Prof. Christian Drosten soll im Gerichtsverfahren der Querdenken-Anwältin Beate Bahner ein Gutachten zum PCR-Test anferti
Prof. Christian Drosten soll im Gerichtsverfahren der Querdenken-Anwältin Beate Bahner ein Gutachten zum PCR-Test anfertigen.
Gericht stimmt zu

Anwältin fordert Drosten als Gutachter an

Das Amtsgericht Heidelberg hat in einem Verfahren Prof. Christian Drosten als Gutachter benannt. Brisant: Die Behörde folgt damit dem Antrag der Juristin Beate Bahner von den "Anwälten für Aufklärung" – bekannt aus dem Querdenken-Umfeld.
Heidelberg

Es wäre das erste Mal, dass Deutschlands Corona-Fronten in einem Gerichtsverfahren aufeinandertreffen: Regierungsberater Drosten mit Gutachten in Querdenker-Prozess beauftragt – das könnte spannend werden.

Ist der PCR-Test ein geeigneter Nachweis?

In einem eigentlich marginalen Bußgeldverfahren hatte die Heidelberger Rechtsanwältin Beate Bahner beim Amtsgericht Heidelberg den Charité-Chefvirologen Prof. Christian Drosten als Sachverständigen angefordert. Grund: Es geht es um sein Spezialgebiet, den PCR-Test. „Als Gutachter wollte ich natürlich den Besten haben“, sagt Bahner dem Nordkurier. Viel Hoffnung, dass es klappt, hatte sie aber nicht.

Wochen später kommt ein Beschluss vom Amtsgericht an. „Ich hatte den Fall schon fast wieder vergessen“, erzählt Bahner. Dann die Überraschung: „Der Richter hat meinen Vorschlag akzeptiert und tatsächlich Professor Drosten mit einem schriftlichen Gutachten beauftragt. Das hat mich schon gefreut!“

Mehr lesen: PCR-Test-Hersteller: Die Hälfte aller Corona-Positiven ist nicht ansteckend

Bahners Mandantin hatte sich geweigert, bei der Rückkehr aus dem Ausland einen PCR-Test zu machen. „Sie hatte sich – wie vorgeschrieben – in Quarantäne begeben“, so Bahner. „Dann allerdings verweigert, darüberhinaus noch einen PCR-Test zu machen.“ Vom Rechtsamt hatte die Frau deshalb ein Bußgeld von 125 Euro kassiert und dagegen Einspruch eingelegt. Erst auf eigene Faust, dann mit Hilfe der bekannten Anwältin.

„Zum Sachverständigen wird bestimmt: Prof. Drosten, Charité”

Deren Argumentation wird seitens der Querdenken-Bewegung seit Monaten propagiert: Der PCR-Test sei zwar ein etabliertes Diagnose-Werkzeug, könne aber – stark verkürzt ausgedrückt wegen zu hoher Empfindlichkeit – keine akute Infektion im Sinne des Infektionsschutzgesetz nachweisen. Im Umkehrschluss, so Bahner in ihrem Einspruch-Schreiben an das Heidelberger Landratsamt, sei der PCR-Test damit auch zum Nachweis des Nichtvorhandenseins einer Infektion ungeeignet.

„Wir bitten zur Klärung des Sachverhalts daher die Vernehmung über die Fähigkeit, Zuverlässigkeit und Geeignetheit zur Feststellung von Sars-COV2-Infektionen durch Prof. Christian Drosten, zu laden über die Charité in Berlin“, so Bahner in dem Schreiben vom November 2020. „Sollte sich wider Erwarten zeigen, dass der PCR-Test doch Krankheitserreger und zugleich eine akute Infektion nachweisen kann, wird meine Mandantin gerne einen entsprechenden PCR-Test vornehmen lassen.“

Mehr lesen: Sollte Corona-Anwältin Beate Bahner mundtot gemacht werden? 

Anfang Februar dann die Antwort – in Form eines offiziellen Beschlusses vom Amtsgericht Heidelberg: „Zur Behauptung der Verteidigerin, dass ein PCR-Test keine Infektion im Sinne des §2 des Infektionsschutzgesetz nachweisen könne, soll ein schriftliches Sachverständigengutachten erhoben werden. Zum Sachverständigen wird antragsgemäß bestimmt: Hr. Prof. Dr. Drosten, Charité Berlin.“

„Das ist schon ein Statement des Richters”

„Das war schon eine Überraschung“, sagt Beate Bahner im Nordkurier-Interview. „Und es ist vor allem ein Statement des Richters, dass er meine Zweifel an der Wirksamkeit des PCR-Tests im Hinblick auf eine Infektion ernst nimmt.“ Hätte der Richter den Antrag denn ablehnen können? Bahner: „Er hätte auch einen anderen Sachverständigen auswählen können. In einem Ordnungswidrigkeitenverfahren um 125 Euro musste er nicht zwingend Drosten beauftragen.“

Bleibt die Frage, ob Drosten seiner Aufgabe nachkommt. Der Nordkurier fragte diesbezüglich bei der Charité an. Eine Klinik-Sprecherin: "Es wurde hier bereits über die Sache gesprochen – eine Antwort von Professor Drosten steht noch aus." „Es kann natürlich sein, dass Prof. Drosten aus zeitlichen Gründen absagt“, meint Anwältin Bahner. „Trotzdem hat bereits seine Ernennung als Sachverständiger gezeigt, dass womöglich etwas nicht stimmt mit dem Test.“

Auch interessant: Prenzlauer Hausarzt will nicht mit Astrazeneca impfen

Die Juristin könne sich auch vorstellen, dass die Sache bewusst hinausgezögert oder der Bußgeldbescheid demnächst einfach zurückgenommen wird, um der Klärung der Frage um die Eignung des PCR-Tests den Boden zu entziehen. Bahner zum Nordkurier: „Das wäre zwar bedauerlich, aber auch okay für mich. Allein der Beschluss hat uns Anwälte sehr gefreut und setzt ein Zeichen.“

Drosten-Statement zur PCR-Methode

In einem Interview aus dem Jahr 2014, in dem Charité-Virologe Drosten vom Magazin „Wirtschaftswoche” zum damals grassierenden MERS-Virus befragt wurde, hatte er zum Thema PCR-Tests selbst gesagt: „Die Methode ist so empfindlich, dass sie ein einzelnes Erbmolekül dieses Virus nachweisen kann. Wenn ein solcher Erreger zum Beispiel bei einer Krankenschwester mal eben einen Tag lang über die Nasenschleimhaut huscht, ohne dass sie erkrankt oder sonst irgend etwas davon bemerkt, dann ist sie plötzlich ein Mers-Fall. Wo zuvor Todkranke gemeldet wurden, sind nun plötzlich milde Fälle und Menschen, die eigentlich kerngesund sind, in der Meldestatistik enthalten.”

zur Homepage