„Wir machen auf”

Läden wollen aus Protest trotz Lockdown öffnen

Die Telegram-Gruppe hat enormen Zulauf, knapp 20.000 Mitglieder in weniger als 24 Stunden.

Selbstständige organisieren sich im Netz, um am 11. Januar auch im Falle des verlängerten Lockdown ihre Läden zu öffnen. Das Interesse am Protest ist groß.

Dass der Lockdown, der bislang offiziell bis zum 10. Januar befristet ist, verlängert wird, gilt seitens der Politik als ausgemacht. Gleichzeitig wächst die Zahl derer weiter, die die Maßnahmen kritisch sehen: Die Gruppe „Wir machen auf – Kein Lockdown mehr” auf Telegram wächst seit dem Wochenende im Minutentakt, in rund 24 Stunden versammelten sich knapp 50.000 Interessierte und der Zähler tickt unaufhörlich weiter.

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„Rechtslage kein Grund, nicht mitzumachen”

„Gewerbetreiber, Gastro, Einzelhandel, Kosmetik, Friseur... Ab dem 11. Januar öffne ich die Türen. Eine weitere Verlängerung wird nicht mehr akzeptiert”, heißt es in der Beschreibung der am Samstagabend neugegründeten Telegramgruppe. In dem Messenger-Dienst versammeln sich seit Monaten Kritiker der Corona-Politik. Je nach Sichtweise sind die unzähligen Telegram-Kanäle zu Corona entweder die einzige Stelle, an der in Deutschland noch freier Meinungsaustausch möglich ist - oder aber ein Sammelbecken für "Corona-Leugner" und "Schwurbler".

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Unter dem Stichwort "Wir machen auf" diskutieren Gewerbetreibende nun über einen "wilden" Ausstieg aus dem Lockdown. Auf der zugeordneten Homepage „coronapedia.de” wurde ein Forum eingerichtet, in dem die Protestaktion diskutiert und geplant wird.

In etlichen Beiträgen wird deutlich, wie verzweifelt und wütend viele Selbstständige ob des zweiten Lockdowns und dessen vermuteter anstehenden Verlängerung sind: „Die Rechtslage sollte und darf kein Grund sein, bei dieser Aktion nicht mitzumachen”, heißt es beispielsweise. „Was wäre die Alternative? Konkurs durch Verbote und Einschränkungen? Sollte man da nicht lieber das Risiko einer Geldstrafe eingehen, die auch noch rechtlich angefochten werden kann?”

Twitter schäumt in alle Richtungen

Das Thema kochte auch sofort auf Twitter hoch. Unter dem Hashtag #WirMachenAuf rufen Unterstützer zu Solidarität mit Läden, die teilnehmen wollen, auf. Unter dem Hashtag finden sich aber auch zahlreiche Beiträge, in denen der geplante Protest verurteilt wird, von manchen Kritikern wird das Motto absichtlich als Aufforderung zur Grenzöffnung für Flüchtlinge missverstanden.

Auch der Gegen-Hashtag #WirMachenEuchDicht trendet inzwischen auf Twitter.

Simone Schamann

s.schamann@nordkurier.de
Textchefin

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