NACH AMTHOR-SKANDAL

Michael Sack (CDU) solls richten in MV

Für die CDU waren es zwei Wochen zwischen Euphorie und Katastrophe. Erst ein Umfrage-Hoch – dann hat Philipp Amthor der ohnehin lahmenden Partei ein Bein gestellt. In MV soll die Sache jetzt Landrat Michael Sack richten.
Als langjähriger Kreistagspräsident musste Michael Sack gelegentlich zur Ordnung rufen. Erfahrung, die er als CDU-Ch
Als langjähriger Kreistagspräsident musste Michael Sack gelegentlich zur Ordnung rufen. Erfahrung, die er als CDU-Chef wohl brauchen wird. Gabriel Kords
Selbst ein Spitzenamt in Mecklenburg-Vorpommern wäre ihm wohl zu wenig gewesen: Philipp Amthor.
Selbst ein Spitzenamt in Mecklenburg-Vorpommern wäre ihm wohl zu wenig gewesen: Philipp Amthor. Jens Büttner
Güstrow.

Der Kronprinz ist tot, es lebe... ja, wer eigentlich? Mit Michael Sack hat die CDU einen Ersatz-Vorsitzenden gefunden, der statt Philipp Amthor die Partei führen soll. Nur dürften sich die meisten Menschen im Land fragen, wer dieser Mann ist, der scheinbar aus Amthors Schatten getreten ist. Sack, 46 Jahre alt, wohnhaft in der Kleinstadt Loitz, seit Oktober 2018 Landrat im Kreis Vorpommern-Greifswald trat auf Landesebene bislang kaum in Erscheinung. Das aber sagt für einen CDU-Politiker nicht viel aus. Denn genau das ist ein Kernproblem der Landes-CDU – nicht erst seit Amthors Ärger und seiner öffentlichen Schweigsamkeit zu Nebentätigkeiten, teuren Reisen und Aktienoptionen eines undurchsichtigen Unternehmens.

Caffier und Glawe als Platzhalter der CDU MV

Dass Amthor so schnell nach oben schoss, dass nun Michael Sack für viele aus dem Nichts zu kommen scheint, hat auch damit zu tun, dass sich die Partei über Jahre mit ihrer eigenen Personalpolitik schwertat. Die CDU hat – abseits ihrer drei Ministerposten – keine profilierten Akteure auf Landesebene, erst recht keine, die auch außerhalb der Filterblase Politik auf Stimmenfang gehen könnten. Und auch kommunale Spitzenpolitiker sind Mangelware. Zwei der sechs Landräte stellt die CDU. In den zwanzig größten Städten des Landes sind es gerade noch drei Bürgermeister.

Der wohl bekannteste CDU-Politiker im Land, Innenminister Lorenz Caffier, hatte schon vor der vergangenen Wahl 2017 erklärt, er sähe gerne einen anderen Spitzenkandidaten. Den Gefallen tat ihm die Partei nicht. Caffier musste noch mal den Kopf hinhalten, ging krachend unter und blieb dennoch Minister. Ihn und Wirtschaftsminister Harry Glawe sahen viele seitdem als Platzhalter. Sie sollten die neue Regierung bilden, ans Laufen bringen, dann werde man sie durch neue Köpfe ersetzen, die sich bis zur Wahl 2021 profilieren können. Das glaubten viele, nur geschah es nie.

Dass Amthor der Kandidat war, zeigt das Problem

Glawe ist mit seinen polternden, selbstgerechten Auftritten längst zu einer Mischung aus Gespött und Maskottchen in Schwerin geworden. Caffier scheint manchmal nur darauf zu warten, dass er seinen Sessel im Kabinett räumen kann – wenn ihn denn endlich einer seiner Parteifreunde einfordern würde. Und Justizministerin Katy Hoffmeister galt von Anfang an als unauffällige Kompromisslösung in einem innerparteilichen Streit.

Für das Zaudern und Zögern stand nicht zuletzt der Ex-Vorsitzende Vincent Kokert, jahrelang Kronprinz der Partei, der den letzten Schritt, nach der Macht zu greifen, immer wieder verweigerte und Anfang 2020 die Politik ganz aufgab. Dass Amthor – mit seinen 27 Jahren und ohne landespolitische Verdienste – der einzige namhafte Kandidat für den Landesvorsitz war, zeigte schon da das Problem der Partei. Eine ganze Politiker-Generation wäre übersprungen worden.

Sack galt vorher schon als möglicher Spitzenkandidat für 2021

Nun soll es also Landrat Michael Sack richten. So überraschend ist das nicht. Sack galt schon in den vergangenen Monaten als möglicher Spitzenkandidat für 2021. Denn anders als Journalisten im fernen Berlin und Hamburg es orakelten, war längst nicht sicher, dass Amthor diese Aufgabe übernehmen würde. Tatsächlich sprach wenig dafür. Ob ein altkluger Amthor gegen die amtierende Ministerpräsidentin in öffentlichen Auseinandersetzungen gut ausgesehen hätte, darf man bezweifeln.

Dagegen gab es klare Hinweise darauf, dass selbst ein Spitzenamt im kleinen Mecklenburg-Vorpommern unter Amthors eigenen Ansprüchen liegt. Und in der Partei gab es dann – bei aller Amthor-Verzückung – auch einige die glaubten, seine Jugend und seine Unerfahrenheit seien ein Risiko für die Partei. Eine These, die sich nun bestätigt hat. Wenn Amthor kneift, wäre Sack ein aussichtsreicher Kandidat gewesen. Also auch kein Wunder, dass der bereits einen Tag nach seiner Nominierung zum Landesvorsitzenden auch erste Ansprüche auf die Spitzenkandidatur anmeldete.

Ersatzmann Sack: Leutselig und bodenständig

Michael Sack gilt als Vertrauter Amthors. Dabei gibt es durchaus Unterschiede. Sack blickt auf jahrelange politische Erfahrung. Als Wahlkämpfer, als Bürgermeister, als Kreistagspräsident, nun als Landrat. Anders als Amthor mit seinem eigenwilligen Auftreten, haftet Sack tatsächlich der Ruf an, bodenständig zu sein. Einer von hier, Familienvater, vermittelnd, strebsam, vielleicht mit einem politischen Interesse an Schwerin, aber wohl kaum für Luxus-Reisen nach Sankt Moritz oder New York.

Anders als Amthor, der sich als akademischer Experte für Verfassungsrecht und als Innenpolitiker auf höchsten Ebenen inszenierte, steht Sack für eine andere Rhetorik. Für Leutseligkeit und bodenständige Werte. Für einen permanenten Optimismus als Landrat einer Region, die in vielen Statistiken zu Lebensqualität und wirtschaftlicher Entwicklung auf den hinteren Rängen liegt.

Sympathisch, umgänglich, vermittelnd – selbst Gegner beschrieben ihn jahrelang so. Das war schon fast ein bisschen zu nett, zu langweilig und bieder. Seit dem Landratswahlkampf in Vorpommern-Greifswald 2018 hat Sack aber auch gezeigt, dass er in der Sache und mit politischen Gegnern durchaus hart sein kann. „Man muss eben alle Rollen beherrschen“, sagte er damals. Nun kommt eine neue auf ihn zu. Keine leichte. Sack muss bis zur Wahl im ganzen Land bekannt werden – egal, ob als Spitzenkandidat oder nur als Parteivorsitzender. Und er muss der CDU neue Hoffnung geben, in dem er die Partei in kurzer Zeit neu aufbaut.

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