CORONAVIRUS

Müssen viele Airlines für immer am Boden bleiben?

Fluggesellschaften kämpfen ums Überleben. Über die aktuelle Krise sprach Nordkurier-Reporter Andreas Becker mit Robert Spürk, Vizepräsident der Vereinigung Cockpit, dem Berufsverband der Piloten.
Fluggesellschaften kämpfen in der Corona-Krise ums Überleben. (Symbolfoto)
Fluggesellschaften kämpfen in der Corona-Krise ums Überleben. (Symbolfoto) Daniel Reinhardt
„Flotten fast komplett geparkt“: Flugkapitän Robert Spürk.
„Flotten fast komplett geparkt“: Flugkapitän Robert Spürk. Cockpit
Neubrandenburg.

Welche Flugzeuge sind derzeit eigentlich noch in der Luft und dürfen fliegen? Beziehungsweise wie viel Prozent der Flugzeuge stehen aktuell am Boden?

Das ist von Land zu Land und von Airline zu Airline sehr unterschiedlich. Einige Länder haben den zivilen Luftverkehr völlig gestoppt, andere nur den internationalen. Manche Airline parkt derzeit 100 Prozent ihrer Flotte, andere wie Lufthansa und Eurowings fliegen noch einen sehr geringen Anteil ihres Programms. Das liegt in der Größenordnung von 5 bis 10 Prozent.

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Für die Flugzeuge, die noch im Dienst sind, gelten dafür jetzt besondere Sicherheitsvorkehrungen hinsichtlich des Coronavirus?

Grundsätzlich haben alle Airlines, die noch fliegen, Maßnahmen ergriffen, um ihre Gäste und ihr Personal zu schützen. Beispielsweise werden, wo möglich, Gäste nicht mehr direkt nebeneinander gesetzt, es bleiben also zusätzlich Plätze frei. Auch Desinfektionsmaßnahmen finden statt, wobei man hier unterscheiden muss, dass natürlich nicht für jeden Flug und jedes Zielgebiet die gleichen Vorschriften und Möglichkeiten bestehen. Die Behörden und Airlines sind aber diesbezüglich aktiv.

Hat man als Pilot Angst sich anzustecken, wenn man mit Hunderten von Passagieren auf engstem Raum zusammensitzt?

Zunächst einmal sitzen ja gerade die Piloten nicht mit den Passagieren auf engstem Raum zusammen. Die Flugbegleiter sind schon sehr viel näher an den Gästen. Aber auch hier gilt: De Airlines sorgen mit einer Reihe von Maßnahmen dafür, dass ein Maximum an Sicherheit hergestellt wird.

Was bedeutet die Coronakrise für die Luftfahrtbranche? Werden ganze Fluggesellschaften diese Krise wirtschaftlich nicht überleben?

In der derzeitigen Situation bekommen viele Airlines überhaupt keine Einnahmen aus Ticketverkäufen mehr herein. Die Ausgaben für laufende Kosten übersteigen sicher bei jeder deutschen Airline die Einnahmen bei weitem. Das gilt wohl nahezu auch weltweit. Inwieweit staatliche Unterstützung wie beispielsweise Kreditzusagen funktionieren, hängt zum einen an der Machbarkeit. Das Geld muss also auch schnell bei den Unternehmen ankommen. Zum anderen löst die kurzfristige Liquidität nicht das Problem, die Umsatzausfälle langfristig wieder erwirtschaften zu müssen. Insofern muss man wohl davon ausgehen, dass bei der derzeitigen Sachlage eine Vielzahl an Airlines ernsthaft gefährdet sein dürfte. Der Staat wird entscheiden müssen, ob er mit weiteren Maßnahmen die Mitarbeiter und Unternehmer in diesem besonders stark betroffenen Wirtschaftszweig das Überleben ermöglichen will und kann.

Was machen die Piloten jetzt, wenn sie nicht fliegen können? Greift bei Piloten die Kurzarbeitergeldregelung?

Für alle Arbeitnehmer in Deutschland kann Kurzarbeitergeld Anwendung finden. Dafür bedarf es einer tariflichen, andernfalls betrieblichen Regelung. Mangels jeder Vertretung können auch individuelle Verträge hierzu dienen. Die Art und Weise, wie Unternehmen hiervon Gebrauch machen, unterscheidet sich sehr stark. So gibt es Arbeitgeber, die das Kurzarbeitergeld auch über die 60 Prozent beziehungsweise 67 Prozent hinaus aufstocken, was ja im übrigen politisch erwünscht und gefördert ist, andere können oder wollen ihre Angestellten in dieser Zeit nicht weiter unterstützen.

Grundsätzlich zur Luftfahrt: Durch die Boeing-Krise mit der Max 737 ist einer der größten Flugzeugbauer der Welt mächtig ins Trudeln gekommen. Hat das Auswirkungen auf die gesamte Branche? Welches Gefühl hat ein Pilot, wenn er grundsätzlich im Cockpit einer Boeing-Maschine sitzt?

Die Branche war lange Zeit durch das Gleichgewicht der zwei Herstellergiganten Airbus und Boeing geprägt. Ob die Krise bei Boeing nun durch die Folgen der Covid-19-Krise verstärkt wird und das Unternehmen zu weitreichenden Veränderungen zwingen wird, ist heute kaum abzuschätzen. Zumindest an der geplanten Übernahme des brasilianischen Herstellers Embraer will Boeing laut Medienberichten festhalten. Piloten haben in Boeing Flugzeugen sicher kein besseres oder schlechteres Gefühl, als in anderen. Die Kollegen sind auf den Mustern, die zugelassen sind und fliegen, sehr gut ausgebildet und auf alle Eventualitäten vorbereitet.

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