GENDER-DEBATTE

Ostbeauftragter kritisiert "übertriebene Sprachpolizei"

Aus Sicht des Ostbeauftragten der Bundesregierung ist die Debatte um eine geschlechtsneutrale Bezeichnung von Personengruppen für Ostdeutsche kaum nachvollziehbar. Auch den Umgang der Westdeutschen mit Fremdenfeindlichkeit findet er problematisch.
Lutz Reuter Lutz Reuter
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Ostbeauftragte Christian Hirte
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Ostbeauftragte Christian Hirte Swen Pförtner
Berlin.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), meint, dass die Bürger der neuen Bundesländer unfair behandelt werden, wenn es um das Thema Ausländerfeindlichkeit geht.

Im Interview mit der Tageszeitung Freie Presse sagte Hirte zwar, der Osten habe „ein massives Problem mit Rechtsextremismus, auch ein größeres als im Westen.” Doch dieses würde in Ost und West unterschiedlich bewertet. So käme niemand auf die Idee zu sagen „alle Baden-Württemberger seien rechtsradikal, selbst wenn es dort Übergriffe und Ausschreitungen gab.” Es sei für manchen Westdeutschen bequemer, „wenn er Ausländerfeindlichkeit geografisch weit von sich weg verorten kann.”

Dass es in den neuen Bundesländern Rechtsextremismus massiver aufkommt, begründet der Ostbeauftragte mit der Geschichte der DDR. Es habe einen „bruchlosen Übergang von einer Diktatur zur nächsten” gegeben, die eigene Verantwortung im Nationalsozialismus sei nicht aufgearbeitet worden und die vom Regime der DDR viel beschworene Völkerfreundschaft habe „nie mit der Wirklichkeit mitgehalten”, da die DDR-Bürger im Alltag „kaum Berührung mit Ausländern” hatten.

Gender-Debatte findet laut Hirte im Osten nicht statt

Die Auswirkungen von 40 Jahren DDR, mit einer anderen Geschichte und Kultur sind aus Hirtes Sicht auch im Sprachgebrauch feststellbar. Als Beispiel für eine "übertriebene Sprachpolizei” im Westen verweist der CDU-Politiker auf die Diskussion um den bei Kritikern als Gender-Wahn verschrienen Einsatz des so genannten Binnen-I.

Der Buchstabe I wird innerhalb eines Wortes großgeschrieben, wenn etwa bei Bezeichnungen von Personengruppen kenntlich gemacht werden soll, dass sowohl die weibliche als auch die männliche Form gemeint ist. Eine Debatte, die laut Hirte in der ehemaligen DDR nicht stattfindet: „Diese Form der politischen Korrektheit gab es dort nicht und sie gibt es auch heute kaum.”

Es habe zudem gesellschaftliche Entwicklungen in der Zeit des geteilten Deutschlands gegeben, die sich nur auf einer Seite abspielten oder zumindest unterschiedlich wahrgenommen wurden. Die Achtundsechziger-Bewegung sei eine davon. „Beim Thema 1968 haben die Menschen im Osten die Panzer in Prag in Erinnerung und nicht Rudi Dutschke”, so Hirte.

Diese gesellschaftlichen Unterschiede , zu denen Hirte auch die Verbundenheit der Ostdeutschen zu Russland zählt, dürften sich „nicht zu Nachteilen entwickeln.” Als Ostbeauftragter sieht der Thüringer seine Aufgabe darin, diese Unterschiede überwinden. Auf lange Sicht will Hirte aber offenbar den Posten des Ostbeauftragten überflüssig machen. „Perspektivisch muss das Ziel sein, dass es diesen besonderen Blick durch einen Ostbeauftragten nicht mehr geben muss”, sagte er.

 

Zur Person:

Christian Hirte wurde am 23. Mai 1976 in Bad Bad Salzungen, Thüringen, geboren. Seit Mai 2008 ist der CDU-Politiker Mitglied des Bundestages. Im März 2018 wurde er zum Ostbeauftragten der Bundesregierung benannt. Zudem ist Hirte seit 2018 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Wirtschaft und Energie, Mittelstand, Tourismus. Der Rechts- und Fachanwalt für Steuerrecht ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern und einem Sohn.

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