Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft warnt vor Schließung von Krankenhäusern.
Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft warnt vor Schließung von Krankenhäusern. Sebastian Kahnert
Energiekrise

Krankenhäuser in Gefahr – „An vielen Orten droht die Schließung”

Die Krankenhäuser warnen vor Insolvenzen in ganz Deutschland. Extreme gestiegene Energiepreise und die hohe Inflation seien für die Kliniken nicht zu stemmen.
Berlin

Erst die Pandemie, jetzt die Rekord-Inflation und extrem gestiegene Energiepreise. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt, die Kliniken könnten die gestiegenen Kosten nicht weitergeben. Bis zu 40 Prozent der Krankenhäuser drohen nach einer Blitzumfrage Insolvenzen. Bereits im laufenden Jahr würden 60 Prozent der Krankenhäuser rote Zahlen schreiben. Die Lage spitze sich im kommenden Jahr noch zu.

„An vielen Orten droht deshalb die Schließung von Krankenhäusern – mit negativen Folgen für die Versorgungssicherheit. Für viele Landkreise könnte das bedeuten, dass sie den Sicherstellungsauftrag übernehmen müssen, um für insolvente Kliniken einzustehen”, erklärt Gerald Gaß, der DKG-Vorstandsvorsitzende.

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DKG fordert sofortigen Inflationsausgleich

Der Fehlbetrag für das Jahr 2023 liege bei 10 Milliarden Euro, so Gaß. Die DKG fordert vom Bund einen Inflationsausgleich, um die stark gestiegenen Ausgaben der Krankenhäuser ausgleichen zu können. Langfristig müssten zudem die Länder ihrer gesetzlichen Verpflichtung nach ausreichender Finanzierung nachkommen, heißt es.

Nach einer aktuellen Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts können 96 Prozent der Krankenhäuser die gestiegenen Kosten nicht mehr aus den laufenden Einnahmen bezahlen. Alleine die Energiekostensteigerungen bringen Kliniken an den Rand der Zahlungsfähigkeit.

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Das Problem: Die Kostensteigerungen treffen auf staatlich reglementierte Preise. Vorgesehen sei für 2022 nur eine Steigerung der Einnahmen für die Kliniken von 2,32 Prozent. Die Inflation liegt aber schon bei knapp acht Prozent und werde auf zehn Prozent steigen. Hinzu kommen seit Jahren bekannte Probleme wie der chronische Personalmangel und die ausbleibende Investitionskostenfinanzierung der Länder, so die DKG.

Personalmangel – 80 Prozent der Kliniken rechnen mit Verschiebung von OPs

Die Personalsituation in den Kliniken sei angespannt. Aktuell könnten 87 Prozent der Krankenhäuser nicht ausschließen, Stationen zeitweilig schließen zu müssen. Und fast 80 Prozent gehen davon aus, dass sie im Herbst wegen Personalmangels planbare Operationen und Eingriffe verschieben oder absagen müssen.

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Hohe Personalvorgaben seitens der Politik würden die Personalnot verschärfen – das verbliebene Personal werde mit extremer Bürokratie überlastet. Die DKG fordert daher, die Beschäftigten von der Bürokratie zu befreien. „Im schlimmsten Fall werden Kliniken keine andere Wahl haben, als Personal abzubauen, um einer drohenden Schließung zuvorzukommen. Die Leidtragenden dieser Politik sind die Patientinnen und Patienten“, erklärt Gaß.

 

 

 

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