Ron Schilling und seine Kollegen gehen in Templin auf Tour.
Ron Schilling und seine Kollegen gehen in Templin auf Tour. Jörg Spreemann
Bernd Rademann ist Chef der Nordkurier-Logistik, die mit rund 1000 Beschäftigten an sechs Tagen in der Woche auf Achse is
Bernd Rademann ist Chef der Nordkurier-Logistik, die mit rund 1000 Beschäftigten an sechs Tagen in der Woche auf Achse ist. Jörg Spreemann
Nordkurier Logistik

Mit Zeitung, Brief und Paket bis an jede Haustür

Der Nordosten Deutschlands, wo der Nordkurier zu Hause ist, erfordert eine komplexe Logistik. Damit die Zusteller überall hinkommen können, haben sie nicht nur Zeitungen an Bord.
Neubrandenburg

Bevor Ron Schilling seine Brief- und Pakettour durch Templin startet, baut er in Gedanken schon den Tourenplan zusammen. „Es geht darum, unnötige Umwege zu vermeiden und so Zeit und Kilometer zu sparen“, sagt er. Vier Touren gibt es durch die uckermärkische Kleinstadt, Schilling kennt sie alle. Neben seinem Job als Depotleiter der Nordkurier Logistik in Templin springt er immer dann ein, wenn wegen Krankheit oder Urlaub der Stammzusteller fehlt.

Vollzeit-Job als Zusteller ist gut mit der Familie vereinbar

„Die richtige Reihenfolge zu finden, war anfangs schon eine Herausforderung. Ich habe aber gestaunt, wie schnell das dann im Kopf war“, sagt der 31-Jährige. Dabei habe ihm der Heimvorteil geholfen, denn seit einigen Jahren wohnt der gebürtige Uckermärker in Templin. Seit sechs Jahren arbeitet Schilling bei der Nordkurier-Logistik. Zuvor war er Straßenbauer. „Das hieß, immer viel unterwegs zu sein“, erläutert er.

Nach der Geburt seiner Tochter wollte er aber mehr Zeit für die Familie haben. Bei der Jobsuche stieß er auf die Nordkurier-Logistik. Die ersten zwei Jahre hat er nachts den Uckermark  Kurier zugestellt, bei Wind und Wetter. „Da sind schon mal mehr als 100 Kilometer zusammengekommen“, berichtet er. Auch Dörfer, die kaum jemand kenne, habe er angesteuert, wenn dort Abonnenten wohnen. „Da bin ich zeitlich gut zurechtgekommen, weil ich nach der Tour dann tagsüber Zeit für meine Familie hatte“, berichtet er.

Eigentlich wollte er diesen Job nur vorübergehend ausüben, doch dann ist er hängen geblieben. Das ging finanziell auch deshalb, weil Zusteller inzwischen in Vollzeit arbeiten. Schilling stieg um ins Brief- und Paketgeschäft mit einer festen Arbeitszeit tagsüber. „Damit lassen sich Familie und Beruf ebenfalls unter einen Hut bringen.“ Jetzt beginnt sein Alltag spätestens um 8 Uhr, wenn die Touren zusammengestellt werden.

Der Nordkurier liefert auch Hermes-Pakete aus

Die Pakete und Briefe, die über die Nordkurier-Logistik aufgegeben wurden, kommen schon nachts mit der Zeitung aus Neubrandenburg in die Zustellbasis am Templiner Stadtrand. Am frühen Vormittag folgen aus Oranienburg die Pakete, die im Auftrag von Hermes verteilt werden. „Das wird vor allem vor Weihnachten spannend, wenn wir pro Tour bis zu 80 Pakete zustellen“, berichtet Schilling. Dann kommen durchaus auch größere Gewichte auf den Zusteller zu. „Wenn man an die 30 Kilogramm Hunde- oder Katzenstreu in die dritte oder vierte Etage getragen hat, kommt man schon mal ins Schwitzen“, so Schilling.

