KONTAKTVERBOT

Parks zu? Die Drohung der Kanzlerin

Corona? Kontaktverbot? Ausgehbeschränkung? Aber bitte nicht in Deutschlands Großstädten. Dort tickt die Krise offenbar anders. Kindergeburtstage und Grillpartys geben den Takt vor.
Volksauflauf: Spaziergänger und Fahrradfahrer vergnügen sich auf dem Tempelhofer Feld inmitten der Hauptstadt Berlin
Volksauflauf: Spaziergänger und Fahrradfahrer vergnügen sich auf dem Tempelhofer Feld inmitten der Hauptstadt Berlin. Fabian Sommer
Berlin.

Eltern köpfen Wein- und Bierflaschen in ebenso großer wie geselliger Runde, Kinder raufen und toben sich in Mannschaftsstärke durch Innenhöfe und Parks – willkommen in der Corona-Krise. „Ich bin doch jung, mir kann dieses Virus gar nichts. Ich mache mein Ding“, so die gern benutzte Begründung für den entfesselten Egoismus.

Es ist Party-Time in Deutschlands Großstädten: Ob am Isar-Ufer in München, den Rhein-Wiesen in Düsseldorf, den Parks in Berlin oder dem Alster-Ufer in Hamburg – feucht-fröhlich regiert das kurzweilige Vergnügen. Schließlich hat die Regierung erste Lockerungen ausgerufen. Und genau mit diesem Lockruf könnte die Partygesellschaft überfordert worden sein. Das sagt beispielsweise Systembiologe Michael Meyer-Hermann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Vielleicht haben die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der vergangenen Woche gewählten Begriffe von Lockerung und Öffnung bei Teilen der Bundesbürger den Impuls ausgelöst, dass jetzt wieder alles wie früher sei – ungehemmte Freiheit ohne Beschränkungen, argumentiert der Wissenschaftler.

Meyer-Herrmann gilt als Skeptiker gegenüber den teilweise geltenden Lockerungen. Der Professor aus Niedersachsen hätte es lieber gesehen, wenn der Lockdown noch weitere drei Wochen durchgezogen worden wäre. In der Hoffnung, die Ansteckungsgefahr weiter entschieden zu senken. Ob die Kanzlerin – trotz aller verkündeten Öffnungen – doch ähnlich denkt wie der der Systembiologe?

„Bisher keine Parks geschlossen.” Bisher!

Zumindest sprach Angela Merkel am Montag im Anschluss an die Sitzung des Corona-Kabinetts eine mehr oder wenige unverhohlene Drohung an die Partygesellschaft Deutschland aus. „Bei uns durfte bisher – im Gegensatz zu Österreich, Italien oder Frankreich – jeder immer raus gehen. Wir haben bisher keine Parks geschlossen“, sagte die Regierungschefin. Bisher!

Es wäre jammerschade aber unvermeidbar, einen neuen Lockdown zu verhängen, wenn Deutschland bei den Infektionszahlen erneut in den Bereich des exponentiellen Wachstums geraten würde, mahnte die Kanzlerin und appellierte zugleich an Ministerpräsidenten und Bundesbürger, die „Öffnungsdiskussionsorgien“ zu unterlassen. Die Situation sei trügerisch, trotz der Lockerungen sollten wir uns nicht in Sicherheit wiegen. „Es kann auch ein Fehler sein, dass man zu schnell voranschreitet“, sagte die Kanzlerin an die Adresse der Ministerpräsidenten.

Kinder endlich wieder auf Spielplätze lassen

Fast gleichzeitig mit Merkels Appell zur Disziplin brachte Familienministerin Franziska Giffey vom Koalitionspartner SPD aber eine weitere Lockerung ins Gespräch: eine vorsichtige Öffnung von Spielplätzen – insbesondere in Städten. Alle Kinder bräuchten Bewegung und freies Spiel, sagte sie. Man müsse darüber reden, inwieweit eine teilweise Öffnung möglich sei, etwa mit einer begrenzten Zahl von Kindern.

Fraglich aber aufgrund der bisherigen Partylaune an den Hotspots der Republik, ob Mamas und Papas, Omas und Opas mit einer solchen Spielplatzöffnung adäquat umgehen können – oder ob sie das politische Reichen des kleinen Fingers als Freibrief zur kollektiven Unvernunft ausnutzen. Letzteres dürfte nach den bisherigen Erfahrungen der vergangenen Corona-Wochen wahrscheinlicher sein.

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Kommentare (1)

Die Partygesellschaften waren auch vor den Lockerungen aktiv. Wer Bekannte oder Verwandte o.ä .in Berlin hat.... weiß das. Und selbst wenn die Parks geschlossen würden, dann suchen sie sich eine andere Ebene.
Dieses "vielleicht, eventuell oder doch nicht" unserer Politiker kommt für sehr viele Menschen in Deutschland nicht kompetent rüber.