Derzeit kostet in der Region Benzin knapp zehn Cent je Liter mehr als Ende April. Vor einigen Tagen hatte der Abstand zum Vorm
Derzeit kostet in der Region Benzin knapp zehn Cent je Liter mehr als Ende April. Vor einigen Tagen hatte der Abstand zum Vormonat sogar bei bis zu 15 Cent gelegen. Daniel Bockwoldt
Benzin und Diesel

Ölkonzerne – Reibach schon vor dem Tankrabatt?

Ab 1. Juni soll das Tanken deutlich günstiger werden, weil die Energiesteuer zeitweise sinkt. Doch vor dem Stichtag haben die Spritpreise noch mal zugelegt.
Neubrandenburg

Wenige Tage vor dem staatlich verordneten Tankrabatt nähren die Preissprünge an den Zapfsäulen erneut den Verdacht, dass sich die Ölkonzerne über Gebühr bei den Kunden bedienen. Auslöser sind die in den vergangenen vier Wochen erneut angestiegenen Kosten für Benzin und Diesel. Zufall oder auch nicht: In diesem Zeitraum sind die politischen Vorbereitungen auf die ab 1. Juni geltende Senkung der Energiesteuer abgeschlossen worden.

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Derzeit kostet in der Region Benzin knapp zehn Cent je Liter mehr als Ende April. Vor einigen Tagen hatte der Abstand zum Vormonat sogar bei bis zu 15 Cent gelegen. Allerdings ist Diesel inzwischen meist wieder günstiger als Benzin zu haben. Trotzdem bleibt Diesel immer noch um etwa sieben Cent teurer als Ende April. Durch die Steuersenkung können die Preise für Benzin um bis zu 35 Cent und Diesel um bis zu 17 Cent je Liter sinken.

„Wir fordern, dass diese Senkung 1:1 an die Kunden weiter gegeben wird”, sagt Christof Tietgen, Vizesprecher des ADAC Hansa. Aus seiner Sicht haben sich die Ölkonzerne in den vergangenen Monaten ein Polster angelegt. „Seit Ausbruch des Ukrainekrieges haben sich die Benzin- und Dieselpreise vom tatsächlichen Ölpreis entkoppelt”, betont er. Zuvor hatten Experten ausgerechnet, dass höchstens ein Benzinpreis von 1,80 Euro je Liter durch die höheren Ausgaben für Öl angemessen war.

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Der aktuelle Preisanstieg bei Öl könne ein Grund für erneut teureren Kraftstoff sein. „Wir vermuten aber, dass auf dem Weg von der Ölquelle bis zur Zapfsäule irgendjemand ordentlich mitverdient. Mitnahmeeffekte lassen sich nicht ausschließen”, sagt Tietgen. Die Branche sei, was die Preisgestaltung auf den einzelnen Etappen angehe, völlig intransparent.

Der ADAC begrüßt in diesem Zusammenhang, dass das Bundeskartellamt derzeit in einer Sonderuntersuchung prüft, wie die Preise durch Raffinerien und Großhandel gestaltet werden. Auf Nordkurier-Nachfrage teilten die Bonner Wettbewerbshüter mit, dass noch keine Ergebnisse der Untersuchung vorliegen, die Anfang April gestartet worden war.

„Wir verstehen, dass gerade jetzt bei den Tankstellenpreisen sehr genau hingeschaut wird”, sagt Alexander von Gersdorff, Sprecher des Branchenverbandes Fuels und Energy in Berlin. Derzeit gebe es jedoch einen globalen Benzinpreisanstieg, der von den USA ausgehe. Dort habe bei niedrigen Beständen in Raffinerien und Tanklagern die Sommerfahrsaison begonnen.

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In einem stimmen ADAC und Branchenverband überein: Nicht an jeder Tankstelle wird am 1. Juni der vergünstigte Sprit tatsächlich sofort zu haben sein. Der Hintergrund: Die Energiesteuer wird bereits fällig, wenn Benzin und Diesel von der Raffinerie an die Tankstellen geliefert werden. Wenn sich Tankstellen vor dem Stichtag bevorraten, um Engpässe am 1. Juni zu vermeiden, könnte der Kraftstoff noch zum alten Preis verkauft werden.

 

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