DDR mit seiner 387-prozentigen Normerfüllung gemeint, die zwar Orden und Schulterklopfen von den Oberen, aber vielleicht nicht unbedingt Freunde unter den Kollegen brachte.

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Aktivisten und Aktivistinnen im heutigen Sinne müssen nämlich zunächst erst einmal gar nichts tun. Sie müssen erst einmal nur recht haben. In ihren Augen. Und die daraus resultierende so empfundene moralische Überlegenheit rechtfertigt wiederum alle Aktionen. So lange „Aktivist” als Auszeichnung und Monstranz vor sich hergetragen wird – wie in der DDR, nur war die Monstranz rot – , die alles andere rechtfertigt, bleibt es selbst ein Kampfbegriff. Und auch die Sprachjury stellt sich damit auf eine Seite und ist keinesfalls ein objektiver Schiedsrichter.

 

 

 

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Kommentare (1)

Zum Aktivisten Adolf Hennecke: es war eine geplante, durchstrukturierte Aktion, bei der in der Arbeitsschicht alles und alle auf die Leistung des Bergmanns ausgerichtet wurde. Sozusagen ein Test, wieviel Leistung ein Einzelner schafft, wenn weitere Bergleute das Drumherum der Leistung dieses Einzelnen begleiten, absichern. Also unwirtschaftlicher Aktivismus.