UMFASSENDE STUDIE

Masken-Atteste haben ihre Berechtigung

Masken-Atteste sind im Laufe der Pandemie fast wertlos geworden. Bürger, die sie vorzeigen, gelten als Querulanten. Ärzte, die sie ausstellen, geraten unter Druck. Eine bedenkliche Entwicklung, wie Wissenschaftler aufzeigen.
Nicht für jeden Menschen ist das Tragen einer Maske unbedenklich, sagen Wissenschaftler.
Nicht für jeden Menschen ist das Tragen einer Maske unbedenklich, sagen Wissenschaftler.
Aachen ·

Knapp ein Jahr nach deren Einführung rechtfertigt im Alltag so gut wie nichts mehr eine Befreiung von der Maskenpflicht. Wer ein solches Dokument beim Einkaufen oder auf Versammlungen vorzeigt, hat schlechte Karten. Regelmäßig werden Atteste nicht anerkannt oder als Fälschung betrachtet, nicht selten rückt sogar der Arzt, der es ausgestellt hat, ins Visier der Behörden. Was, so der Tenor, könnte dagegensprechen, für einen begrenzten Zeitraum einen Mund-Nasenschutz zu tragen? Es ist doch nur ein kleines Stückchen Stoff mit großem Nutzen für uns alle.

Die Wirksamkeit der Maske wird in der aktuellen Studie, die im renommierten „International Journal of Environmental Research and Public Health“ (IJERPH) – einer Fachpublikation mit höchsten Ansprüchen – veröffentlich wurde, weder untersucht noch infrage gestellt.

Link zur Studie – hier klicken

Streng wissenschaftlich-objektive Betrachtung

Vielmehr wollte das Team aus vier Professoren (Pathologie, Anatomie, Neurowissenschaften, Psychologie), drei Ärzten (Innere Medizin, Chirurgie, Orthopädie & Unfallchirurgie) und einem Physiker durch Auswertung von 109 Maskenpublikationen der Jahre 2000 bis 2020 herausfinden, ob es möglicherweise mehr Menschen gibt als zurzeit angenommen, für die das Tagen einer Mund-Nasenbedeckung gesundheitlich bedenklich ist. „Die Idee zu dieser Mammut-Arbeit war die streng wissenschaftliche und objektive Beleuchtung der unerwünschten und negativen Maskeneffekte mit dem Ziel, neue Erkenntnisse zu gewinnen“, so Dr. Kai Kisielinski, einer der mitwirkenden Mediziner, zum Nordkurier. „Es geht uns ausdrücklich nicht darum, die Maske an sich infrage zu stellen, sondern um sachlichen Erkenntnisgewinn.“

Laut Studie kann das Tragen von Masken sowohl bei gesunden als auch bei kranken Menschen ein sogenanntes Masken-Induziertes-Erschöpfungs-Syndrom (MIES) verursachen – mit typischen Veränderungen und Symptomen, die oft in Kombination beobachtet werden.

„Uns hat bei dieser Studie überrascht, dass viele Begleiterscheinungen des Masketragens gehäuft und gemeinsam aufgetreten sind. Und dass viele physiologische Veränderungen – zum Beispiel Sauerstoffabfall und Kohlendioxidanstieg – auch gehäuft gemeinsam aufgetreten sind.“

Gehäuftes und gemeinsames Auftreten von Symptomen

Weitere Symptome, die in Kombination auf das maskeninduzierte Erschöpfungssyndrom hinweisen können, sind laut Studie unter anderem Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz, Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsschwäche und Hautirritationen. Ärzte, die sich für das Thema interessieren, können die Vielzahl der Begleiterscheinungen und das parallele Auftreten unter anderem einer detaillierten Tabelle entnehmen, die Teil der Studie ist (siehe Link zur Studie, dortige Abbildung 2).

Dr. Kisielinksi zum Nordkurier: „Wir haben dort vielfältige Nebenwirkungen zusammengetragen, die in den Primärstudien statistisch signifikant – da sind wirklich mathematisch bewiesene Veränderungen – aufgetreten sind. Das ist schon erstaunlich.“

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Wurden messbar negative Auswirkungen der Maske eigentlich schon vorher – beispielsweise in asiatischen Ländern, wo sie seit Jahrzehnten Alltagsbegleiter ist, festgestellt? „Nicht in dieser Form“, sagt Dr. Kisielinski. „Dass der Zusammenhang zwischen bestimmten Symptomen und Masketragen vorher noch nicht erfasst wurde, liegt vermutlich aber ganz einfach daran, dass danach noch nicht aus diesem bestimmten Blickwinkel geschaut wurde. Wir haben nur auf die Masken geschaut und auf die Risiken. Das hat uns zu dieser besonderen Erkenntnis geführt. Wenn man die Dinge nur grob betrachtet, liegt der Zusammenhang nicht auf der Hand.“

