NEUE GASPIPELINE

Polen machen russischer Pipeline Konkurrenz

Seit Jahren streiten Regierungen im östlichen Mitteleuropa um die Dominanz Russlands in der Gasversorgung. Mithilfe der EU soll sich dies nun ändern.
Gunnar Meiselbach Gunnar Meiselbach
Das neue Baltic Pipe Projekt (grün gestrichelte Linie) stellt eine Alternative zu Nord Stream (rote Linie) und Nord Stream 2 (blau gestrichelte Linie) dar.
Das neue Baltic Pipe Projekt (grün gestrichelte Linie) stellt eine Alternative zu Nord Stream (rote Linie) und Nord Stream 2 (blau gestrichelte Linie) dar. NK-Grafik
Neubrandenburg.

Wer in Vorpommern an eine Pipeline denkt, wird dies wohl als Erstes mit den Gasleitungen von Nord Stream verbinden. Bald wird aber nicht nur Gas von Ost nach West über den Meeresgrund fließen, sondern auch in entgegengesetzte Richtung. Die pommersche Ostseeküste scheint ein wichtiger Knotenpunkt für die Energieversorgung Europas zu sein. Wenn am Dienstag in Stralsund über eine neue Gaspipeline informiert wird, dann nicht über Nord Stream, sondern über das Baltic Pipe Project der Europäischen Kommission.

Ein polnisch-dänisches Konsortium plant eine neue Gastrasse, von der Nordsee über Dänemark entlang der Küste Vorpommerns bis an die polnische Ostseeküste. Auch Schweden und Dänemark sollen mitversorgt werden können. Sie wird Teil eines Energieprojektes, welches einen Korridor für die Versorgung bis nach Kroatien schlagen soll.

Noch hat Polen einen Liefervertrag mit Gazprom

Die polnische Regierung sei dazu entschlossen die hohe Energieabhängigkeit aus dem Osten im Gasbereich zu beenden, so der polnische Energieminister Krzysztof Tchórzewski. Zurzeit stammen 70 Prozent des importierten Erdgases aus Russland.

Dem Konsortium des Baltic Pipe Projects gehören zwei große Investoren an, der staatliche polnische Netzbetreiber Gaz-Systems und der dänische Strom- und Gasnetzbetreiber Energinet. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete, ein ebenfalls in polnischer staatlicher Hand befindlicher Energieversorger hat bereits für 15  Jahre Kapazitäten in der Leitung reserviert. In diesem Jahr noch soll eine Bauentscheidung fallen.

Noch hat Polen einen Liefervertrag mit dem Moskauer Gasriesen Gazprom, dieser soll im Jahr 2022 nicht verlängert werden. Der Ersatz dafür kann dann durch eine eigene Pipeline beschafft werden. Dem Ziel, den russischen Marktanteil am Gas zurückzudrängen, kommt das Land damit wieder einen Schritt näher.

Bis zum Jahr 2037 soll Gas geliefert werden

Der Konzern Gazprom ist auch Hauptanteilseigner an Nord Stream. Polen ist von Beginn an ein Gegner der Trasse gewesen. Ebenso kritisieren die USA Nord Stream und das Verlegen der zweiten Ausbaustufe Nord Stream 2. Bei einem Besuch in Warschau Ende Januar, erklärte US-Außenminister Rex Tillerson, dass auch die US-Regierung ein Gegner der Leitung sei. Die Polen fordern sogar die Aufnahme von Nord Stream 2 auf die US-Sanktionsliste gegen Russland.

Der Termin der Fertigstellung des Baltic Pipe Projects ist für das Jahr 2022 vorgesehen und soll bis ins Jahr 2037 zuverlässig Gas liefern. Die Trasse quert Wasserflächen mit Zuständigkeiten von Polen, Deutschland, Schweden und Dänemark. Für die polnischen Küstengewässer läuft in Warschau bereits ein Genehmigungsverfahren. Die Pipeline wird unter Wasser bis zu 286 Kilometer lang werden, je nach Trassenführung.

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