MUND-NASEN-SCHUTZ

Maskenpflicht in Deutschland wird heiß diskutiert – Soll sie fallen?

Seit mehr als einem Jahr sollen Masken Corona-Infektionen verhindern. Doch nun sinken die Ansteckungsraten drastisch und der Sinn des Mund-Nasen-Schutzes wird hinterfragt.
dpa
Ist die Maskenpflicht in Deutschland noch notwendig?
Ist die Maskenpflicht in Deutschland noch notwendig? Sina Schuldt
Berlin ·

Die weitgehende Aufhebung der Maskenpflicht in Dänemark von diesem Montag an befeuert auch in Deutschland die Diskussion über den Sinn des Mund-Nasen-Schutzes. „Bei den fallenden Inzidenzen sollten wir gestuft vorgehen: In einem ersten Schritt kann die Maskenpflicht draußen grundsätzlich entfallen”, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

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In Regionen mit sehr niedriger Inzidenz und einer hohen Impfquote könne die Pflicht nach und nach auch drinnen entfallen. „Als Empfehlung bleibt in jedem Fall eine einfache Regel: im Zweifel mit Maske – besonders beim Reisen und bei Treffen in Innenräumen. Mehr Sicherheit gibt es nur, wenn alle Anwesenden entweder geimpft oder regelmäßig getestet sind”, betonte der CDU-Politiker.

Dänemark hebt Maskenpflicht fast komplett auf

In Dänemark wird ab diesem Montag die Pflicht zum Tragen einer Maske für fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens aufgehoben. Einzige Ausnahme davon bleibt der öffentliche Nahverkehr – dort aber auch nur, wenn man nicht sitzt. Bis zum 1. September soll die Maske dann gänzlich verschwinden.

Dänemark hatte seinen schrittweisen Weg aus den Corona-Maßnahmen schon im Frühjahr eingeleitet. Seitdem sind zahlreiche Beschränkungen im Land zurückgefahren worden, so dass mittlerweile im Grunde alles wieder offen ist bis auf die Diskotheken, die nun voraussichtlich Anfang September öffnen dürfen.

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Die Zahl der Neuinfektionen war in Dänemark im Zuge der Lockerungen leicht gestiegen, allerdings nicht in die Höhe geschossen. Seit einigen Tagen sinkt die Inzidenz wieder: Am Sonntag wurden nur 315 nachgewiesene Neuinfektionen in den vergangenen 24 Stunden gemeldet – das war der niedrigste Wert seit Mitte Februar.

Allerdings wurden auch weniger Menschen als normalerweise getestet. Bei den jüngsten Vergleichszahlen der EU-Gesundheitsbehörde ECDC lag Dänemark bei einer 14-Tages-Inzidenz von rund 215, was dem höchsten Wert im Europäischen Wirtschaftsraum entsprach. Allerdings sind die Werte in zahlreichen weiteren Ländern auch zuletzt rapide gesunken.

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Forderungen nach einer kompletten Aufhebung

Von FDP und AfD kamen am Wochenende Forderungen nach einer kompletten Aufhebung. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt halten dies draußen für möglich, nicht aber in Innenräumen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir die Maskenpflicht da, wo sie überhaupt noch besteht draußen, entfallen lassen”, sagte Dobrindt in der ZDF-Sendung „Berlin direkt”. Diese Entscheidung werde von den Ländern getroffen. Für Innenräume rate er aber zur Vorsicht, auch mit Blick auf ansteckendere Virusmutationen. Deshalb sollte man hier nicht unvorsichtig werden.

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CSU-Generalsekretär Markus Blume warnte im „Bild live”-Talk „Die richtigen Fragen” davor, so zu tun, als sei Corona schon vorbei. Er halte die Abstandsregeln und die Maskenpflicht „für die geringste Zumutung und für einen sehr guten Schutz nach wie vor”. Ähnlich äußerte sich sein SPD-Kollege Lars Klingbeil in dem Talk: „Ich glaube, es verlangt uns als Gesellschaft nicht viel ab, wenn wir jetzt im öffentlichen Nahverkehr, dort, wo wir wirklich auf Menschen treffen, wenn wir dort die Masken weiterhin tragen. Ich halte das für richtig.”

