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Müssen wir bald alle vegetarisch essen?

Sojaschnitzel und Ofenkartoffel statt Schweinefleisch mit Pommes: Die Grünen wollen einen Veggie Day in deutschen Kantinen.
Uwe Anspach (dpa)

Die Grünen wollen nach der Bundestagswahl einen sogenannten "Veggie Day" in Kantinen einführen. Die Regierung hält dagegen: Fleisch gehöre zum Essen dazu.

Steak, Schnitzel, Kotelett, Hähnchenkeule, Bratwurst – die Deutschen essen gerne Fleisch, Studien zufolge sogar mehr als offiziell empfohlen. Gerade ist die Grillsaison in vollem Gange, da sorgen die Grünen mit der Forderung nach einem fleischfreien Tag in Deutschlands Kantinen für helle Aufregung.

Ein „Veggie-Day“ pro Woche? Gemüse-Burger statt Fleisch für alle? Es sei gut vorstellbar, dass es jeden Donnerstag nur vegetarische Gerichte gebe, erklärte Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. „Ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns mal ohne Fleisch und Wurst ernähren“, schwärmte Fraktionschefin Renate Künast. „Vegetarisch kochen ist nämlich mehr als nur das Fleisch weglassen“, so für die frühere Bundeslandwirtschaftsministerin. Zustimmung für den Grünen-Vorstoß kam von der SPD und Umweltverbänden. Ablehnung und scharfe Kritik dagegen von Union, FDP, dem Deutschen Bauernverband und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

„Ich lass mir meine Bratwurst nicht verbieten“

Tatsächlich wollen die Grünen den „Veggie-Day“, der als Forderung bereits im längst beschlossenen Wahlprogramm zu finden ist, keinesfalls staatlich verordnen. Im Internet sorgte der Grünen-Vorstoß für eine Welle der Empörung. „Ich lass mir meine Bratwurst nicht verderben“, schimpfte ein Fleisch-Freund bei Twitter. „Absurder Quark“, ergänzte ein anderer. „Wir sind gegen jede Form der Bevormundung. Verbote wären das absolut falsche Signal“, erklärte NGG-Chef Franz-Josef Möllenberg im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. Aktuell ernährt sich rund neun Prozent der Bevölkerung vegetarisch. Für etwa die Hälfte der Deutschen gehört täglich ein Stück Fleisch oder Wurst dazu.

Krankenkassen warnen dagegen vor übermäßigem Fleischverzehr. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert ein Umdenken der Verbraucher. „Wir sollten in den Kantinen gesündere Kost anbieten und den Fleischkonsum verringern“, so der Gesundheitsexperte im Kompetenzteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. „In der Kantine meines Ministeriums wird täglich mindestens ein vegetarisches Gericht angeboten.“ „Mein Ziel ist der mündige Verbraucher, der selbst entscheidet, was er für richtig hält“, erklärte Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Wir brauchen Vorbilder und nicht immer neue Vorschriften.“

Fleisch oder nicht? Freiwilliger Verzicht oder staatliche Regeln? Fast schon ein Kulturkampf mitten im Parteienstreit vor der Bundestagswahl.