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Obama will nun doch diplomatische Lösung

Zumindest reden sie wieder miteinander. Die USA und Russland wollen gemeinsam den Konflikt um das syrische Giftgas beilegen. Der Bürgerkrieg ist damit nicht gestoppt - er wird sogar immer grausamer.

Im Konflikt um die Chemiewaffen des Assad-Regimes sucht US-Präsident Barack Obama den Schulterschluss mit Syriens Verbündetem Russland. Er habe seinen Außenminister John Kerry gebeten, mit Moskau einen diplomatischen Weg aus der Krise zu suchen, sagte Obama in der Nacht zum Mittwoch in einer 15-minütigen Rede an die Nation. Ein Treffen der Außenminister beider Länder ist für Donnerstag in Genf geplant. Obama forderte, dass Syrien seine Chemiewaffen aufgebe und letztlich vernichte. Andernfalls drohen die USA weiter mit einem Militärschlag gegen das syrische Regime.

Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow sollen in Genf über die Umsetzung der russischen Vorschläge beraten. In seiner mit Spannung erwarteten Fernsehansprache bezeichnete Obama den Giftgasangriff gegen die syrische Bevölkerung vom 21. August als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Die USA wüssten, dass Assad dafür verantwortlich sei. Klarheit sollen die Ergebnisse der UN-Inspekteure schaffen. Ihr Bericht wird nach Informationen der luxemburgischen Regierung für Montag erwartet.

Eine Beilegung der Chemiewaffenkrise bedeutet allerdings längst nicht das Ende des blutigen Bürgerkriegs mit inzwischen mehr als 100 000 Toten. Er wird nach Erkenntnissen unabhängiger Experten mit immer grausameren Mitteln geführt. Regierungstruppen wie auch Rebellen begingen schwerste Verbrechen an Zivilisten, betonte die vom UN-Menschenrechtsrat berufene Untersuchungskommission für Syrien am Mittwoch bei der Vorlage ihres jüngsten Lageberichts.

 In Hannover wurden am Nachmittag die ersten 107 von insgesamt 5000 syrischen Flüchtlingen erwartet, die nach Deutschland geholt werden. Ihre Maschine startete in der libanesischen Hauptstadt Beirut. An Bord seien 69 Erwachsene und 38 Kinder, sagte eine Sprecherin der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Unter ihnen sind nach Angaben der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR) auch Folteropfer. Für die Syrer geht es anschließend in das Durchgangslager Friedland bei Göttingen, von wo aus sie nach zwei Wochen auf die Bundesländer verteilt werden sollen.