Kubicki fordert ein komplettes Ende der Maskenpflicht

Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) forderte ein komplettes Ende der Maskenpflicht. „Bei einer klaren Inzidenz unter 35 darf der Staat gar keine Grundrechte pauschal für alle Bürger einschränken. Die allgemeine Maskenpflicht müsste daher bei strenger Auslegung des Infektionsschutzgesetzes aufgehoben werden, erst recht draußen”, sagt Kubicki dem Blatt.

Die stellvertretende AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch sagte im ZDF: „Die Maskenpflicht muss weg. Sie ist nicht mehr zu begründen. Sie ist der sichtbarste Ausdruck für den Ausnahmezustand. Der ist jetzt zu beenden. Wir müssen wieder Gesicht zeigen.”

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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil zur Vorsicht gemahnt. „Wir sollten nicht den Eindruck vermitteln, die Pandemie sei vorbei”, sagte der SPD-Politiker der „Hannoverschen Allgemeine Zeitung”.

Weil zeigte sich aber offen für Lockerungen im Freien. „Gleichzeitig müssen wir vorsichtig bleiben, das Virus ist weiterhin auch in Deutschland präsent und wir wissen nicht, was in den nächsten Wochen noch für Herausforderungen auf uns zukommen”, sagte der Regierungschef dem Blatt. Skeptischer sieht Weil Lockerungen in geschlossenen Räumen und vor allem im öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV). „Dort dürfte eine Aufhebung der Maskenpflicht als letztes in Betracht kommen”, betonte Weil „NDR Niedersachsen”.

Maskenpflicht noch verhältnismäßig?

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) rief die Länder auf zu klären, ob und wo eine Maskenpflicht noch verhältnismäßig sei. Besonders für Schüler, die Masken stundenlang im Unterricht tragen müssen, sei dies eine Belastung, hatte sie der „Bild am Sonntag” gesagt.

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Lehrerverband gegen Ende der Maskenpflicht an Schulen

Der Deutsche Lehrerverband ist gegen eine schnelle Aufhebung der Maskenpflicht an den Schulen. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger sagte am Montag in Berlin, er rate insbesondere während des Unterrichts zu „größtmöglicher Vorsicht”. „Das Virus ist ja noch nicht von der Bildfläche verschwunden.” Maskenpflicht und auch regelmäßige Tests sollten im auslaufenden Schuljahr bleiben.

Meidinger sagte, alle freuten sich sehr über die fallenden Inzidenzen und die Rückkehr zum Präsenzunterricht. Es gebe aber noch immer erhöhte Infektionszahlen in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen, die bisher kaum geimpft seien. „Auch rund 50 Prozent aller Lehrkräfte verfügen noch nicht über einen vollständigen Impfschutz.” Zudem sei die Gefahr einer vierten Welle wegen der zunächst in Indien entdeckten Delta-Variante des Virus auch für Deutschland nicht völlig auszuschließen.

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„Es ist zwar richtig, dass Masken eine Belastung für die Betroffenen sind, sowohl für Lehrkräfte als auch für Schüler, aber in der Gesamtabwägung warnen wir vor einer vorschnellen Abschaffung”, sagte der Präsident des Lehrerverbands.

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Corona-Infektionszahlen stark gesunken

Die Corona-Infektionszahlen sind in den vergangenen Wochen stark gesunken. Zugleich sind immer mehr Menschen in Deutschland gegen das Virus geimpft. Mehr als 40 Millionen Menschen haben mindestens eine Impfung erhalten, das Land nähert sich damit der 50-Prozent-Marke. Den vollständigen Impfschutz haben mehr als 21 Millionen Bürger, mehr als jeder Vierte. Zwei Drittel der Impfungen wurden laut Robert Koch-Institut in Impfzentren verabreicht, ein Drittel in Arztpraxen.