Wie sich die Zeiten geändert haben: In der DDR hatte die Deutsche Post die alleinige Befugnis, Presseerzeugnisse wie die Freie Erde zuzustellen und die Kioske zu beliefern. Das änderte sich mit der Wende: Fast über Nacht mussten die Verlage die Zustellung ihrer Druckerzeugnisse an Abonnenten in eigene Regie übernehmen. Zeitungen, die in Geschäften verkauft werden, werden über Presse-Grossisten, das sind spezialisierte Großhändler, vertrieben.

Abstand zwischen Abonnenten nirgends so groß wie hier

„Nirgendwo in Deutschland dürfte der Abstand von einem Abonnenten zum nächsten so groß sein wie bei uns“, fasst Bernd Rademann, Chef der Nordkurier-Logistik, die prägende Besonderheit der Region im Osten Mecklenburg-Vorpommerns und in der Uckermark zusammen. Viele kleine Städte, Dörfer, Ausbauten, Gehöfte: Rund 1000 Zusteller und 480 Fahrzeuge sind an sechs Tagen in der Woche unterwegs. „Wir sind die, die noch an jede Milchkanne fahren“, sagt Rademann. Rund 60 000 Zeitungen, 120 000 Briefe und 6500 Pakete werden täglich in Haushalte, Firmen und Behörden gebracht.

Bernd Rademann ist Chef der Nordkurier-Logistik, die mit rund 1000 Beschäftigten an sechs Tagen in der Woche auf Achse is
Bernd Rademann ist Geschäftsführer der Nordkurier Logistik

Der Zusteller mit der längsten Fahrstrecke ist in der Müritzregion unterwegs: 146 Kilometer stehen nach jeder Tour zusätzlich auf dem Tacho. Angesichts der Aufgabenfülle sei das einstige Bild des Zustellers, der frühmorgens im Nebenverdienst Zeitungen in die Briefkästen steckt, überholt. „Das würde sich in unserem riesigen Gebiet nicht mehr rechnen, wenn wir nach wie vor überall hingelangen wollen“, stellt Rademann klar. Mit den Jahren sind zu Tages- und Anzeigenzeitung die Briefe und Pakete dazugekommen. Das Fahrrad der Zusteller sei ersetzt worden durch Lieferfahrzeuge, damit genug Transportraum zur Verfügung steht.

Auch Lebensmittel werden an die Haustür geliefert

Wie Ron Schilling in Templin arbeiten die Zusteller der Nordkurier-Logistik inzwischen mit 32 bis 40 Stunden in der Woche. „Das ist längst noch nicht überall in Deutschland so üblich“, vergleicht Rademann. Doch trotz des Angebots eines Vollzeitjobs plagen auch ihn Besetzungsprobleme. „Es ist eine unserer größten Herausforderungen, geeignete Zusteller zu finden.“

„Um unser Niveau halten zu können, müssen wir möglichst viel zustellen“, beschreibt Rademann das Ziel. Bei den Paketen sei die Tendenz steigend, sagt er. So würden inzwischen in Teilen der Region zu den eigenen auch Hermes-Pakete an die Kunden geliefert, dazu kommen Lebensmittelpakete der Handelskette Famila. Über das Nordkurier-Gebiet hinaus bietet die Logistik ihre Dienstleistungen mit Brief und Paket in ganz Vorpommern an.

Ungeachtet dessen habe die Zustellung ihren Preis, so Rademann. So bekämen es Abonnenten, Brief- und Paketkunden zu spüren, wenn der Mindestlohn demnächst auf 12 Euro je Stunde steige. In Zukunft gehe es darum, weitere Aufgaben als eine Art Versorger auf dem Land zu übernehmen. Und auch der Abschied vom Diesel steht auf dem Programm. „Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir die ersten Elektrofahrzeuge einsetzen können.“

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