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Plastiktasche kommt künftig nicht mehr in die Tüte

Plastiktüten und anderer Kunststoff verschmutzen die Weltmeere.
Plastiktüten und anderer Kunststoff verschmutzen die Weltmeere.
Mike_Nelson

Der Tragebeutel ist überall. Er ist ja auch praktisch. Doch die EU will den Verbrauch von Einwegtüten eindämmen. Was sich die EU davon erhofft und welche Alternativen es zu Plastiktüten gibt.

Warum will die EU den Verbrauch von Plastiktüten drücken?

Plastiktüten sind für ihr Gewicht ganz schön stabil. Doch was Verbraucher freut, kann der Umwelt schaden. Plastiktüten sind biologisch nicht abbaubar, sie müssen verbrannt werden. Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) werden dabei klimaschädliche und giftige Substanzen freigesetzt. Aber das größte Problem ist, dass viele Tüten gar nicht richtig entsorgt werden. Sie landen in der Natur. Kleinteile werden von Seetieren wie Fischen und Vögeln gefressen. Sie ersticken an den Resten

Wie viele Tüten werden pro Jahr genutzt?

Nach Zahlen aus dem Jahr 2010 kommen jährlich etwas weniger als 100 Milliarden Plastiktüten in Europa in Umlauf. Das entspricht 198 Tüten pro Jahr und Bürger, die meisten davon Einwegtüten. Deutschland steht laut Handelsverband Deutschland (HDE) gut da. Das sei auch dem durch den Grünen Punkt bereits weitverbreiteten Recyclingsystem zu verdanken. In Deutschland liege der Verbrauch bei jährlich 76 Tüten pro Kopf.

Diese Zahlen sollen also sinken?

Genau. Nach derzeitigem Stand soll jeder EU-Bürger Ende 2019 nur noch 90 Einwegtüten verbrauchen pro Jahr, Ende 2025 nur noch 40 Tüten. Ganz dünne Tüten, die es etwa an der Gemüsetheke gibt, wären aber ebenso wie stabile Mehrfachtüten nicht betroffen. Genauso gut könnte es Abgabegebühren geben oder Steuern für den Einzelhandel. Die Regierungen hätten die Wahl. Hauptsache, die Tüte wäre nicht mehr kostenlos. Auch andere Maßnahmen mit ähnlicher Wirkung wären möglich.

Sind Plastiktüten okay, wenn man sie immer wieder benutzt?

Plastiktüten seien in der Regel sehr dünn oder zu dünn, um sie mehrfach zu verwenden, erklärt BUND-Experte Rolf Buschmann. Das heißt, wenn Kunststofftüten genutzt werden, dann sollten sie so konzipiert sein, dass sie länger mehrfach verwendbar sind. Sogenannte Mehrzwecktüten seien aber kaum zu erkennen, sagt Buschmann. Der Handel müsse diese explizit ausweisen.

Warum ist die Tüten-Einigung der EU noch nicht endgültig?

Bisher gibt es nur einen Kompromiss zwischen Unterhändlern des Europaparlaments und der EU-Staaten. Am Freitag sollen die EU-Botschafter zustimmen, danach das Parlament. Doch nun meldet die EU-Kommission Bedenken an. Sie könnte ihren Vorschlag möglicherweise in letzter Minute zurückziehen.

Welche Sorgen hat die EU-Kommission?

Ihr gehen die Pläne zu weit – besonders angepeilte Standards für kompostierbare oder biologisch abbaubare Beutel. Es sei zudem unklar, wie viele Tüten in allen EU-Staaten verbraucht werden.

Gibt es auch politische Gründe?

Das ist durchaus möglich Die Kommission selbst spricht von „besserer Regulierung“. Das heißt so viel wie bessere, gezieltere Gesetzgebung. Mehr Ehrgeiz bei wichtigen Dingen, mehr Brüsseler Zurückhaltung bei Kleinigkeiten, hat Kommissionspräsident Juncker als Marschrichtung vorgegeben.

Sind kompostierbare Plastiktüten eine Alternative?

Nein, sagt der BUND. Auch wenn die Ökobilanz der kompostierbaren Alternativen aus Cellulose und Stärke besser ausfällt, enthalten sie auch einen geringen Anteil sogenannter einfacher Kunststoffe. Sie bleiben im Kompost als gefährliche Kleinstbestandteile zurück. Aber es gibt noch ein Problem: Die Alternativen sind von anderen Plastikprodukten kaum zu unterschieden. Geben Sie diese Tüte in den Biomüll, werde sie von den biologischen Verwertungsanlagen als Störstoff aussortiert, erläutert Buschmann.

Was ist denn die beste Alternative?

Das sind alle wiederverwendbaren Tragetaschen: Rucksack, Korb, die Stofftüte. „Wenn ich eine Plastiktüte benötige, sollte ich mir eine kaufen, die ein längeres Leben vor sich hat und nicht nach einem kurzen Gebrauch im Abfall landet“, rät Umweltexperte Buschmann

Was spricht gegen Papiertüten?

Auch sie sind ein Einwegprodukt und daher ebenfalls nicht besonders ökologisch. „Beim Papier haben wir allerdings den Vorteil, dass sie hier einen geregelten Recyclingkreislauf haben“, sagt Rolf Buschmann.

Was tue ich, wenn mir im Geschäft eine Plastiktüte aufgedrängt wird?

Nicht nur an der Kasse, sondern bereits im Regal kommen Verbraucher an die Plastiktüten. „Der Wahnsinn ist zum Beispiel, wenn Gurken oder Salate noch in Plastikfolie eingepackt werden“, sagt BUND-Experte Buschmann. „Die Frage ist, ist das noch unbedingt notwendig oder kann ich das Produkt auch unverpackt bekommen?“