Wie geht es mit den Impfzentren weiter

Wie es mit den Impfzentren weitergehen soll, wollen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Mittwoch beraten. Der Deutsche Städtetag will sie längerfristig offen halten, der Hausärzteverband zweifelt daran und verweist auf deutlich höhere Kosten der Zentren.

„Impfzentren sind sehr teuer”, sagte auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, der „Augsburger Allgemeinen”. Sie seien geschaffen worden, um die Hausärzte von der Bürokratie – etwa der Priorisierung – zu entlasten und eine gerechte Verteilung des knappen Impfstoffs zu gewährleisten. Wenn es genug Impfstoff gebe und die Bürokratie wegfalle, könnten in den meisten Regionen die niedergelassenen Haus- und Fachärzte die Impfungen „hervorragend übernehmen”. Alles stehe und falle mit ausreichenden Impfstoffmengen.

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Ähnlich sieht das die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus. Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass die Ärzte mehr und zuverlässig Impfmittel erhalten. „Dann können die Impfzentren demnächst auch auslaufen”, sagte sie der „Augsburger Allgemeinen”.

Eventuelle Nachimpfungen im Herbst

Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach entgegnete in derselben Zeitung, Deutschland könne sehr schnell wieder auf die Einrichtungen angewiesen sein. Impfzentren seien auch eine Anlaufstelle für alle, die keinen Hausarzt haben und könnten eine wichtige Säule für eventuelle Nachimpfungen im Herbst sein.

Dieses Argument führte auch der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz und bayerische Ressortchef Klaus Holetschek (CSU) ins Feld. „Ich denke, die Impfzentren sollten auf jeden Fall bis Ende des Jahres beibehalten werden”, sagte der CSU-Politiker.

Hinweis der Redaktion: Dieser Text ist eine Zusammenfassung aus mehreren Stücken der Deutschen Presseagentur zu diesem Thema.

 

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Kommentare (3)

Was für eine selten dämliche Zunft....Lehrerverband will also die Kindesmißhandlung weiter betreiben.

Dass hier und da man verunsichert bleibt, ist Folge der öffentlichen und politischen Panikmache seit Frühjahr 2020. Die Aufklärung über Viren bzw. das kollektive Wissen von Atemwegs-Viren seit vielen Jahrzehnten muss erst wieder aufgefrischt bzw. mühsam aus dem Nirvana geholt werden (eigentlich ist die moderne Gesellschaft hochgradig senil geworden, weil das Kurzzeitgedächtnis innerhalb eines Jahres abhanden gekommen). Kommende kühle Jahreszeiten werden zeigen, dass die Maskenpflicht wegen meldungspflichtigem Corona-Virus erhalten bleibt (Inzidenz steigt natürlicherweise), mit und ohne Impfung. Der Corona-Wahnsinn findet erst ein Ende, wenn Corona-Viren aus IfSG §6 verschwinden. Und das ist vor 2025 nicht zu erwarten.

„Mein Held“: Plötzlich postet Til Schweiger ein Foto mit fragwürdigem Corona-Autor

https://www.focus.de/kultur/stars/schauspieler-erntet-kritik-til-schweiger-nennt-umstrittenen-corona-leugner-seinen-helden_id_13394430.html

https://www.morgenpost.de/vermischtes/article232527485/til-schweiger-boris-reitschuster-querdenken-instagram.html

Twitter und Instagram: Til Schweiger sorgt für Corona-Wirbel

Der Schauspieler bezeichnet den Berliner Autoren Reitschuster als „meinen Helden“. Jan Böhmermann ist nicht begeistert. Auf Twitter wird heftig diskutiert.

https://www.berliner-zeitung.de/news/wirbel-auf-instagram-til-schweiger-posiert-mit-blogger-boris-reitschuster-li.165106

usw. usw.

T. Schweiger lebt in den USA. Dort sehen die Nachrichten schon anders aus.