DIGITALISIERUNG

Nach 30 Jahren sind die Computer immer noch nicht da

Die Schulen sollen irgendwie digitaler werden, heißt es immer wieder, gerade in der Corona-Krise. Dabei wird schon seit mehr als 30 Jahren darüber diskutiert, wie moderne Technik im Unterricht weiter helfen kann. Fast sieht es so aus, als ob sich seit dem nicht viel verändert hat.
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„Alarm in den Schulen: Die Computer kommen” Das titelte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel” bereits 1984. Angekommen sind sie immer noch nicht. DER SPIEGEL
Neuland ·

1984 hatten sich die Schulen in Deutschland auf ein großes Abenteuer vorbereitet. Endlich sollten Computer flächendeckend im Unterricht eingeführt werden, nachdem die wunderlichen Maschinen auch schon andere Bereiche des Lebens erobert hatten. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel” titelte im November 1984 von der „Revolution im Unterricht” die nun anstehe und beschrieb in einem langen Artikel, wie der Computer in absehbarer Zukunft vermutlich zu einem „obligatorischen Lernmittel” (also einem verpflichtendem) werden soll. So sahen es damals zumindest die befragten Experten und Bildungspolitiker in der Bundesrepublik Deutschland (BRD).

Zur Erinnerung: Deutschland war 1984 noch geteilt, die heutigen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gehörten damals noch zur DDR. Der Spiegel-Artikel, aus dem hier zitiert wird, beschreibt also nur den Zustand im westlichen Teil von Deutschland. Doch auch in der DDR gab es Computer ab Schulen und Informatik-Unterricht.

Computerkunde bald Schulfach für alle

Computerkunde ist schon bald ein Schulfach an jeder Schule, davon schienen damals viele Kultusminister, Experten und Lehrer überzeugt gewesen zu sein. Wie weit der Stand der Digitalisierung inzwischen fortgeschritten ist, könnt ihr ja an euren eigenen Schulen beobachten.

1984 schien es noch an Rechnern und an Lehrern zu mangeln, die damit umgehen können. Unklar schien bei der ganzen Euphorie auch gewesen zu sein, wie die Computer überhaupt eingesetzt werden sollen. „An einigen hundert Schulen hat diese Zukunft schon begonnen: überall dort, wo engagierte und zugleich fachkundige Lehrer seit Jahren Informatikunterricht erteilen”, schrieb der Spiegel damals. Viele Lehrer sollen damals auf eigene Faust damit begonnen haben, ihren Schülern die neue Technik beizubringen. „Ohne Lehrpläne und ohne Fachbücher, ohne amtliche Unterrichtshilfen, ohne irgendwie geregelten Erfahrungsaustausch, ohne größere Fortbildungschancen als die Lehrer alter Fächer”, schrieb der Spiegel.

Auch das ist vielleicht ein Zustand, den ihr heute immer noch kennt. Meistens kommt es darauf an, wie engagiert die Lehrer sind. Sonst stehen Computer an Schulen auch nur herum.

Computer bedienen so wichtig wie Lesen, Schreiben, Rechnen

Alle Schüler sollten damals lernen, wie Computer funktionieren und wie sie sich programmieren lassen. Das forderten Experten. Es müsse schnell gehandelt werden, ansonsten stünde eine „Bildungskrise” an. Drastische Begriffe kursierten damals: Unter Deutschlands Abiturienten könnten sonst die „technischen Analphabeten” überwiegen. Der Direktor eines Gymnasiums in Bonn sagte damals, dass der Umgang mit dem Computer genau so wichtig sein wird, wie das Lesen, Schreiben und Rechnen.

So groß waren die Ziele damals, aber das mit der Umsetzung wirklich klappt, daran gab es Zweifel. So sagte damals ein Informatik-Professor aus Dortmund, dass sich viele Lehrer „beim Umgang mit Rechnern hilfloser anstellen als die Schüler”. Vielleicht kennt ihr das ja heute auch noch: Mit neuer Technik kommen die Jüngeren häufig besser klar.

Reiche Eltern sollen kein Vorteil sein

In dem „Spiegel”-Artikel wurde auch das Thema Chancengleichheit angesprochen. Denn es ist gar nicht so einfach, jedem Schüler einen Computer zu ermöglichen, wenn die Dinger so teuer sind. Wenn der Besitz aber vom Einkommen der Eltern abhängt, dann sind manche Schüler besser gestellt, als andere.

Die selbe Diskussion gab es 2020 auch, als die Schulen im März wegen Corona geschlossen worden sind. Plötzlich hatten die Schüler einen Vorteil, die die besseren Computer zu Hause hatten und Eltern, die ihnen helfen konnten. Auch die Lehrer, die mehr Ahnung von neuer Technik hatten, kamen mit dem Homeschooling besser zurecht.

1984 waren Computer noch klobige Kisten mit riesigen Bildschirmen. Mit der Zeit wurden sie immer kleiner und trotzdem immer leistungsfähiger. Eure Smartphones heute können viel mehr als die allerbesten Geräte, die damals auf dem Markt waren. Doch wie genau man diese Dinger sinnvoll im Unterricht einsetzen kann, darüber wird noch immer gestritten.

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