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Der Plan zur Entführung von Karl Lauterbach und der anschließende Staatsstreich ist von den Beschuldigten mit dem Code-Namen „Aktion Klabautermann” versehen worden. Bernd Von Jutrczenka
Mit Putins Segen

Lauterbach-Entführer wollte Deutsches Reich wiederherstellen

Offenbar plante einer der Männer, die Karl Lauterbach entführen wollten, einen Staatsstreich. Dazu wollte der Ex-NVA-Soldat Kalaschnikows, Doppelgänger und einen Stromausfall nutzen.
Karlsruhe

Die Details wirken bizarr: Ein Mann aus Falkensee, der wegen Entführungsplänen für Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach verhaftet worden ist, hatte offenbar ein Staatsstreich geplant. Recherchen von Spiegel-Online zufolge, legte der 54-Jährige gegenüber der Bundesanwaltschaft ein umfangreiches Geständnis ab, das es in sich hat. Das Nachrichtenmagazin berichtet unter Berufung auf den Verteidiger des Beschuldigten. Als Motiv seines Mandanten nannte der Verteidiger Unzufriedenheit mit der Politik und den Corona-Maßnahmen.

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Demnach wollte der Mann zusammen mit weiteren Beschuldigten Lauterbachs Personenschützer mit Hilfe von Kalaschnikows zwingen, den Bundesgesundheitsminister an sie zu übergeben. Der Bundesanwaltschaft zufolge sollte Lauterbach „gegebenenfalls auch unter Tötung seiner Personenschützer gewaltsam entführt werden”. Vor laufenden Kameras sollte dem SPD-Politiker dann laut Spiegel-Online ein Haftbefehl verkündet werden, bevor die Entführer ihn in ein Versteck verschleppen wollten.

Vier Männer waren am 13. April wegen der Kidnapping-Pläne festgenommen worden. Drei von ihnen werden laut Bundesanwaltschaft zudem die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie Verstöße „gegen das Waffengesetz und/oder Kriegswaffenkontrollgesetz” vorgeworfen. Das Quartett sitzt in Untersuchungshaft.

Die vier Deutschen stammen nach früheren Angaben der Ermittlungsbehörden aus Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz), Falkensee bei Berlin sowie aus den Kreisen Landshut (Bayern) und Ammerland (Niedersachsen).  Die Karlsruher Behörde ermittelt noch gegen einen fünften Beschuldigten, zu dem sie keine weiteren Angaben macht.

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Laut den Ermittlern stehen die Männer im Verdacht, einer Gruppierung angehört zu haben, „die es sich zum Ziel gesetzt hatte, in Deutschland bürgerkriegsähnliche Zustände auszulösen und damit letztlich den Sturz der Bundesregierung und der parlamentarischen Demokratie herbeizuführen”. Danach sollten mehrere hundert Telegram-Bekanntschaften des 54-jährigen ehemaligen NVA-Soldaten aus Brandenburg an einem geheimen Ort eine konstituierende Sitzung zur Wiederherstellung des Deutschen Reiches inklusive einer modernen Version der Reichsverfassung von 1871 abhalten, heißt es in dem Spiegel-Bericht.

Ein Doppelgänger von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier oder Kanzler Olaf Scholz sollte demnach der Öffentlichkeit im Anschluss die Rechtmäßigkeit des Umsturzes bestätigen. Zudem war laut Bundesanwaltschaft direkt danach die Herbeiführung eines bundesweiten Stromausfalls geplant. Dem Spiegel-Bericht zufolge sollte dadurch die Bevölkerung von Medienberichterstattung abgeschnitten werden.

Offenbar wollte die Gruppe um den 54-Jährigen jedoch erst mit Zustimmung eines einflussreichen Machthabers den Umsturzplan in die Tat umsetzen. Laut Spiegel-Online war der Segen von Russlands Präsident Wladimir Putin für den Staatsstreich gewünscht, bevor „Aktion Klabautermann” beginnen sollte. Ob dieser je von den Plänen erfuhr, ist demnach nicht bekannt. Die Bundesanwaltschaft äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Angaben des Spiegel-Berichts.

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Kommentare (1)

Staatsstreich mit vier Personen. Da muss doch im Kopf einiges durcheinander geraten sein. Als Stauffenberg 1944 einen Staatsstreich machen wollte, waren ca. 30 aktive und unzählig passive Personen beteiligt bzw. involviert und scheiterte kläglich.