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Migrationsbeauftragte macht Flüchtlingsmädchen Hoffnung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) diskutiert in der Paul-Friedrich-Scheel-Schule in Rostock mit den Schülern, darunter auch die Palästinenserin Reem (2. v. r.).
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) diskutiert in der Paul-Friedrich-Scheel-Schule in Rostock mit den Schülern, darunter auch die Palästinenserin Reem (2. v. r.).
Bernd Wüstneck

Die 14-jährige Schülerin Reem hat Merkel am Mittwoch mit den Auswirkungen der Flüchtlingspolitik konfrontiert. Das Mädchen lebt seit vier Jahren in Deutschland, ist aber von der Abschiebung bedroht. Doch das könnte sich nun ändern.

Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, sieht gute Chancen, dass das palästinensische Mädchen Reem nach dem hochemotionalen "Bürgerdialog" mit Kanzlerin Angela Merkel nicht abgeschoben wird und in Deutschland bleiben darf. "Ich kenne natürlich nicht die persönlichen Umstände des Mädchens, aber sie spricht perfekt Deutsch und lebt offenbar schon länger hier. Genau für diese Lebenslagen haben wir gerade das Gesetz geändert, damit hier integrierte Jugendliche eine Perspektive bei uns bekommen", sagte die SPD-Politikerin zu "Spiegel Online".

Die 14-jährige Schülerin hatte am Mittwoch in Rostock bei einer Veranstaltung in der von der Regierung gestarteten Gesprächsreihe "Gut leben in Deutschland" über die Belastungen während eines Asylverfahrens berichtet. Merkel äußerte Verständnis, verwies aber auf die deutschen Gesetze, die für alle Flüchtlinge gälten. Sie machte deutlich, dass Deutschland nicht alle Menschen aufnehmen könne, die sich hier ein besseres Leben erhofften. Daraufhin brach Reem in Tränen aus. Merkel versuchte, das Mädchen zu trösten.

Ein Rostocker Stadtsprecher sagte, jegliche Entscheidung über Asyl liegt beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg. Eine Reform des Aufenthaltsgesetzes hatte vor einer Woche den Bundesrat passiert: Ausländer, die bislang nur geduldet sind, dürfen in Zukunft längerfristig in Deutschland bleiben, wenn sie schon seit einigen Jahren hier leben (grundsätzlich acht Jahre, Menschen mit minderjährigem Kind sechs Jahre), die Sprache gut beherrschen und ihren Lebensunterhalt selbst sichern können. Das Gesetz muss noch von Bundespräsident Joachim Gauck unterschrieben werden.

Hat sich Angela Merkel als Eiskönigin präsentiert?

Ja, gut Leben sieht anders aus, denkt Volontärin
Maria Hantschmann:

Wenn Angela Merkel versucht menschlich zu wirken, geht das meistens in die Hose. Woran genau das liegt? Man weiß es nicht. Aber jedes Mal, wenn die Mutter der Nation versucht, nicht wie ein Regierungsroboter zu wirken, scheitert sie auf ganzer Linie. Die kleine Reem erzählt, dass sie traurig ist. Andere können ihr Leben genießen, aber sie und ihre Familie werden vermutlich wieder abgeschoben. Und Merkel? Antwortet leichthin: Ich verstehe das. Und man möchte aufstehen und den Bildschirm anschreien: Nein, tust du nicht! Woher auch? „Ich verstehe das“ ist der ungünstigste, der falscheste Satz, den sie hätte sagen können. Er soll Mitleid und Verständnis symbolisieren, wo sie gar keins aufbringen kann.
Aber es geht weiter. „In den palästinensischen Flüchtlingslagern gibt es noch Tausende andere.“ Übersetzt heißt das so viel wie: Tja, dir geht es schlecht. Aber anderen auch. Das ist jetzt erstmal dein Pech. Das Boot ist voll, alle können wir auch nicht aufnehmen.
Es gehört schon einiges an Kaltschnäuzigkeit dazu, das einem jungen Menschen ins Gesicht zu sagen. Denn sie sagt eigentlich nichts anderes, als dass Reem und ihre Familie zu Recht rausgeschmissen werden. Das hast du prima gemacht, Reem, aber wir schieben dich trotzdem ab. Der Höhepunkt an zwischenmenschlicher Unfähigkeit kommt zum Schluss. Reem bricht in Tränen aus und Merkel fehlen die Worte. Und dann streichelt sie ihr über den Kopf. Das ist, als würde man eine Katze nochmal schnell kraulen, bevor man sie ins Tierheim gibt. Weil sie teuer ist und Probleme macht.

Nein, bitte nicht hyperventilieren, findet Nachrichtenchef
Marcel Auermann:

Wer sich jetzt entrüstet zeigt, scheint bislang die ganze Problematik der Flüchtlingspolitik nicht begriffen, die Augen vor der Realität verschlossen und nicht bemerkt zu haben, dass es sich hier um Schicksale, um menschliche Dramen handelt. Nichtsdestotrotz kann Politik keine Einzelfallentscheidungen treffen. Hätte Angela Merkel in Rostock nur eine einzige Ausnahme gemacht und Reem mit den Worten „Aber klar doch, Du darfst bleiben“ in den Arm genommen, sie hätte eine Welle losgetreten, die sie nicht mehr auffangen hätte können. Jeder einzelne Asylbewerber hätte exakt die gleiche Kulanz gefordert. Und zwar zurecht.
Doch das geht nicht. Also präsentierte sich die Kanzlerin keinesfalls als Frau Eiskalt oder als Frau Herzlos. Oh nein, vielmehr war sie grundehrlich, zeigte die – wenn auch harte – politische Linie der Bundesrepublik auf. Sie zeichnete kein Bild einer Welt, die so nicht existiert. Manch anderer Politiker hätte das Aufeinandertreffen von Wunsch und Wirklichkeit umschifft, schmierige, ölige, leider unwahre Wortstanzen verwendet, um eben dieser nun aufkeimenden Diskussion aus dem Weg zu gehen – wohl wissend, dass das reale politische Handeln ein grundlegend anderes ist.
Was ist Merkel vorzuwerfen? Nichts, rein gar nichts. Denn die oft als knallhart und berechnend charakterisierte Frau stand auf, streichelte das Mädchen, tröstete es. Sie zeigte für ihre Verhältnisse große Emotionen.
Wieso also die ganze Aufregung? Nur, damit wir unseren Beitrag zur Flüchtlingsdebatte geleistet haben und uns besser fühlen? Welch Heuchelei!

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Kommentare (2)

Wie bereits bekannt,sollte die Familie abgeschoben werden. Was sollte Frau Merkel anderes machen ? Hätte sie der Familie eine Zusage gegeben,wären alle Dämme gebrochen. So wie ich es verstanden habe,wollte das Mädchen noch ihre Verwandten nachholen . In 100-150 Jahren,sind wir deutschen eine Minderheit im eigenem Land und werden von den Muslimen verfolgt und außer Landes gejagt. Wer hilft dann uns ?

Hallo Herr Schubert, ihr vorletzter Satz ist islamophob und eine reißerische fremdenfeindliche Prognose der Zukunft. Sie schüren damit unbegründete Ängste. Sie versuchen außerdem den zukünftigen "Deutschen" eine Opferrolle zuzuweisen und gegen heutige Flüchtlinge auszuspielen. Es schüttelt den Kopf, Oliver Wunder, Nordkurier-Redaktion