NIEDRIGSTE FALLZAHLEN SEIT 25 JAHREN

Licht und Schatten in neuer Kriminalstatistik

Die Kriminalität ist so gering, wie seit Jahrzehnten nicht mehr, sagt die offizielle Statistik, die aber mit viel Augenmerk gelesen werden muss. Gleichzeitig steigt aber das Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung.
Daumen hoch oder und zum Wegsehen: Die Kriminalitätsstatistik zeigte für Innenminister Horst Seehofer (CSU) erfreuliche und bedenkliche Entwicklungen.
Daumen hoch oder und zum Wegsehen: Die Kriminalitätsstatistik zeigte für Innenminister Horst Seehofer (CSU) erfreuliche und bedenkliche Entwicklungen. Kay Nietfeld
dpatopbilder - 08.05.2018, Berlin: Horst Seehofer (CSU), Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau, stellt die Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 in der Bundespressekonferenz vor. Die Kriminalität in Deutschland geht laut Statistik zurück: Die Behörden erfassten im vergangenen Jahr 5,76 Millionen Straftaten - die niedrigste Zahl seit 1992. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist die erfasste Kriminalitätsrate sogar niedriger als in den vergangenen 30 Jahren. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++(c) dpa - Bil
dpatopbilder – 08.05.2018, Berlin: Horst Seehofer (CSU), Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau, stellt die Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 in der Bundespressekonferenz vor. Die Kriminalität in Deutschland geht laut Statistik zurück: Die Behörden erfassten im vergangenen Jahr 5,76 Millionen Straftaten – die niedrigste Zahl seit 1992. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist die erfasste Kriminalitätsrate sogar niedriger als in den vergangenen 30 Jahren. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++ | Verwendung weltweit Kay Nietfeld
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Berlin.

Die Zahlen sind für den frischgebackenen Innenminister offensichtlich eine frohe Botschaft. „Deutschland ist sicherer geworden”, sagte Horst Seehofer am Dienstag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2017 in Berlin. Die reinen Zahlen geben ihm recht: Die Behörden erfassten im vergangenen Jahr 5,76 Millionen Straftaten – die niedrigste Zahl seit 1992. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist die erfasste Kriminalitätsrate sogar niedriger als in den vergangenen 30 Jahren.

Gleichwohl gibt es in gewissen Deliktsfeldern auch Anlass zur Sorge – etwa bei Angriffen auf Polizisten und Rettungskräfte oder der Verbreitung von Kinderpornografie. Dabei ist das Zahlenwerk immer mit Vorsicht zu genießen, den es enthält lediglich die der Polizei bekannt gewordenen Straftaten.

Laut aktueller Statistik kamen die Polizeibehörden in Bund und Ländern im vergangenen Jahr zahlreichen illegalen Machenschaften auf die Schliche. Der Anteil der aufgeklärten Straftaten ist laut Innenministerium mit 55,7 Prozent so hoch wie nie seit Beginn der Zählung 2005. Ausländerrechtliche Verstöße wie zum Beispiel die illegale Einreise sind dabei ausgeklammert. Die Aufklärungsquote hängt aber stark vom Tatbereich ab: Bei Wohnungseinbrüchen mit Diebstahl werden nur 17,8 Prozent der Fälle aufgeklärt, bei Tötungsdelikten sind es 95,6 Prozent.

Drei Viertel der 1,98 Millionen Tatverdächtigen des vergangenen Jahres waren den Angaben zufolge Männer. Mit knapp 600 000 Personen hatten rund 30 Prozent der Tatverdächtigen keinen deutschen Pass. Davon war wiederum knapp jeder Vierte ein Zuwanderer, also Asylbewerber, Flüchtling oder hatte eine Duldung. Ihre Zahl an Tatverdächtigen sank mit 4,1 Prozent stärker als die der Gesamtzahl an Verdächtigen, die sich um 2,4 Prozent reduzierte.

Einen erheblichen Rückgang von 11,8 Prozent verzeichneten die Behörden beim Diebstahl. So sanken die Fälle von Wohnungseinbruchsdiebstahl um 23,0 Prozent, beim Taschendiebstahl um 22,7 Prozent. Auch die Gewaltkriminalität ist leicht zurückgegangen – um 2,4 Prozent.

Experten warnten allerdings vor zunehmender Gewalt gegen Polizisten und Rettungskräfte. „Laut Gewerkschaft der Polizei (GdP) wurden im vergangenen Jahr 74 400 Polizeibeamte Opfer von vollendeten und versuchten Straftaten – das seien rund 2600 mehr als 2016. Um 12,9 Prozent angestiegen sind laut PKS Delikte, bei denen Pornografie verbreitet wurde.

Die gesondert erfasste politisch motivierte Kriminalität ging erstmals seit 2012 wieder zurück. Im vergangenen Jahr registrierten die Sicherheitsbehörden in diesem Bereich bundesweit 39 505 Straftaten, 4,9 Prozent weniger als 2016. Mehr als die Hälfte aller gemeldeten Straftaten waren 2017 rechtsmotivierte Delikte.

Einen deutlichen Anstieg gab es auch bei religiös motivierten Gewaltdelikten, hinter denen hauptsächlich Menschen mit islamistischem Weltbild stehen. Hier verzeichneten die Behörden einen Anstieg um mehr als 95 Prozent auf 92 Straftaten.

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