Spitzenkandidatin Eva von Angern bei der Vorstellung der neuen Wahlplakate der Linken, zu der auch das über die „We
Spitzenkandidatin Eva von Angern bei der Vorstellung der neuen Wahlplakate der Linken, zu der auch das über die „Wessis” gehört. Twitter, Linkspartei
Sachsen-Anhalt

Linke provoziert mit Wessi-Kritik auf Wahlplakat

Ein Wahlplakat der Linkspartei in Sachsen-Anhalt sorgt für Ärger im Landtagswahlkampf. Alle anderen Parteien zeigen sich alles andere als amüsiert.
Magdeburg

„Nehmt den Wessis das Kommando”: Das fordert Sachsen-Anhalts Linke auf einem Wahlplakat zur Landtagswahl am 6. Juni. Spitzenkandidatin Eva von Angern hatte zum Kampagnen-Auftakt am Freitag das Plakat verteidigt: „Wir haben immer noch erhebliche Unterschiede bei den Einkommen, bei den Renten zwischen Ost und West. Wir haben verbaute Karrierechancen für Ostdeutsche. Und das wollen wir thematisieren, weil wir das im Jahr 2021 für eine große Ungerechtigkeit halten.”

CDU-Bildungsminister kritisiert den Spruch

Die anderen Parteien sehen den linken Slogan allerdings eher kritisch. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) etwa twitterte am Wochenende: „Ich urteile ja ungern über Mitbewerber. Aber 30 Jahre nach der Einheit solche Plakate zu präsentieren, empfinde ich als inakzeptabel. Und unlogisch.” Tullner verlinkte einen kurzen Film, der auf Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow verwies, der in Niedersachsen geboren ist, und mit den Worten endet „wo sie Recht hat ...”.

CDU-Landeschef Sven Schulze wies auf den in Osnabrück geborenen sachsen-anhaltischen Linken-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, Jan Korte, hin.

SPD-Landeschef Andreas Schmidt betonte, dass rund 300.000 Sachsen-Anhalter in der alten Bundesrepublik geboren wurden und weitere 500.000 im wiedervereinigten Deutschland. „Wir alle leben hier, gehen gemeinsam in die Zukunft.” Die Grünen-Spitzenkandidatin Cornelia Lüddemann erklärte: „Das erschüttert mich wirklich. Ich dachte, alle Menschen sind grundsätzlich gleich und es kommt auf Wollen und Werte an.”

Im Landtagswahlkampf der Linken in Mecklenburg-Vorpommern für die Wahl im September wird das Plakatmotiv keine Chance haben. "Wir fahren eine andere Kampagne", sagte der Vorsitzende der Linkspartei in MV Torsten Koplin am Sonntag. Die Aussage des Plakats, wonach auch 30 Jahre nach der Deutschen Einheit zu wenige Führungspositionen in der Wirtschaft und den Verwaltungen mit Menschen mit ostdeutscher Sozialisation besetzt seien, sei allerdings zutreffend.
Auch die Fraktionschefin der Linkspartei im Schweriner Landtag, Simone Oldenburg, wird nicht mit dem Anti-"Wessi"-Plakat in den Wahlkampf ziehen. Die Schwerpunkte der politischen Auseinandersetzung würden auf die Themen Bildung, Gesundheit und Löhne gelegt, erklärte sie.

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