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Pharma-Pferde zu Wurst verarbeitet

Von Konzernen zur  Antikörperherstellung genutzte Tiere sollen in französischen Schlachthöfen illegal zu Lebensmitteln verarbeitet worden sein. Die Verbraucher sind geschockt.

Statt zum Gnadenhof ging es zum Metzger. Frankreich hat einen neuen Fleischskandal.
Caroline Seidel Statt zum Gnadenhof ging es zum Metzger. Frankreich hat einen neuen Fleischskandal.

Was französische Ermittler am Montag öffentlich machten, dürfte zahlreichen Verbrauchern den Appetit auf den Weihnachtsbraten vergehen lassen. Ausgerechnet kurz vor dem Fest erschüttert ein neuer Pferdefleischskandal die Lebensmittelindustrie. Die Behörden gehen Hinweisen nach, dass von Pharmaunternehmen und Reitställen verkaufte Pferde in Schlachthöfen massenweise zu Lebensmitteln verarbeitet wurden. Schuld sollen skrupellose Zwischenhändler sein.

Es ist bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass Pferde im Mittelpunkt von offensichtlich großangelegten Betrügereien stehen. Zu Jahresbeginn war herausgekommen, dass in ganze Europa riesige Mengen Pferdefleisch als Rind verkauft wurden.

Es könnten Antibiotika-Rückstände enthalten sein

Diesmal könnte der Skandal noch unangenehmer sein. Im Gegensatz zu den Anfang 2013 entlarvten Betrügern, soll diesmal mit Fleisch gehandelt worden sein, das eigentlich niemals in die Nahrungskette hätte gelangen dürfen. Theoretisch könnte es zum Beispiel Rückstände von Antibiotika enthalten. Es sei zurzeit nicht abzuschätzen, ob Verbraucher in Gefahr gebracht worden seien, teilte die Regierung mit.

Ermittler hatten kurz zuvor im Morgengrauen eine Großrazzia in elf Départements im Süden des Landes gestartet. Rund 100 Einsatzkräfte der Polizei durchsuchten Unternehmen und nahmen 21 Verdächtige fest, unter ihnen auch den mutmaßlichen Drahtzieher des Betrugs.

Arzneimittel-Konzern: Alle Pferde eindeutig gekennzeichnet

Als ein Opfer des Betruges gilt neben den Verbrauchern der französische Pharmakonzern Sanofi. Das auf Impfstoffe spezialisierte Tochterunternehmen Sanofi Pasteur musste am Montag bestätigen, dass ein Teil der illegal in Schlachthöfen gelandeten Tiere von ihm stammen könnte. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren rund 200 Tiere weiterverkauft, die zuvor zur Herstellung von Antikörpern gegen Tollwut und Tetanus sowie zum Beispiel von Schlangengiften genutzt wurden“, sagte Sprecher Alain Bernal. Alle Pferde seien aber eindeutig als nicht lebensmitteltauglich gekennzeichnet gewesen.