27 Beamte verletzt
Polizei zieht erste Bilanz von Einsatz an Hambacher Forst

Akivisten an der geräumten Baumhaussiedlung "Lorien" im Hambacher Forst.
Akivisten an der geräumten Baumhaussiedlung „Lorien” im Hambacher Forst.
Christophe Gateau

299 Menschen in Gewahrsam, 873 Platzverweise – und 27 verletzte Polizisten. Das sind nur einige der Zahlen aus einer vorläufigen Bilanz zum Dauereinsatz am Hambacher Forst.

Nach der Räumung der Baumhäuser im Hambacher Forst bei Kerpen hat die Aachener Polizei am Dienstagabend eine Bilanz des dreiwöchigen Einsatzes gezogen. Insgesamt seien 86 Baumhäuser abgebaut worden, erklärte ein Sprecher. Nach seinen Angaben wurden bei dem Dauereinsatz mit mehreren Hundertschaften Polizei insgesamt 873 Platzverweise und 41 Betretungsverbote ausgesprochen.

Zudem seien 144 Menschen vorläufig festgenommen und 299 kurzfristig in Gewahrsam genommen worden. Der Bilanz zufolge wurden 27 Beamte verletzt. Über Verletzte aufseiten der Waldbesetzer wurde nichts mitgeteilt.

Es gab auch einen Toten

Am 19. September war ein junger Blogger ums Leben gekommen. Er stürzte bei Filmaufnahmen von der Räumung eines nahe gelegenen Baumhauses von einer 15 Meter hohen Hängebrücke.

Der Energiekonzern begann nach der Räumung damit, das Waldgebiet abzusperren und einen Graben zu ziehen, um eine neue Besetzung des Forstes zu verhindern, der als Symbol des Widerstands gegen den Kohle-Abbau gilt.

Eindringen in den Wald ab sofort strafbar

Ein Eindringen in den Wald nach der Umfriedung wäre ein Hausfriedensbruch. Die Polizei kündigte an, sie werde „auch in den kommenden Tagen vor Ort vertreten sein, um bei Bedarf gefahrenabwehrend oder strafverfolgend tätig werden zu können“.

RWE will für den weiteren Kohle-Abbau ab Mitte Oktober rund hundert Hektar Wald roden – die Hälfte des noch stehenden Forstes. Dagegen wollen Tausende Umweltschützer am Samstag vor Ort demonstrieren. Die Veranstalter rechnen mit mehr als 20.000 Teilnehmern.

Bis 14. Oktober Entscheidung über Klage

Die Umweltverbände fordern, die Bäume an dem Braunkohlentagebau zwischen Köln und Aachen zumindest solange nicht zu fällen, wie die Kohlekommission in Berlin über den Kohleausstieg verhandelt. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) hofft, die Rodungen noch gerichtlich stoppen zu können. Das Oberverwaltungsgericht Münster hat angekündigt, bis zum 14. Oktober über eine Klage des Verbands zu entscheiden, der in einer Abholzung einen Verstoß gegen europäisches Naturschutzrecht sieht.