Selbstverständlich seien auch Studien aus Asien in die "überblickende Literaturübersicht”, wie die Wissenschaftler es nennen, eingeflossen. „Die Kollegen dort haben die ungünstigen Effekte der Maske natürlich auch erkannt“, so Dr. Kisielinski. „Sie haben das aber nicht als Syndrom beschrieben, was unter anderem daran liegt, dass nicht verschiedene Studien parallel ausgewertet wurden.“

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Maske nicht immer mit Gesundheit vereinbar

Lässt sich eine Bilanz der ermittelten Datenlage ziehen? „Man kann definitiv sagen, dass langes Tragen der Maske sich nicht für jeden Menschen mit Gesundheit vereinbaren lässt“, sagt Dr. Kisielinski. „Wir sind beispielsweise aufgrund unserer Daten zu dem Schluss gekommen, dass Schwangere die Maske nicht länger als eine Stunde am Tag tragen sollten. Wir kommen auch zu der Erkenntnis, dass schwer Lungenkranke schon nach einer halben Stunde Tragezeit Probleme entwickeln können.“

Dass Masken-Atteste fast immer als ungültig betrachtet werden und immer mehr Ärzte sich aus Druck oder Überzeugung weigern, sie auszustellen, sei deshalb ein Problem. „Aufgrund der Ergebnisse unserer Studie kann man schon davon ausgehen, dass Masken-Atteste wissenschaftlich belegbaren Sinn machen.“ Wann könnte seiner Meinung nach ein Arzt denn guten Gewissens ein Masken-Attest ausstellen? „Das muss der Arzt natürlich selbst entscheiden. Es ist immer eine Einzelfallentscheidung. Wenn ein Patient beispielsweise an der Lungenkrankheit COPD leidet, muss der Schweregrad berücksichtigt werden. Der subjektive und objektive Zustand des Patienten muss in die Entscheidung einfließen. Unser Punkt ist, dass die allgemeine Maskenpflicht genau dieser individuellen Medizin komplett widerspricht.“ Eine sorgfältige individuelle Kosten-Nutzen-Abwägung durch den behandelnden Arzt sei notwendig.

Ärzte müssen ethisch vertretbar handeln

Die Ergebnisse der Studie seien nicht nur für wissenschaftlich interessierte Arztkollegen interessant, sondern auch für Praxen, die wegen des Ausstellens von Maskenattesten Ärger bekommen haben. „Sie können in unserer Arbeit Studien und Fakten finden, die ihr Vorgehen argumentativ unterstützen können, beispielsweise in Abbildung 2 und Abbildung 5 der Review-Publikation”, sagt Dr. Kisielinksi. Und er weist darauf hin, dass Ärzte laut Genfer Konvention, die auch in der Studie zitiert wird, dazu verpflichtet sind, sich für ihre Patienten einzusetzen. „Dort steht, dass der Arzt auch unter Gefährdung seiner eigenen Person sich so für seinen Patienten einsetzen muss, dass er ihn auch gegen Dritte schützt. Das heißt, auch unter Androhung von Repressalien muss er so handeln, dass es ethisch vertretbar ist.“

Eine politische Dimension soll die Studie trotzdem ausdrücklich nicht haben. Dr. Kisielinski: „Wir wollten als wissenschaftliches Team ein Nachdenken anregen. Was die Menschen – Ärzte, Politiker, Patienten – jetzt mit dieser Information machen, ist deren Sache. Da mischen wir uns nicht ein.“

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Kommentare (3)

Es wäre hilfreich, wenn einige Ärztinnen der Region nicht offensiv für Attestaustellungen werben würden. Also für lau ohne Indikation, weil Corona keine Krankheit ist.

dass nicht für die Impfung von Kindern geworben werden sollte? So lau, ohne Indikationen? Weil Corona für sie keine Gefahr ist?

Sie wollen nicht einen wirklichen Austausch oder?
Widerspreche ich dem Artikelinhalt oder werbe für Impfungen? Oder verpetze die ÄrztInnen?

Es ist nun mal so, dass sich die mitunter inflationären Atesterteilungen auf berechtigte Bescheinigungen negativ auswirken. Könnte man ja mal in einem journalistischen Beitrag mit einfließen lassen...